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TiAM Investment-Konferenz Tegernsee: Jubiläum, Abschied und Investmentideen

Gabi Kick (TAS) und Rüdiger Sälzle (FondsConsult) blicken auf 20 Jahre Investment-Konferenz-Geschichte zurück
TiAM Investment-Konferenz

Auf der TiAM Investment-Konferenz in Tegernsee zeigen die Investmentexperten führender Fondsgesellschaften, welche Renditechancen die verschiedenen Assetklassen bieten. Teil 1: Makro-Ausblick, Biotech-Aktien und Multi-Asset-Fonds.

26.06.2026 | 11:00 Uhr von «M. von Arnim, P. Gewalt und J.Kränicke»

Die Investment-Konferenz am Tegernsee 2026 zählt nicht nur wegen des 20-jährigen Jubiläums der Veranstaltungsreihe zu einem Treffen, das besondere Emotionen geweckt hat. Denn mit Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Analysehauses FondsConsult, verabschiedet sich der Experte, der den Event zwei Dekaden lang moderiert hat. Zum letzten Mal führte Sälzle sympathisch wie professionell durch die Veranstaltung. Der lange Applaus des Publikums zu Beginn zeigt die große Wertschätzung, die Sälzle in der Finanzcommunity genießt. Gekommen waren zahlreiche Fondsselektoren zu dem Event, der Orientierung in der Investmentwelt bieten will, denn geopolitische Spannungen und zunehmende Börsenturbulenzen sorgen zunehmend für hohen Informationsbedarf. Dies boten Experten der Fondsgesellschaften ABN Amro, Candriam, DJE, Federated Hermes, Pax-Bank und Pictet.

Hier sehen Sie die besten Bilder des Eröffnungstages

Rückblick auf die Expertenvorträge am Donnerstag

Als erster Referent an diesem Tag zeichnete Dr. Ulrich Kaffarnik, Mitglied der Geschäftsführung von DJE Kapital AG, ein differenziertes Bild der Kapitalmärkte. Sein zentrales Fazit: Trotz hoher Unsicherheit zeigt sich die Weltwirtschaft erstaunlich robust – und eröffnet selektive Chancen für Investoren. Geopolitik, Geldpolitik und strukturelle Trends bleiben die entscheidenden Einflussfaktoren.

Dr. Ulrich Kaffarnik, DJE
Dr. Ulrich Kaffarnik, DJE

Dr. Ulrich Kaffarnik, DJE Kapital AG

„Timing ist erfahrungsgemäß allerdings sehr schwer, entscheidend ist die richtige Asset-Allokation“ 





Ein wesentlicher Treiber ist weiterhin die US-Wirtschaft, die sich trotz einer schwachen Verbraucherstimmung als widerstandsfähig erweist. Der Konsum bleibt stabil, getragen von einkommensstarken Haushalten. Gleichzeitig relativiert Kaffarnik die Bedeutung geopolitischer Themen wie Zölle oder Ölpreisschocks: „Viele dieser Risiken erweisen sich als kurzfristige Marktaufreger ohne nachhaltigen Effekt auf das globale Wachstum.“

Ein zentraler Wachstumsimpuls kommt aus dem Technologiesektor. Die Investitionen der großen US‑Technologiekonzerne („Hyperscaler“) steigen massiv und erreichen historische Größenordnungen. Kaffarnik sieht hierin einen stabilen Investitionszyklus, warnt jedoch vor Übertreibungen: „Nicht alle werden am Ende zu den Gewinnern gehören.“ Für Anleger bedeutet das eine klare Fokussierung auf Qualitätsunternehmen mit tragfähigen Geschäftsmodellen.

Regional zeigt sich ein gemischtes Bild: In China stabilisieren sich Frühindikatoren, allerdings bleiben Konsum und Immobiliensektor schwach. Europa entwickelt sich weiterhin verhalten, insbesondere die Industrie und Deutschland hinken hinterher.

Die Geldpolitik dürfte ihren restriktiven Höhepunkt erreicht haben. Kaffarnik erwartet eher sinkende Inflationsraten und eine Stabilisierung der Zinsen statt einer zweiten Inflationswelle. „Wir befnden uns wahrscheinlich nahe am Inflationshöhepunkt“, so seine Einschätzung. Damit verbessert sich perspektivisch das Umfeld für Anleihen wieder deutlich.

Aktien bleiben attraktiv

Für die Kapitalmärkte ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Aktien bleiben attraktiv, allerdings mit begrenztem Aufwärtspotenzial nach der starken Entwicklung der vergangenen Monate. Kaffarnik erwartet eher seitwärts tendierende Märkte mit erhöhter Volatilität. Gleichzeitig gewinnen Anleihen wieder an Bedeutung, da das Renditeniveau langfristig attraktive Einstiegschancen bietet.

Bei Aktien sieht Kaffarnik klare Schwerpunkte: Technologie bleibt strukturell interessant, insbesondere im Bereich Halbleiter und Künstliche Intelligenz, trotz erhöhter Bewertungen. Gleichzeitig gewinnen Energie‑ und ausgewählte zyklische Titel an Bedeutung. Asien und USA bleiben attraktiv, Europa bietet selektive Chancen – etwa im Euro Stoxx 50 nach dem langfristigen Ausbruch –, während der DAX aufgrund hoher Bewertungen vorsichtiger zu betrachten ist.

Auch alternative Anlageklassen spielen eine Rolle: Gold hält Kaffarnik nach der starken Korrektur in den letzten Monaten wieder für interessant. Beim Ölpreis rechnet er nicht mit dauerhaft hohen Niveaus – kurzfristige Ausschläge bleiben möglich, strukturell sieht er jedoch keine nachhaltige Angebotskrise.

Abschließend empfiehlt Kaffarnik eine breit diversifizierte Anlagestrategie mit aktivem Management: Rücksetzer an den Aktienmärkten sollten gezielt zum Einstieg genutzt werden, während Anleihen wieder stärker in den Fokus rücken. „Timing ist erfahrungsgemäß allerdings sehr schwer, entscheidend ist die richtige Asset-Allokation“, so sein Fazit. Insgesamt erwartet er ein solides, wenn auch weniger dynamisches Kapitalmarktumfeld mit moderaten Renditen.

Onkologie & Biotechnologie: differenzierte Renditechancen

Nachdem Ulrich Kaffanrik das Auditorium mit seinem Vortrag einmal rund um den Globus und mitten durch den zunehmend volatilen Kapitalmarkt geführt hat, richtet Linden Thomson, Senior Portfolio Managerin bei Candriam, ihren Blick gezielt auf einen Sektor, der nach ihrer Einschätzung vor einer neuen Wachstumsphase steht: das Gesundheitswesen.

Linden Thomson, Candriam
Linden Thomson, Candriam

Linden Thomson, Candriam

„ Healthcare bietet derzeit eine seltene Kombination aus strukturellem Wachstum, attraktiven Bewertungen und wissenschaftlicher Innovationskraft“

In ihrer Präsentation zeichnet sie das Bild eines globalen Innovationswettlaufs, der von medizinischem Fortschritt, künstlicher Intelligenz und einer wachsenden Zahl erfolgreicher klinischer Entwicklungen getragen wird. Für Thomson ist dabei insbesondere die Onkologie eines der spannendsten Anlagethemen der kommenden Jahre. Der weltweite Kampf gegen Krebs habe in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht, so Thomson. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei Krebserkrankungen sei erstmals auf über 70 Prozent gestiegen, während neue diagnostische Verfahren, zielgerichtete Therapien und innovative Technologien die Behandlungsmöglichkeiten kontinuierlich erweiterten. Gleichzeitig beschleunigten künstliche Intelligenz und digitale Prozesse die Arzneimittelentwicklung erheblich, verkürzten Entwicklungszeiten und senkten Forschungskosten.

Thomson verweist zudem auf die zunehmende Dynamik im internationalen Wettbewerb. Während die USA weiterhin der größte Gesundheitsmarkt der Welt blieben, habe sich China zu einem bedeutenden Zentrum für klinische Studien und biopharmazeutische Innovation entwickelt. Unternehmen wie BeOne zeigten beispielhaft, wie chinesische Forschungskompetenz mit globalen Vermarktungsstrukturen kombiniert werden könne.

Günstige Bewertung von Biotech-Aktien

Aus Anlegersicht sieht Thomson den Gesundheitssektor derzeit in einer besonders attraktiven Ausgangslage. Nach Jahren, in denen Kapital vor allem in Technologieaktien floss, sei Healthcare inzwischen historisch günstig bewertet. Gleichzeitig sprächen mehrere Faktoren für eine Erholung des Sektors: steigende Erfolgsquoten klinischer Studien, attraktive Bewertungsniveaus und eine wieder zunehmende Übernahmeaktivität großer Pharmakonzerne im Biotechnologiesektor. Hinzu komme die vergleichsweise geringe Abhängigkeit des Gesundheitswesens vom Konjunkturzyklus. Während Unternehmensgewinne in vielen Branchen starken Schwankungen unterliegen, zeichne sich Healthcare traditionell durch stabilere Ertragsentwicklungen aus.

Wer an diesem Trend partizipieren möchte, findet laut Thomson im Candriam Equities L Oncology einen gezielten Zugang zu den langfristigen Wachstumstreibern der Krebsforschung. Der Fonds investiert weltweit entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Onkologie – von großen Pharmakonzernen über Biotechnologieunternehmen bis hin zu Anbietern von Diagnostik, Labortechnologie und Medizintechnik. Dabei verfolgt das Management einen aktiven Ansatz mit klarem Fokus auf Unternehmen, die von wissenschaftlichen Durchbrüchen und technologischen Innovationen profitieren können.

Eine besondere Stärke des Fonds liegt nach Darstellung von Thomson in der Verbindung aus thematischer Spezialisierung und Risikobewusstsein. Das Portfolio weist eine vergleichsweise niedrige Volatilität innerhalb des Onkologiesegments auf und kombiniert etablierte Marktführer mit ausgewählten Wachstumsunternehmen. Rund drei Viertel der Anlagen entfallen auf die USA, ergänzt durch europäische und asiatische Titel.

Gleichzeitig profitiert der Fonds von der langjährigen Healthcare-Expertise bei Candriam. Das Investmenthaus hat über Jahrzehnte eine milliardenschwere Plattform für Gesundheitsinvestitionen aufgebaut und verfügt über ein spezialisiertes Team aus Fondsmanagern, Analysten und Wissenschaftlern mit umfassender Branchen- und Forschungserfahrung. Diese Expertise spiegelt sich auch in der bisherigen Wertentwicklung wider: Seit seiner Auflegung im Jahr 2018 konnte der Candriam Equities L Oncology den Gesundheitsindex MSCI World Health Care deutlich übertreffen.

Für Thomson ist deshalb klar, „dass Healthcare derzeit eine seltene Kombination aus strukturellem Wachstum, attraktiven Bewertungen und wissenschaftlicher Innovationskraft bietet." Gerade die Onkologie stehe exemplarisch für diesen Trend und könne Anlegern langfristig interessante Renditechancen eröffnen, während sie gleichzeitig von einer der wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit profitierten: dem Kampf gegen Krebs.

