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Warum Japan und die USA den Yen-Wechselkurs ins Visier nehmen

Naoki Kamiyama
Währungen

Die jüngste koordinierte Yen-Intervention von Japan und den USA hat den Devisenmarkt aufgerüttelt und den Yen deutlich aufgewertet. Für Amova-AM-Chefstratege Naoki Kamiyama ist vor allem das Signal an die Märkte entscheidend. Zugleich steigt aus seiner Sicht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung der Bank of Japan.

18.08.2026 | 10:45 Uhr

Die jüngste gemeinsame Yen-Stützungsaktion von Japan und den USA hat am Devisenmarkt deutliche Spuren hinterlassen. Der Yen wertete dabei innerhalb kurzer Zeit von rund 164 auf etwa 157 Yen je US-Dollar auf. Nach Einschätzung von Naoki Kamiyama, Chefstratege bei Amova Asset Management, ist jedoch nicht allein die unmittelbare Marktreaktion entscheidend. Größere Bedeutung habe der Signal- und Ankündigungseffekt der koordinierten Intervention. Denn Washington und Tokio haben damit aus Sicht des Strategen deutlich gemacht, dass eine übermäßige Schwäche der japanischen Währung zunehmend als Problem betrachtet wird. Das gelte nicht nur für Japan, sondern auch für die USA. 

Yen-Intervention setzt Spekulanten Grenzen 

Die koordinierte Aktion könnte insbesondere psychologische Wirkung auf die Devisenmärkte entfalten. Wenn Marktteilnehmer davon ausgehen müssen, dass Japan und die USA bei extremen Wechselkursbewegungen gemeinsam eingreifen, verändert dies die Rahmenbedingungen für spekulative Positionierungen. Kamiyama sieht deshalb weniger die Intervention selbst als vielmehr deren Signalwirkung als entscheidend an. Das gemeinsame Vorgehen könne spekulativen Marktteilnehmern Grenzen setzen und dazu beitragen, die Volatilität am Devisenmarkt zu reduzieren. Ziel der Maßnahme sei aus dieser Perspektive vor allem gewesen, extreme Bewegungen zu verhindern und Zeit zu gewinnen. Eine nachhaltige Trendwende beim Yen könne eine Intervention allein jedoch nicht erzwingen. Dafür müssten letztlich die fundamentalen Faktoren in die gleiche Richtung wirken. 

BoJ rückt stärker in den Fokus 

Besondere Bedeutung misst Kamiyama dem zeitlichen Zusammenhang mit der geldpolitischen Entscheidung der Bank of Japan (BoJ) Ende Juli bei. Die Behörden intervenierten demnach unmittelbar vor und nach der Sitzung am Devisenmarkt. Dieses Timing deutet aus Sicht des Strategen darauf hin, dass sich die japanischen Entscheidungsträger zunehmend der Wechselkurswirkungen ihrer Geldpolitik bewusst sind. Gleichzeitig sei die Botschaft auch an andere Zentralbanken gerichtet: Zur Stabilisierung der Finanzmärkte und Wechselkurse könnten neben der klassischen Geldpolitik weitere Instrumente eingesetzt werden. Damit rückt die Wechselwirkung zwischen BoJ-Zinspolitik und Yen-Kurs stärker in den Mittelpunkt. Eine weniger expansive Geldpolitik könnte den Yen grundsätzlich stützen, während ein größerer Zinsabstand zu den USA die japanische Währung bislang belastet hat. 

Zinserhöhung der Bank of Japan im September wahrscheinlicher 

Kamiyama sieht zugleich Anzeichen für eine restriktivere Haltung von BoJ-Gouverneur Kazuo Ueda. Damit steigt aus seiner Sicht die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September. Für den Yen wäre eine weitere Straffung der japanischen Geldpolitik grundsätzlich ein wichtiger fundamentaler Faktor. Eine höhere Verzinsung japanischer Anlagen könnte die Attraktivität des Yen erhöhen und damit eine nachhaltigere Aufwertung unterstützen. Allerdings bleibt die weitere Entwicklung von mehreren Faktoren abhängig. Entscheidend ist unter anderem, wie sich die Geldpolitik in Japan und den USA entwickelt und wie sich daraus die Zinsdifferenz zwischen beiden Ländern verändert. 

Stärkerer Yen könnte den TOPIX begünstigen 

Eine mögliche Yen-Wende hätte nach Einschätzung von Kamiyama nicht für alle japanischen Aktien den gleichen Effekt. Besonders interessant ist dabei der Vergleich zwischen TOPIX und Nikkei. Der TOPIX könnte bei einer stärkeren japanischen Währung besser positioniert sein als der Nikkei, weil der breite Index stärker in binnenwirtschaftlich orientierten Unternehmen und Sektoren engagiert ist. Diese Unternehmen könnten von einer Aufwertung des Yen profitieren, da sie weniger unter höheren Importkosten leiden. Insbesondere niedrigere Kosten für importierte Güter und Energie könnten sich positiv auf Unternehmen auswirken, deren Geschäft stärker vom japanischen Binnenmarkt abhängt. Exportorientierte Unternehmen stehen dagegen tendenziell vor einer anderen Ausgangslage: Ein stärkerer Yen kann ihre Wettbewerbsposition im Ausland belasten, weil Produkte aus Japan für internationale Kunden teurer werden. 

Yen-Wende wäre für japanische Aktien ein wichtiger Faktor 

Damit könnte eine mögliche Trendwende beim Yen auch die Kräfteverhältnisse am japanischen Aktienmarkt verändern. Während die lange Zeit schwache Währung exportorientierten Unternehmen Rückenwind verschafft hat, könnten bei einer nachhaltigen Yen-Aufwertung zunehmend binnenorientierte Unternehmen profitieren. Für Anleger wird deshalb neben der Entwicklung des japanischen Aktienmarktes selbst auch der Wechselkurs des Yen zu einem wichtigen Faktor. Entscheidend ist, ob die jüngste Intervention lediglich eine kurzfristige Stabilisierung bewirkt oder tatsächlich den Beginn einer nachhaltigen Trendwende markiert. Nach Einschätzung von Kamiyama sprechen die Signale aus Tokio und Washington dafür, dass eine extreme Yen-Schwäche künftig auf stärkeren Widerstand stoßen könnte. Ob daraus eine dauerhafte Aufwertung entsteht, hängt jedoch letztlich von den fundamentalen Rahmenbedingungen und insbesondere von der weiteren Geldpolitik der Bank of Japan ab. (jk)

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