Anleiheinvestoren sollten ihre Ertragsquellen breiter aufstellen

Anleiheinvestoren sollten ihre Ertragsquellen breiter aufstellen
Anleihen

Der Sommer hat die Risiken an den Finanzmärkten nicht ausgeräumt. Seit dem Scheitern der Waffenruhe im Juli kommen die Verhandlungen über ein Friedensabkommen zwischen Iran und den USA kaum voran. Der Konflikt belastet damit weiterhin die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte.

15.09.2026 | 06:23 Uhr

Vor allem die Gefahr neuer Energiepreisschocks erhöht den Inflationsdruck und sorgt für Bewegung an den Zinsmärkten. In einem solchen Umfeld können Absolute-Return-Strategien ihre Stärken ausspielen. Da sie nicht an eine Benchmark gebunden sind, können sie flexibel in Staats- und Unternehmensanleihen, variabel verzinsliche Papiere, Wandelanleihen und Derivate investieren. So lassen sich unterschiedliche Ertragsquellen kombinieren und Portfolios breiter diversifizieren.

Chancen im Carry-Bereich

Derzeit ist es sinnvoll, laufende Anleiheerträge mit einer flexiblen Kreditallokation zu verbinden. Chancen können sich unter anderem bei Neuemissionen, bei ausgewählten Emittenten mit solider Bonität sowie durch gezielte Umschichtungen zwischen unterschiedlichen Rangstufen und Ratingkategorien ergeben.

Auch Staatsanleihen bleiben angesichts der gestiegenen Renditen attraktiv. Der Zinsanstieg seit Ausbruch des Nahostkonflikts hat einen erheblichen Teil der gestiegenen Inflationsrisiken bereits eingepreist. Besonders am kurzen Ende der Zinskurve sind die Renditen deutlich gestiegen. Laufzeiten von zwei bis vier Jahren bieten inzwischen ein attraktives Risiko-Rendite-Profil.

Inflationsschutz wird wichtiger

Kurze Laufzeiten allein reichen jedoch nicht immer aus. Auch der gezielte Einsatz inflationsgebundener Instrumente kann dazu beitragen, Portfolios widerstandsfähiger aufzustellen. Inflationsswaps etwa können die Auswirkungen steigender Teuerungsraten abfedern und die Schwankungen eines Anleiheportfolios reduzieren.

Wie wichtig solche Instrumente sein können, zeigte sich im ersten Halbjahr: Staatsanleihen gerieten deutlich unter Druck und konnten ihre traditionelle Rolle als sicherer Hafen zeitweise nicht erfüllen. Unternehmensanleihen entwickelten sich dagegen robuster. Die Bewertungen brachen insgesamt nicht vergleichbar stark ein. Unter Druck gerieten vor allem Anleihen mit niedrigen Ratings in den Kategorien CCC und B. Inzwischen liegen die Risikoaufschläge wieder auf dem Niveau vor Ausbruch des Konflikts – obwohl sich die wirtschaftlichen Aussichten eingetrübt haben. Das lässt nur wenig Spielraum für Enttäuschungen. Eine flexible Allokation und eine konsequente Anleiheauswahl werden daher umso wichtiger.

Finanzemittenten verfügen aus unserer Sicht über solide Fundamentaldaten und bieten weiterhin interessante Bewertungen. Das gilt insbesondere für Banken in Italien und Osteuropa. Die fortschreitende Konsolidierung des dortigen Banksektors kann zusätzliche Chancen bei der Anleiheselektion eröffnen. Bei stark konjunkturabhängigen Branchen ist dagegen Vorsicht geboten. Das betrifft insbesondere die europäische Automobil-, Chemie- und Einzelhandelsindustrie, die von einer weiteren wirtschaftlichen Abschwächung besonders betroffen wäre.

Fragiles Basisszenario

Für das Schlussquartal rechnen wir weiterhin mit einem moderaten, aber widerstandsfähigen Wachstum der Weltwirtschaft. Zugleich ist die Wahrscheinlichkeit negativer Szenarien gestiegen. Für Anleiheinvestoren spricht deshalb vieles dafür, flexibel zu bleiben. Absolute-Return-Strategien können dazu beitragen, Portfolios breiter zu diversifizieren und ihre Abhängigkeit von einzelnen Marktbewegungen zu verringern.

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