Taunus Trust überzeugt seit Jahren mit antizyklischem Value-Investing. Eines der Aushängeschilder der Bad Homburger Vermögensverwaltung ist der Aktienfonds TT Contrarian Global, aufgelegt und lange Zeit gemanagt von Fondslegende Peter E. Huber. Der gibt nun das Zepter an seine Nachfolger ab
09.09.2026 | 13:10 Uhr von «Matthias von Arnim»
Bad Homburg, Kaiser-Friedrich-Promenade. Hier residiert die Taunus Trust AG – eine partnergeführte, unabhängige Vermögensverwaltung mit 20 Mitarbeitern und einer Investmentphilosophie, die bewusst gegen den Mainstream steht. Im Gespräch mit TiAM: Jan David Meyer und Norbert Keimling, die mehrere antizyklische Strategien verantworten – und mit dem Aktienfonds TT Contrarian Global das Erbe von Peter E. Huber weiterführen, einem der bekanntesten Vertreter antizyklischen Investierens in Deutschland.
Um am Kapitalmarkt immer wieder gegen aktuelle Trends zu handeln, braucht es starke Nerven. Jan David Meyer und Norbert Keimling machen schon bei der Begrüßung in der Villa Ritter von Marx den Eindruck, als hätten sie genau die ruhigen Hände, die es für diesen Job braucht. Und die nötige Erfahrung. Meyer, Jahrgang 1978, kam über ein duales Studium in Berlin und eine Bankausbildung zum Portfoliomanagement und entwickelte früh eine Vorliebe für Value-Ansätze. Seit 2014 ist er bei Taunus Trust, wo er 2020 auf Huber traf – „das Urgestein des antizyklischen, bewertungsorientierten Investierens in Deutschland“, wie er ihn nennt.
Keimling wechselte gemeinsam mit Huber zwischen 2020 und 2021 von StarCapital zum Vermögensverwalter Taunus Trust, der 2013 von den ehemaligen Feri-Partnern Dr. Min Sun und Dr. Eberhard Weiß gegründet worden war. Keimling, 1979 geboren, ist Wirtschaftsinformatiker und Value-Investor aus tiefer Überzeugung. Heute prägt er vor allem die Kapitalmarktforschung des Hauses: die systematische Übertragung empirischer Erkenntnisse auf das tägliche Portfolio-Management.
„Wir verzichten bewusst auf kurzfristige Marktprognosen“, so Keimling. Stattdessen verfolge das Team einen Top-down-Ansatz – erst Branchen und Länder, dann die passenden Unternehmen, immer unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten. Keimling trägt dafür in akribischer Arbeit die nötigen Daten zusammen und wertet sie aus.
Zentrales Instrument der Anlagestrategie ist das zyklisch geglättete Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Shiller-CAPE, ergänzt um diverse weitere Kennzahlen und sektorspezifische Anpassungen, erklärt Keimling. Daraus leitet Taunus Trust für jeden Aktienmarkt einen „fairen“ Wert ab – grafisch dargestellt als Fair-Value-Korridor. Notiert ein Markt deutlich darunter, gilt er als Kaufkandidat. Bei einem Anstieg darüber wird das Marktsegment gemieden oder untergewichtet. Die Methode stützt sich auf die empirische Beobachtung, dass niedrige Bewertungsniveaus historisch überdurchschnittliche Renditen über die folgenden zehn bis 15 Jahre nach sich zogen, hohe Niveaus dagegen enttäuschende.
Die Finanzgeschichte zeige diesen Zusammenhang eindrucksvoll, sagt Keimling: „In Japan ist das Shiller-CAPE Ende der 1980er-Jahre auf historisch beispiellose Werte gestiegen. Der anschließende Absturz des Nikkei und die folgenden sogenannten verlorenen Jahrzehnte sind bekannt“, so Keimling. Die „Nifty Fifty“-Wachstumswerte der frühen 1970er-Jahre an der Wall Street erlebten ein ähnliches Schicksal, ebenso die Technologiewerte der Dotcom-Ära um die Jahrtausendwende. Immer wieder, ergänzt David Meyer, zeigten sich dieselben Muster: euphorische Prognosen, astronomische Bewertungen – und am Ende der Zusammenbruch des Trends. „Wer hingegen antizyklisch in unterbewertete Marktsegmente investiert hatte, konnte über solche Zyklen hinweg überdurchschnittlich abschneiden“, so Meyer.
