• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

TiAM Investment-Konferenz Tegernsee: Jubiläum, Abschied, Investmentideen Teil 2

Rüdiger Sälzle (rechts.) geht, Dieter Fischer kommt
TiAM Investment-Konferenz

Auf der TiAM Investment-Konferenz am Tegernsee zeigen die Investmentexperten führender Fondsgesellschaften, welche Renditechancen die verschiedenen Assetklassen bieten. Teil 2: Aktien Asien ex Japan, Energiewertefonds und volkswirtschaftlicher Ausblick.

26.06.2026 | 16:30 Uhr von «P. Gewalt und J. Kränicke»

Asia ex Japan - ein Markt für aktive Selektion

Der zweite Tag der TiAM Investment-Konferenz in Berchtesgaden startet mit Frank Pöpplow und Dominik Schubert von Federated Hermes. Sie senden mit ihrem Vortrag eine klare Botschaft: Wer in Asien ex Japan investiert, sollte besser nicht blind einem Index folgen. Der Kontinent sei schlicht zu heterogen, zu von Ineffizienzen durchzogen und zu reich an verborgenen Chancen, als dass passives Investieren hier die überlegene Strategie wäre. Die beiden Anlageprofis belegen ihre These mit beeindruckenden Performanceunterschieden zwischen den einzelnen Märkten. Während etwa der Aktienmarkt in Taiwan in der zurückliegenden Dekade teilweise über 100 Prozent innerhalb eines Jahres zulegen konnte, stagnierte China. Thailands Aktien waren in den vergangenen Jahren eher etwas für sehr, sehr geduldige Anleger ohne große Rendite-Erwartungen, während der koreanische Markt durchstartete. Pöpplow und Schubert warnen deshalb: Wer einen Indexfonds auf die Region kaufe, nehme solche enormen Preisunterschiede unkritisch mit, anstatt sie auszunutzen.

Frank Poepplow, Head of Business Development, Deutschland und Österreich
Frank Poepplow, Head of Business Development, Deutschland und Österreich

Frank Pöpplow, Federated Hermes

„Die Qualität der Unternehmen sehen wir uns im klassischen Analyseprozess ganz genau an"

Genau hier setzt die Asia ex-Japan-Strategie von Federated Hermes an. Der Fonds, aufgelegt im Januar 2010 und gemanagt von Portfoliomanager Jonathan Pines und seiner Stellvertreterin Sandy Pei, folgt einem konträren Bottom-up-Ansatz: Das Team kauft, was gemieden wird, und meidet, was geliebt wird. Seit Auflage erzielte die Strategie eine annualisierte Rendite von knapp 11,75 Prozent – rund 4,79 Prozentpunkte mehr als die Benchmark MSCI AC Asia ex Japan IMI.

Besonders hervorzuheben ist dabei eine Eigenschaft, die Pöpplow und Schubert zufolge für das Produktversprechen zentral ist: Der Fonds schlägt seinen Vergleichsindex vor allem dann, wenn es an den Märkten abwärts geht. In 68 Prozent aller Monate, in denen die Benchmark nachgab, erzielte die Strategie in der Vergangenheit eine Outperformance. Das Downside Capture Ratio liege bei rund 88 – der Fonds verliert in Abschwüngen also weniger als der Markt und gewinnt in Aufschwüngen etwas mehr. Diese Asymmetrie erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger auch in turbulenten Phasen investiert bleiben.

Das Portfolio ist mit 45 bis 60 Titeln konzentriert und hochaktiv aufgestellt. Dabei spiele bei der Titelauswahl nicht nur eine günstige Bewertung der Aktien, sondern auch die Qualität der Unternehmen eine entscheidende Rolle. „Das sehen wir uns im klassischen Analyseprozess ganz genau an“, sagt Pöpplow. Überprüft werden hierbei Indikatoren wie Cashflow und Verschuldungsgrad der Konzerne. Die Einschätzung makroökonomischer Entwicklungen der Heimatmärkte der Unternehmen ist wichtig für die Unternehmensanalyse. Einen makroökonomischen Top-Down Ansatz zur Vorselektion gibt es jedoch nicht.

Erfolgreiche Contrarian-Strategie

Deshalb spiegelt die Ländergewichtung im Fonds die konträre Grundhaltung unmittelbar wider: Taiwan und Indien – in vielen Asia ex Japan-Indizes hoch gewichtet und nahezu so teuer bewertet wie US-Unternehmen – werden im Fonds deutlich untergewichtet. China und Hongkong hingegen sind dort zusammen um rund 12 Prozentpunkte übergewichtet, Südkorea um mehr als 6 Prozentpunkte. China notiere relativ zur Welt auf einem Bewertungsniveau, das seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr so günstig war, während chinesische Unternehmen gleichzeitig massiv Aktien zurückkaufen und attraktive Dividenden zahlen, erklären Pöpplow und Schubert.