Systematik statt Bauchgefühl:  Faktor-Investing 

Wie lassen sich Aktienportfolios bauen, die langfristig stabile Erträge liefern und zugleich aktuelle Markttrends nutzen? Dieser Frage widmete sich Markus Rauch, Fondsmanager Systematic Investing bei Bethmann HAL, auf der TiAM Investmentkonferenz am Tegernsee. Vor zahlreichen Vermögensverwaltern und institutionellen Investoren gewährte er Einblicke in einen Investmentansatz, bei dem Daten, Modelle und klare Regeln wichtiger sind als Intuition und Bauchgefühl.

Markus Rauch, ABN Amro
Markus Rauch, ABN Amro
Daniel Röger

Markus Rauch, ABN Amro

„Die Modelle liefern die Entscheidungen, doch die finale Kontrolle bleibt beim Portfoliomanagement"

Rauch machte gleich zu Beginn deutlich, worauf sein Team bei der Aktienauswahl Wert für den Bethmann HAL European Dividends legt: Qualität. Gemeint sind Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, soliden Bilanzen und verlässlichen Cashflows und hohen Dividenden. „Wir wollen nicht nur sehen, ob Qualität auf dem Papier existiert, sondern ob sie tatsächlich durch echte Cashflows belegt wird“, erklärte der Fondsmanager.

Dafür analysiert das Team rund 600 europäische Unternehmen täglich anhand eines umfangreichen Kennzahlensets. Neben klassischen Größen wie Eigenkapitalrendite oder Bilanzstärke fließen weitere Faktoren ein. Das Ergebnis ist ein Qualitätsrating, das die Grundlage für die Titelauswahl bildet. Wichtig sei dabei, nicht nur einen Bilanzstichtag zu betrachten, sondern die Entwicklung eines Unternehmens über längere Zeiträume hinweg zu analysieren.

Qualität allein reicht nicht

Rauch warnte davor, sich ausschließlich auf bekannte Faktorindizes wie jene von MSCI zu verlassen. Deren Methodik habe in der Vergangenheit zwar gute Ergebnisse geliefert, sei jedoch nicht in allen Marktphasen erfolgreich gewesen. „Deshalb schauen wir deutlich tiefer in die Daten hinein“, sagte er. Durch die breitere Datenbasis und zusätzliche Kennzahlen lasse sich die Informationsqualität erhöhen und damit das Risiko-Rendite-Profil verbessern.

Neben dem Qualitätsfaktor spielt Momentum eine zentrale Rolle. Hier geht es darum, bestehende Markttrends systematisch zu erkennen und zu nutzen. „Ich kann den Wind nicht ändern, aber ich kann die Segel richtig setzen“, beschrieb Rauch den Ansatz bildhaft.

Gerade bei strukturellen Trends zeige sich die Stärke des Momentum-Faktors. Als Beispiel nannte er Rüstungswerte, die nach dem Beginn des Ukraine-Krieges deutlich an Dynamik gewannen. Solche Entwicklungen würden von klassischen Qualitätskennzahlen oft erst mit Verzögerung erfasst. Momentum hingegen reagiere schneller auf neue Marktbewegungen.

Analysten als Frühwarnsystem

Besonders interessant wurde es bei der Beschreibung der eigenen Momentum-Strategie. Diese basiert nicht nur auf Kursentwicklungen, sondern berücksichtigt auch Veränderungen in Analystenschätzungen. Wenn zahlreiche Analysten ihre Erwartungen für ein Unternehmen gleichzeitig nach oben anpassen, sei dies häufig ein Signal für einen beginnenden Trend.

Treffen positive Gewinnrevisionen auf eine bereits steigende Kursentwicklung, verstärke sich das Signal zusätzlich. Auf diese Weise würden auch neue Themen und Megatrends automatisch in den Investmentprozess einfließen – ohne dass das Portfoliomanagement aktiv Themenfonds oder Trendstories verfolgen müsse.

Dividenden als Zeichen von Stabilität

Als dritten Baustein stellte Rauch den Dividendenfaktor vor. Unternehmen, die regelmäßig Dividenden ausschütten und diese möglichst kontinuierlich steigern, verfügten häufig über stabile Geschäftsmodelle und solide Finanzstrukturen.