Diese Disziplin ist auch in der Portfoliokonstruktion des TT Contrarian Global zu sehen, der 2021 aufgelegt wurde. Der Fonds macht die von Peter E. Huber geprägte Anlagephilosophie auch Anlegern zugänglich, die ausschließlich in Aktien investieren wollen. Einzelne Fondspositionen überschreiten selten zwei Prozent; das Team hält 80 bis 120 Titel und behält sie im Schnitt rund zwei Jahre. Umgeschichtet wird selten. Eine offizielle Benchmark gibt es nicht. Wenn ein Vergleich gezogen wird, dann mit dem Index MSCI All Country World, weil viele Kunden ihn als Referenz nutzen.
Gerade dieser Vergleich offenbart, was Taunus Trust unter Diversifikation versteht. Der MSCI-Weltindex ist zu rund 70 Prozent in den USA gewichtet – ein Klumpenrisiko, das viele Kunden mit dem Kauf entsprechender ETFs unreflektiert übernehmen. Der TT Contrarian Global hält dagegen aktuell nur gut 14 Prozent USA-Aktien, dafür höhere Gewichte in Südkorea, Deutschland, Frankreich, China und Japan.
Während der Fonds breit zugänglich ist, bleibt die individuelle Vermögensverwaltung und Beratung selektiv. Zu den Mandanten zählen institutionelle Anleger mit langem Horizont: Stiftungen, kirchliche Institutionen und Versorgungswerke, die ihre Portfolios diversifizieren und krisenfester aufstellen wollen. Auch sie wissen die geringe Korrelation der antizyklischen Strategien zu klassischen, US-lastigen Investitionsansätzen zu schätzen.
Was alle Anleger, die auf die Expertise von Taunus Trust vertrauen, wissen: „Unsere Contrarian-Strategien generieren ihren Mehrwert tendenziell in anderen Marktphasen als die Standardportfolios der meisten Wettbewerber“, sagt Norbert Keimling. Das mache die Produkte von Taunus Trust auch als Diversifikationsbausteine interessant.
Es gibt ausreichend viele historische Beispiele dafür, dass es sich lohnen kann, gegen den Strom zu schwimmen. Zum Beispiel als im Jahr 2022 Energiesorgen den DAX unter 12 000 Punkte drückten. Damals erkannte das Team unter Leitung von Peter E. Huber anhand der Fair-Value-Bänder eine Unterbewertung, wie sie zuvor nur in den Krisen 1987, 2003 und 2009 zu beobachten war – und erhöhte die Quote deutscher Aktien temporär deutlich, bevor in den Folgemonaten Gewinne realisiert wurden. Auch beim vermögensverwaltenden Schwesterprodukt TT Contrarian Flexible, das zusätzlich „antifragile“ Bausteine wie Anleihen, Gold und Fluchtwährungen beimischt, dient dieselbe Logik als Leitplanke der taktischen Allokation.
Mit Blick auf die Gegenwart wird das Duo deutlich. Speicherchip-Hersteller, getrieben von der KI-Euphorie, sehen Meyer und Keimling kritisch – die Bewertungen erinnern sie an frühere Übertreibungsphasen, weshalb der Sektor untergewichtet bleibt. Auch der US-Aktienmarkt gilt nach den hauseigenen Kennzahlen als historisch hoch bewertet; entsprechend rechnet das Team mit langfristig höheren Renditen diesseits des Atlantiks – und in Asien sowie den Emerging Markets, wo die Bewertungen näher am langfristigen Durchschnitt oder deutlich darunter liegen.
Fazit: Wer einen Anlagebaustein abseits des Mainstreams sucht, ist bei den Strategien der Portfoliomanager aus Bad Homburg gut aufgehoben. Taunus Trust steht hier für lupenreine Antizyklik. Gestützt auf erprobte, fundierte Analyse. Und dem ausreichend starken Nervenkostüm, das es dafür braucht.
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