Für Südkorea entwickeln die beiden Referenten eine gesonderte These: Der sogenannte Korea-Abschlag entstehe durch schwache Corporate-Governance-Strukturen und hohe Erbschaftssteuern. Eine laufende Reformdiskussion rund um das Value-up-Programm der koreanischen Behörden könnte auch zukünftig erhebliche Wertfreisetzung ermöglichen. Das Team nutzt dabei eine besondere Markteigenheit: Koreanische Vorzugsaktien werden teils mit Abschlägen von über 50 Prozent gegenüber Stammaktien desselben Unternehmens gehandelt – bei höheren Dividendenrenditen und identischen wirtschaftlichen Ansprüchen. Das liege insbesondere an Besonderheiten des koreanischen Steuerrechts, so Pöpplow und Schubert. Im Zuge einer möglichen Steuerreform läge hier deutliches Aufwärtspotenzial verborgen.

Der Erfolg gibt der Hermes-Strategie bisher Recht: Verglichen mit den zehn größten Wettbewerbern in der Morningstar-Kategorie „Asien ohne Japan" liegt der Fonds auf Rang 3 von 106 seit Auflage – und das zu Bewertungsniveaus, die mit einem KGV von rund 14 deutlich günstiger sind als der Vergleichsfondsschnitt von 18 bis 20. Pöpplow und Schubert unterstreichen damit noch einmal, wie wichtig aktive Selektion in diesem sehr anspruchsvollen Markt ist.

Saubere Energie und die große Transformation

Anschluss stellte Simon Frank, Senior Investment Advisor von Pictet Asset Management den Pictet‑Clean Energy Transition Fonds vor und ordnet die Energiewende in den aktuellen makroökonomischen Kontext ein. Seine zentrale Botschaft:„Die Energiewende ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein strukturelles Wachstumsthema über Jahrzehnte hinweg.“

Simon Frank, Senior Investment Advisor
Simon Frank, Senior Investment Advisor

Simon Frank, Senior Investment Advisor

„Energiesicherheit ist heute ein zentraler Treiber der Transformation“ 

Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Beobachtung, dass mehrere Megatrends gleichzeitig wirken. Klimawandel, geopolitische Spannungen und technologische Innovationen treffen aufeinander – genau dort entstünden laut Frank die attraktivsten Investmentchancen.

Ein entscheidender Faktor ist das sogenannte Energie‑Trilemma aus Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit. Dieses habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben.„Energiesicherheit ist heute ein zentraler Treiber der Transformation“, so Frank. Geopolitische Konflikte und volatile Öl- und Gaspreise hätten die Abhängigkeit von fossilen Energien deutlich vor Augen geführt.

Gleichzeitig befindet sich die Welt laut Pictet in einer Phase mehrerer Wendepunkte: steigende politische Unterstützung, sinkende Kosten für erneuerbare Energien und ein wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein. Hinzu komme ein neuer Nachfragetreiber: Strom.„Zum ersten Mal seit Jahrzehnten steigt die Stromnachfrage wieder deutlich an“, erklärt Frank – getrieben durch Elektrifizierung, Reindustrialisierung und vor allem den Boom bei Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz.

Diese Entwicklung verändert auch die Investmentlogik. Entscheidend sei nicht nur die Energieerzeugung, sondern die gesamte Infrastruktur dahinter. Frank formuliert es klar:„Man darf das KI‑Pferd nicht von hinten aufzäumen – zuerst braucht es Energie und Netze“.

Investments entlang der Wertschöpfungskette

Genau hier setzt der Pictet‑Clean Energy Transition Fonds an. Die Strategie investiert entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von erneuerbaren Energien über Stromnetze bis hin zu energieeffizienten Technologien und Halbleitern. Dieser breite Ansatz unterscheidet den Fonds von vielen Wettbewerbern und sorgt für mehr Stabilität in unterschiedlichen Marktphasen.

Ein Blick auf das Anlageuniversum zeigt die Vielfalt der Chancen: Neben klassischen Energieversorgern spielen insbesondere Schlüsseltechnologien wie Halbleiter eine zentrale Rolle. Diese ermöglichen effizientere Energieverwendung – etwa in Rechenzentren oder bei Elektromobilität – und werden damit zu einem entscheidenden Hebel der Energiewende.

Langfristig sprechen laut Frank mehrere Faktoren für das Thema: sinkende Kosten erneuerbarer Energien, steigende Nachfrage nach sauberem Strom und ein globales politisches Commitment zur Dekarbonisierung. Gleichzeitig eröffne die Transformation Investitionsmöglichkeiten in zahlreichen Industrien – von Infrastruktur bis Technologie.

Auch die Marktstruktur selbst bietet Chancen. Der Fonds verzichtet bewusst auf spekulative Trends und fokussiert sich stattdessen auf Unternehmen mit stabilen Cashflows und klarer Positionierung innerhalb der Energiewende.

