Das Europäische Parlament treibt den digitalen Euro voran. Die Deutsche Kreditwirtschaft fordert im bevorstehenden EU-Trilog klare Prioritäten, faire Vergütung und die Einbindung aller Marktteilnehmer.
25.06.2026 | 09:00 Uhr
Die Einführung des digitalen Euro nimmt auf europäischer Ebene weiter Gestalt an. Rund drei Jahre nach Vorlage des Verordnungsvorschlags durch die Europäische Kommission hat der Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON) des Europäischen Parlaments seine Position zum geplanten digitalen Zentralbankgeld beschlossen. Nach der erwarteten Bestätigung durch das Plenum können die Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, EU-Mitgliedstaaten und Kommission im sogenannten Trilog beginnen.
Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) sieht darin eine entscheidende Phase für die Ausgestaltung des digitalen Euro. Der Branchenverband fordert dabei klare Prioritäten, wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen und eine enge Einbindung aller Marktteilnehmer.
Tanja Müller-Ziegler, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) und Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft für das Thema, bezeichnet die Positionierung des Europäischen Parlaments als wichtigen Meilenstein. Nun komme es darauf an, den digitalen Euro praktikabel und wirtschaftlich sinnvoll auszugestalten.
Aus Sicht der Kreditwirtschaft besteht die Gefahr, dass ein zu komplexes Regelwerk die Einführung verzögert und die Akzeptanz am Markt erschwert. Daher sollte der digitale Euro zunächst mit einem klar definierten Kernfunktionsumfang starten. Zusätzliche Funktionen sollten erst dann umgesetzt werden, wenn deren Nutzen und Marktrelevanz nachgewiesen seien.
Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen betrifft das Zusammenspiel mit bestehenden Zahlungsverkehrslösungen. Nach Auffassung der Kreditwirtschaft leisten Verfahren wie SEPA, die girocard oder die europäische Bezahllösung wero bereits heute wichtige Beiträge zu Wettbewerb, Resilienz und europäischer Souveränität im Zahlungsverkehr.
Der digitale Euro sollte diese Systeme ergänzen und nicht durch regulatorische Vorteile verdrängen. Die Branche warnt davor, funktionierende Marktstrukturen zugunsten eines neuen Systems zu schwächen.
Besonders kritisch sehen Banken und Sparkassen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Für die Einführung des digitalen Euro wären erhebliche Investitionen in technische Infrastruktur, Prozesse und Kundenanwendungen erforderlich.
Nach Ansicht der Deutschen Kreditwirtschaft muss deshalb ein tragfähiges Vergütungs- und Kompensationsmodell geschaffen werden. Eine Vergütung auf Basis der günstigsten bestehenden Zahlungsverkehrslösung würde die zusätzlichen Kosten für Aufbau und Betrieb einer neuen Infrastruktur nicht ausreichend berücksichtigen.
Darüber hinaus plädiert die Kreditwirtschaft für eine gesetzlich verankerte Governance-Struktur. Verbraucher, Händler, Unternehmen, Banken, Sparkassen und Zentralbanken sollten gleichermaßen in die Weiterentwicklung des digitalen Euro eingebunden werden.
Die Prioritäten für künftige Ausbaustufen müssten transparent festgelegt und praxisnah umgesetzt werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass der digitale Euro den Anforderungen aller Beteiligten gerecht werde.
Mit der Positionierung des Europäischen Parlaments beginnt nun die entscheidende Verhandlungsphase auf EU-Ebene. Im Trilog werden Parlament, Rat und Kommission die endgültigen Regeln für den digitalen Euro festlegen.
Für die Bankenbranche steht dabei die Frage im Mittelpunkt, ob es gelingt, ein digitales Zahlungsmittel zu schaffen, das sowohl den Anforderungen der Verbraucher als auch den wirtschaftlichen Interessen der Marktteilnehmer gerecht wird. Die Deutsche Kreditwirtschaft kündigte an, den weiteren Gesetzgebungsprozess konstruktiv begleiten und ihre Expertise in die Verhandlungen einbringen zu wollen. (jk)
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