„Wenn ein Unternehmen dauerhaft Dividenden zahlen kann, ist das ein starkes Signal“, sagte Rauch. Dabei gehe es nicht allein um die aktuelle Dividendenrendite. Ebenso wichtig seien Dividendenwachstum und Verlässlichkeit der Ausschüttungen.

Typische Vertreter finden sich in Branchen wie Versorgern, Konsumgütern oder Finanzdienstleistungen. Gleichzeitig könne der Faktor aber auch Bewertungsaspekte berücksichtigen, da hohe Dividendenrenditen häufig mit günstigen Aktienkursen einhergehen.

Der schwierige Spagat zwischen Faktorprämien und Benchmark

Eine besondere Herausforderung besteht laut Rauch darin, die drei Faktoren Qualität, Momentum und Dividende miteinander zu kombinieren, ohne dass das Portfolio zu stark von seiner Benchmark abweicht.

Würde man ausschließlich auf die besten Faktorwerte setzen, entstünde ein sehr konzentriertes Portfolio mit hohen Risiken. Deshalb kombiniert der Bethmann HAL European Dividends die faktorbasierten Erkenntnisse mit einer Benchmark-orientierten Portfoliokonstruktion. Regionen, Länder und Sektoren werden dabei berücksichtigt, um extreme Abweichungen zu vermeiden.

Das Ergebnis soll ein Portfolio sein, das einerseits die gewünschten Faktorprämien einfängt, andererseits aber als robuster Baustein in einer strategischen Vermögensallokation eingesetzt werden kann.

Die Maschine arbeitet – der Mensch überwacht

Besonders aufmerksam verfolgte das Publikum die Ausführungen zur praktischen Umsetzung. Monatlich werden die Portfolios angepasst, wobei durchschnittlich rund fünf Prozent der Positionen ausgetauscht werden. Die Modelle berechnen täglich neue Bewertungen und Zielportfolios.

Trotz der hohen Systematik sieht Rauch den Menschen weiterhin in einer wichtigen Rolle. Die Modelle liefern die Entscheidungen, doch die finale Kontrolle bleibt beim Portfoliomanagement. „Wir schalten das Bauchgefühl aus, aber nicht die Verantwortung“, betonte er.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie viel der Prozess inzwischen automatisiert sei, griff Rauch zu einem anschaulichen Vergleich: „Wie beim Flug von Frankfurt nach New York macht die Maschine die meiste Arbeit. Trotzdem sitzt vorne noch ein Pilot im Cockpit.“

Langfristig auf Stabilität ausgelegt

Zum Abschluss unterstrich Rauch, dass der Ansatz nicht auf kurzfristiges Trading ausgelegt sei. Vielmehr gehe es darum, über verschiedene Marktphasen hinweg stabile Erträge zu erwirtschaften und sowohl an Aufwärtsbewegungen zu partizipieren als auch Rückschläge zu begrenzen.

Die Kombination aus Qualitätsunternehmen, Momentum-Trends und Dividendenstärke habe sich in der Vergangenheit bewährt. Entscheidend sei dabei nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten.

Die Zuhörer am Tegernsee honorierten den Vortrag mit zahlreichen Fragen. Dabei wurde deutlich: Systematisches Investieren ist längst mehr als eine Nische. Für viele professionelle Anleger entwickelt es sich zunehmend zu einem festen Baustein moderner Portfoliosteuerung.

Resilienz und Rendite im Multi-Asset Portfolio

Während viele Kapitalmarktstrategen derzeit über Künstliche Intelligenz, geopolitische Risiken oder die nächsten Zinsschritte diskutieren, stellte Bernhard Matthes von der Pax-Bank für Kirche und Caritas eG auf der TiAM Investmentkonferenz am Tegernsee eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie lässt sich Vermögen in einer zunehmend unsicheren Welt langfristig erhalten?

Bernhard Matthes, Pax-Bank
Bernhard Matthes, Pax-Bank
Jan-Christoph Herbst, Senior Portfoliomanager Mainfirst

Bernhard Matthes, Pax-Bank

„Die digitale Zukunft braucht physische Ressourcen“ 






Der Fondsmanager des BKC Treuhand Portfolio sprach nicht über Kursziele oder Konjunkturprognosen. Stattdessen erklärte er den Teilnehmern der TiAM Investmentkonferenz, warum ein gesunder Mischwald das bessere Vorbild für ein Portfolio sei als jede noch so ausgefeilte Marktprognose.

Der Vergleich zog sich wie ein roter Faden durch die Präsentation. Ein Mischwald sei widerstandsfähiger gegen Stürme, Schädlingsbefall oder andere externe Schocks als eine Monokultur. Genau diese Resilienz brauche auch ein Portfolio.

Für Matthes sind klassische Mischfonds aus Aktien und Anleihen deshalb längst nicht mehr ausreichend. Die traditionelle Annahme, dass Staatsanleihen in Krisenzeiten automatisch als Gegengewicht zu Aktien fungieren, habe in den vergangenen Jahren zunehmend an Überzeugungskraft verloren. Die Erfahrungen aus Corona-Pandemie, Inflationsschock und Zinswende hätten gezeigt, dass sich die Korrelationen zwischen den Anlageklassen verändern können. „Artenvielfalt macht Sinn“, lautete seine Schlussfolgerung. Diversifikation sei nach wie vor der einzige Free Lunch am Kapitalmarkt.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Sorge vor dem schleichenden Kaufkraftverlust. Matthes argumentierte, dass Anleger die tatsächliche Geldentwertung häufig unterschätzen würden. Die offiziellen Inflationsraten spiegelten seiner Ansicht nach nur einen Teil der Realität wider. Wer Kaufkraft langfristig bewahren wolle, müsse Renditen erzielen, die zumindest mit dem Wachstum der Geldmenge Schritt halten.

Besonders kritisch sieht er die langfristigen Folgen eines ungedeckten Papiergeldsystems. Seit dem Ende des Goldstandards im Jahr 1971 sei die Geldmenge strukturell ausgeweitet worden. Daraus leite sich ein dauerhafter Inflationsdruck ab, gegen den Anleger ihre Vermögen schützen müssten.

Skepsis gegenüber den großen Aktienfavoriten

Auch die derzeitige Euphorie rund um die großen US-Technologiewerte betrachtete Matthes mit spürbarer Zurückhaltung. Historische Parallelen zog er zur Eisenbahnblase des 19. Jahrhunderts und zu früheren Marktphasen, in denen Investoren überzeugt waren, dass „diesmal alles anders“ sei.

Die Bewertungen vieler großer Wachstumsunternehmen seien inzwischen auf Niveaus gestiegen, die langfristig nur schwer zu rechtfertigen seien. Für Matthes bleibt daher ein zentrales Prinzip des Value Investing bestehen: Nicht Prognosen, sondern Bewertungen bestimmen langfristig die Rendite. „Preis ist nicht gleich Wert“, betonte er.

Entsprechend breit fällt der Werkzeugkasten des von ihm verantworteten BKC Treuhand Portfolios aus. Neben Aktien und Anleihen spielen Edelmetalle, Fremdwährungen, inflationsgeschützte Anleihen sowie alternative Strategien eine wichtige Rolle.

Gold betrachtet Matthes dabei weniger als Renditebaustein denn als monetäre Versicherung. Ein Teil der Goldposition werde im Portfolio sogar gedanklich der Liquiditätsreserve zugerechnet.