Abschließend bringt Frank die Investmentthese auf den Punkt:„Die Energiewende ist eine der größten industriellen Transformationen unserer Zeit – und sie steht erst am Anfang.“ Für Anleger bedeutet das: Wer entlang der gesamten Wertschöpfung investiert, kann von langfristigem, strukturellem Wachstum profitieren – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.

Die Welt im größten Umbruch seit 1944 

Zum Abschluss des zweitägigen Treffens am Tegernsee wirft Folker Hellmeyer einen Blick auf die politische und wirtschaftliche Turbulenzen weltweit . Der Chefvolkswirt bei der Netfonds AG beschreibt mit deutlichen Worten und einer klaren Diagnose in seinem Vortrag die Entwicklung der Weltwirtschaft als „größten Umbruch seit 1944“ . Im Zentrum seiner Analyse steht eine fundamentale Verschiebung wirtschaftlicher und technologischer Kräfteverhältnisse – weg vom Westen, hin zum sogenannten Globalen Süden.

Dr. Martin Lück,  Gründer des Research- und Beratungshauses Macro Monkey
Dr. Martin Lück, Gründer des Research- und Beratungshauses Macro Monkey
Folker Hellmeyer

Folker Hellmeyer, netfonds AG

„“  

Helmeier verweist auf eine markante Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte: Während westliche Industrienationen 1980 noch rund 80 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf sich vereinten, sei ihr Anteil heute auf etwa 30 Prozent gesunken. Gleichzeitig wachse der Globale Süden nicht nur schneller, sondern stelle inzwischen rund 70 Prozent der Weltwirtschaft. Diese Verschiebung sei nicht nur ökonomisch relevant, sondern habe auch unmittelbare geopolitische Konsequenzen.

Konflikte in verschiedenen Regionen der Welt interpretiert Helmeier vor diesem Hintergrund als Ausdruck eines grundlegenden Machtkampfes. Es gehe, so seine These, weniger um Werte oder politische Systeme, sondern primär um Einfluss und Kontrolle. Der Westen, insbesondere die USA, versuche demnach, bestehende Machtpositionen zu sichern, während aufstrebende Staaten ihren wachsenden Einfluss ausbauen.

Auch die Debatte um eine vermeintliche Deglobalisierung bewertet Helmeier kritisch. Während im Westen häufig von einem Rückzug aus globalen Verflechtungen gesprochen werde, intensivierten viele Schwellenländer ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit. Dies führe dort zu höherem Wachstum und größerer Dynamik – während sich westliche Volkswirtschaften zunehmend selbst beschränkten.

Besonders deutlich wird seine Kritik am Beispiel der technologischen Entwicklung. In zentralen Zukunftsfeldern sieht Helmeier eine klare Verschiebung zugunsten Chinas, während Europa zunehmend an Bedeutung verliere. Diese Entwicklung sei eng mit geopolitischen Spannungen verknüpft und trage zu einer weiteren Verschärfung internationaler Rivalitäten bei.

Griechenland als Positivbeispiel

Für Deutschland zeichnet Helmeier ein ambivalentes Bild. Einerseits betont er die Stärke deutscher Unternehmen, die sich flexibel an veränderte Rahmenbedingungen anpassten und verstärkt im Ausland investierten. Andererseits warnt er vor den Folgen einer schleichenden Deindustrialisierung im Inland. Steigende Energiekosten und ungünstige Rahmenbedingungen führten dazu, dass Produktionskapazitäten zunehmend verlagert würden – mit potenziell erheblichen Auswirkungen auf Beschäftigung, Einkommen und staatliche Einnahmen.

Trotz seiner kritischen Analyse endet Helmeier nicht ohne Hoffnung. Beispiele wie Griechenland zeigten, dass wirtschaftliche Erneuerung möglich sei. Entscheidend sei jedoch, wie schnell und konsequent politische und wirtschaftliche Fehlentwicklungen korrigiert würden. Andernfalls drohe der Preis der Anpassung weiter zu steigen.


Nächste TiAM Investment-Konferenz in Neuschwanstein

Nach zwei Tagen TiAM Investment-Konferenz nahmen die Teilnehmer zahlreiche Erkenntnisse und Perspektiven mit – als Basis für Einschätzungen zur Zukunft der Finanzmärkte und ihrer kommenden Investitionen. Und schon in knapp vier Monaten gibt es eine neue Gelegenheit, um sich mit neuen und nutzwertigen Informationen zu versorgen. Die nächste TiAM Investment-Konferenz in Neuschwanstein findet am 15. und 16. Oktober 2026 statt.

Dort wird dann Dieter Fischer, Geschäftsführer TiAM Advisor Services, die Moderatorenrolle von Rüdiger Sälzle (FondsConsult) übernehmen, der 20 Jahre die zahlreichen Events mit viel Herz, Verstand und Branchenwissen leitete. Sälzle wurde zum Abschluss der Tagung mit einem kleinen Geschenk und einem großen Applaus verabschiedet.

Hier lesen Sie Teil 1 der Berichterstattung zur TiAM Investment-Konferenz.


Diesen Beitrag teilen: