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Erwartungen an russische Wirtschaft gehen auseinander

Analysten sind unterschiedlicher Meinung über die Wirtschaftsperspektiven Russlands.

14.03.2012 | 07:45 Uhr von «Patrick Daum»

Im gestern erschienenen Newsletter von €uro Advisor Services widmete sich die Redaktion unter anderem der russischen Wirtschaft nach der Wahl Wladimir Putins zum Präsidenten. Elena Shaftan, Fondsmanagerin bei Jupiter Asset Management, gibt darin einen positiven Ausblick für die Wirtschaft des Landes. Zwar hat sie diese Meinung nicht exklusiv. Doch gibt es auch Stimmen, die die kurz- und mittelfristigen Wirtschaftsperspektiven kritischer sehen.

In Zusammenarbeit mit dem Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen sowie dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft haben Gunter Deuber und Andreas Schwabe, Osteuropa-Experten der Raiffeisen Zentralbank Wien, eine Analyse zu den russischen Wirtschaftsperspektiven verfasst. Sie sehen viele Wirtschaftsindikatoren in Russland in den Jahren 2012 und 2013 unter den Niveaus der Vorkrisenzeit, da zu viel der vergangenen Wirtschaftsdynamik auf einer steigenden Verschuldung im privaten Sektor sowie fortwährend steigenden Rohstoffpreisen basiert hätte. Mit Blick auf das BIP erwarten die Analysten niedrigere Zuwachsraten als im letzten Konjunkturzyklus. Unter der Voraussetzung, dass die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten stabil bleiben, prognostizieren sie ein Wachstum von etwa 3,2 Prozent für 2012 und 4 Prozent für 2013. Der verhaltene Wirtschaftsausblick habe vielseitige Gründe. So sei eine merkliche Abschwächung der heimischen Wirtschaftsdynamik im Vergleich zu der Zeit vor der Krise zu verzeichnen. Der private Sektor habe sich an fortwährend steigende Rohstoffpreise und rapide steigende Löhne und Unternehmensgewinne gewöhnt, so Deuber und Schwabe.

Marcus Svedberg, Chefökonom des schwedischen Vermögensverwalters East Capital und ebenfalls mit einer aktuellen Studie auf dem Markt, sieht in Russland hingegen eine starke Binnenwirtschaft. Der Konsum bleibe mit einem Anteil von ca. zwei Dritteln der Wirtschaftsleistung der wichtigste Wachstumstreiber.

Deuber und Schwabe hingegen betonen die strukturell immer ineffizienter gewordene Fiskalpolitik Russlands. Genau wie der private Sektor habe sich auch der Staat an die schnell steigenden Rohstoffpreise gewöhnt. Ebenso seien die Kapitalabflüsse ein großes Problem. Devisen werden für Auslandsinvestitionen oder in die Rückzahlung von Verbindlichkeiten verwendet. Dies werde in der inländischen Diskussion in Russland auch oft als „Kapitalflucht“ bezeichnet.

Svedberg jedoch sieht gerade in der Kombination aus einer differenzierten Geldpolitik, der Kapitalabflüsse sowie fallenden Lebensmittelpreisen einen Vorteil. Denn dadurch sei die Inflation unter 4 Prozent gedrückt worden, was den tiefsten Stand aller Zeiten bedeute.

Deuber und Schwabe wiederum bewerten den russischen Export als wenig differenziert nach Regionen und Produkten. So sei das Land stark von Rohstoffexporten und der EU als Handelspartner abhängig. Die sich im ersten Halbjahr 2012 abzeichnende Rezession in Westeuropa werde auch Russland treffen. Auch hier ist Svedberg anderer Meinung. Er erkennt sowohl einen überraschend starken Export als auch eine starke Industrieproduktion. Zwar hänge dies auch mit dem steigenden Ölpreis zusammen. Ein Wachstum der Industrieproduktion um 3,8 Prozent im Januar sei jedoch ein Zeichen der Stärke. Darüber hinaus verzeichne Russland einen Rekord-Handelsüberschuss von 20 Milliarden US-Dollar.

In Bezug auf die zukünftigen Aufgaben Russlands, sind sich allerdings alle Analysten einig. So bewerten Deuber und Schwabe die mittelfristig mögliche Wirtschaftsdynamik insegesamt differenziert: „Einerseits sind noch einfach zu erschließende Aufhol- bzw. Wachstumspotenziale vorhanden. Andererseits wird immer deutlicher, dass das bisherige Wirtschaftsmodell Russlands an seinen Grenzen stößt.“ Die Stimmung der internationalen Kapitalmärkte gegenüber Russland habe sich im vergangenen Jahr verschlechtert. Längerfristig sehen die beiden Analysten nur zwei wirtschaftliche Entwicklungspfade. Entweder müsse ein niedriger Wachstumspfad mit all seinen (wirtschafts-)politischen Implikationen akzeptiert oder die Voraussetzungen für eine höhere Wirtschaftsdynamik gesetzt werden. „Beide Szenarien implizieren, dass in der Wirtschaftspolitik unangenehme Richtungsentscheidungen – mit sozial- und gesellschaftspolitischen Folgen – ausstehen.“ Zwar setzten die Wirtschaftsvertreter in Russland kurzfristig klar auf Wladimir Putin. Optimal sei jedoch die Beteiligung eines starken Wirtschaftsreformers am zukünftigen Präsidenten-Premier-Duo.

Auch Svedberg setzt für die Zukunft in Russland auf Reformen. Er glaubt, „dass Putins dritte Amtszeit, wie auch schon seine erste, durch ein selektives Reformprogramm geprägt sein wird.“ Jupiter-Fondmanagerin Elena Shaftan ist der gleichen Ansicht. Schon allein aus dem Grund, sein Ansehen in der Öffentlichkeit zu bewahren, sei Putin gezwungen Reformen einzuleiten. Darüber hinaus seien Investitionen in die Infrastruktur unentbehrlich: „Damit Putin seine Vision eines starken Russlands verwirklichen kann, muss die Regierung in Zukunft massiv in neue Straßen, Eisenbahnverbindungen und Flughäfen investieren“, so die Fondsmanagerin.

(PD)

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