Besonders hervor hob er außerdem Anlagen, die möglichst unabhängig von klassischen Kapitalmarktrisiken funktionieren. Dazu zählen etwa Cat Bonds, also Versicherungsanleihen gegen Naturkatastrophen, oder marktneutrale Strategien. Sie sollen dem Portfolio Stabilität verleihen, wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig unter Druck geraten.

Emerging Markets statt Staatsanleihen aus den Industrieländern

Im Rentenbereich zeigte sich Matthes überraschend kritisch gegenüber vielen westlichen Staatsanleihen. Die hohen Schuldenstände zahlreicher Industriestaaten würden langfristig erhebliche Risiken bergen.

Attraktiver erscheinen ihm daher ausgewählte Schwellenländer. Viele dieser Länder hätten ihre Schuldenkrisen bereits hinter sich und verfügten heute über solidere Staatsfinanzen als manche westliche Volkswirtschaft. Entsprechend investiert das Portfolio bewusst auch in Währungen wie dem brasilianischen Real oder den mexikanischen Peso.

Bemerkenswert war vor allem die Konsequenz, mit der Matthes Prognosen als Grundlage von Anlageentscheidungen ablehnte. Die Pax-Bank wolle weder Konjunkturverläufe noch Zinsentwicklungen vorhersagen. Stattdessen konzentriere man sich auf Bewertungen, Sicherheitsmargen und robuste Portfoliostrukturen.

Dieses Denken prägt auch das Risikomanagement. Nicht die Reaktion auf Krisen stehe im Vordergrund, sondern die Konstruktion eines Portfolios, das verschiedene Krisenszenarien möglichst von vornherein überstehen kann.

Resilienz als Anlagephilosophie

Am Ende blieb der Eindruck eines konsequent langfristig denkenden Investors, der sich bewusst gegen viele Konventionen der Finanzbranche stellt. Während an den Märkten häufig über das nächste Quartal diskutiert wird, spricht Matthes über Kaufkrafterhalt über Jahrzehnte.

Seine Botschaft an die Teilnehmer der TiAM Investmentkonferenz am Tegernsee war klar: Wer Vermögen dauerhaft erhalten will, sollte weniger über Prognosen nachdenken und mehr über Widerstandsfähigkeit. Oder, um im Bild des Vortrags zu bleiben: Ein gut gepflegter Mischwald wächst vielleicht langsamer als eine Monokultur – übersteht aber meist auch den nächsten Sturm.

Kritik an deutschem Irrweg

Zum Abschluss des Tages analysierte Prof. Dr. Fritz Vahrenholt in seinem Vortrag „Was sich in der Klima - und Energiepolitik ändern muss" den deutschen Irrweg in Sachen Klimapolitik. Ein profunder Kenner der Energiebranche, wie sein Lebenslauf verrät. Der promovierte Chemiker war Hamburger Umweltsenator, Vorstand für Erneuerbare Energien der Deutschen Shell AG , Vorstandsvorsitzender des Windenergie-Anlagenbauers REpower Systems und Chef der Konzern-Gesellschaft für Erneuerbare Energien der RWE AG. Vahrenholt kritisierte Deutschlands Energiepolitik scharf. „Wir sind im Alleingang aus der Kernenergie ausgestiegen und wollen im Alleingang 100 Prozent der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien umstellen." Dies sorge für immense Gesamtkosten in Höhe von 4500 Milliarden Euro, die die Energiepreise in die Höhe treiben und der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie und dem Standort Deutschland schwer schaden. Und das alles, weil „wir glauben, dass wir mit unserem 1,5 Prozent-CO₂-Anteil weltweit wesentlich bewirken könnten". Deutschland müsse daher mit aller Kraft versuchen, mit verschiendenen Energiearten, die auch Gas, Kohle und Kernkraft beinhalten, eine stabile, sichere und bezahlbare Stromversorgung zu erreichen.

Heute Nachmittag lesen Sie an gleicher Stelle Teil 2 der Berichterstattung

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