• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----
KI-Ängste: Fehlbewertungen als Chance für Value-Investoren
Value

Vermögensverwalter extra

KI-Ängste: Fehlbewertungen als Chance für Value-Investoren

Das Thema Künstliche Intelligenz sorgt an den Börsen für viel Bewegung. Analysten und Anleger versuchen, die zukünftigen großen Gewinner und Verlierer zu bestimmen. Sie dürften sich dabei oft irren – wie so oft in Zeiten technologischer Umbrüche. Für Value-Investoren entstehen dadurch attraktive Gelegenheiten.

22.05.2026 | 11:20 Uhr

Künstliche Intelligenz hat an den Börsen eine neue Investitionswelle ausgelöst. Milliarden fließen in Rechenzentren, Chips und Software. Die Dimension ist beeindruckend: In den kommenden Jahren könnten jährlich weit über eine Billion Dollar in Infrastruktur rund um die Technologie fließen. Gleichzeitig werden Unternehmen, die in irgendeiner Weise mit KI in Verbindung stehen, an der Börse bereits mit Bewertungen in zweistelliger Billionenhöhe gehandelt. Die Erwartungen sind entsprechend hoch.

Doch technologische Revolutionen verlaufen für Investoren selten so geradlinig, wie sie es erhoffen. Ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte illustriert das. So veränderte etwa der Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert die amerikanische Wirtschaft fundamental: Transportkosten sanken drastisch, neue Märkte entstanden, und das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich deutlich. Trotzdem verloren viele Anleger Geld. Denn der massive Ausbau der Infrastruktur führte zu Überkapazitäten. Zahlreiche Eisenbahngesellschaften verschwanden wieder vom Markt. Ähnliches wiederholte sich rund hundert Jahre später beim Aufbau der Internet- und Telekommunikationsnetze. Auch diese Technologie revolutionierte Wirtschaft und Gesellschaft. Doch viele der Unternehmen, die die notwendige Infrastruktur errichteten oder finanzierten, erzielten langfristig enttäuschende Renditen.

Hohe Investitionsausgaben führten in der Vergangenheit zu geringeren Renditen
Hohe Investitionsausgaben führten in der Vergangenheit zu geringeren Renditen


Die Geschichte lehrt also, dass Innovationen enorme wirtschaftliche Effekte erzeugen könne, ohne dass die Investoren, die den Boom finanzieren, automatisch zu den Gewinnern zählen.

Unsichere Annahmen über zukünftige Gewinner und Verlierer

Die aktuelle KI-Welle könnte ein ähnliches Muster aufweisen. Zwar gilt die Technologie als potenziell enorm produktivitätssteigernd. Weniger klar ist jedoch, welche Unternehmen dauerhaft davon profitieren oder von der Entwicklung überrannt werden. Wer ergebnisoffen die mögliche Weiterentwicklung von KI und ihrer Anwendungen und der erzielbaren Renditen in den Unternehmen analysiert, kommt zu einer breiten und asymmetrischen Bandbreite an möglichen Prognosen. Ob und wie sich die Weiterentwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz auf die Wirtschaft im Allgemeinen, auf Branchen oder einzelne Unternehmen auswirken wird, lässt sich nicht annähernd seriös voraussagen. Trotzdem versuchen Marktteilnehmer, diese Zukunft bereits heute präzise zu bewerten und kommen dabei oft zu extremen Annahmen.

Sehr optimistisch werden zum Beispiel die Gewinner der aktuellen KI-Welle in der Industrie bewertet. Hintergrund: Teile der Halbleiterindustrie, Cloud-Plattformen oder Infrastrukturzulieferer profitieren unmittelbar von der aktuellen Investitionsdynamik. Diese Einordung ist richtig. Doch hohe Investitionen ziehen häufig intensiven Wettbewerb nach sich. Offene Technologien und globale Konkurrenz können dazu führen, dass sich Gewinne schneller nivellieren, als Investoren heute erwarten. Harte Rückschläge an der Börse wären die Folge. Deshalb ist hier aus Anlegersicht bei den aktuell hohen Bewertungen inzwischen Vorsicht angebracht.

Aber auch Negativprognosen sind oft überzogen. Besonders sichtbar wird bei der Börsenbewertung von Unternehmen aus Branchen, die derzeit als potenzielle Verlierer der KI-Automatisierung gelten. So stehen derzeit zum Beispiel IT-Dienstleister, Anbieter ausgelagerter Kundenservices oder auch die Werbebranche an der Börse unter starkem Bewertungsdruck. Viele Investoren gehen davon aus, dass KI einen Teil ihrer Tätigkeiten überflüssig machen könnte. Auch diese Schlussfolgerung und die Reaktion der Marktteilnehmer darauf greifen möglicherweise zu kurz, wie einige Branchenbeispiele zeigen:

An der Börse unter Druck geraten sind zum Beispiel viele Unternehmen aus der Personalvermittlungs- und IT-Dienstleistungsbranche. Richtig ist: Etliche Firmen aus diesen Bereichen litten zuletzt unter schwächeren Budgets ihrer Kunden. Auch wächst die Sorge, KI könnte Programmierarbeit billiger machen und damit den Bedarf an externen Dienstleistern reduzieren. Was viele Marktteilnehmer jedoch übersehen, sind die neuen Chancen für Beratungsunternehmen: Die Einführung von KI wächst gerade zu einem neuen Geschäftsfeld heran. Denn viele Firmen aus fast allen Branchen müssen, bevor sie KI produktiv einsetzen können, zunächst ihre Datenarchitektur modernisieren, Prozesse anpassen und technologische Altlasten beseitigen. Genau in dieser Lücke agieren Unternehmen wie der Personaldienstleister Randstad, die IT-Unternehmen Cognizant und die Beratungsagentur Accenture, die sich zunehmend als starker IT-Dienstleister profilieren. Transformationsprojekte gehören zum Kerngeschäft dieser global aufgestellten Firmen. Für Investoren ergibt sich hier die Chance, an der Börse nach unterbewerteten Perlen zu suchen.

Auch beim ausgelagerten Kundenservice könnte sich das Bild differenzierter entwickeln, als es die aktuellen Aktienkurse betreffender Firmen, die diese Dienstleistung anbieten, nahelegen. Richtig ist: Automatisierte Customer-Management-Systeme werden in Zukunft mithilfe von Chatbots einfache Anfragen von Kunden übernehmen können. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Komplexität der Interaktionen zwischen Menschen, Software und verschiedenen Kommunikationskanälen. Unternehmen wie etwa der Software-Spezialist Globant, die solche hybriden Systeme steuern können, bleiben langfristig also gefragt – was die Börse irgendwann wieder wertschätzen wird. Für Investoren tut sich deshalb auch hier ein interessantes Feld auf.

Ein weiteres Beispiel liefert die Werbeindustrie. Richtig ist: Große Agenturen geraten unter Druck, weil KI zunehmend kreative Aufgaben übernehmen kann. Doch der wirtschaftliche Wert moderner Marketingdienstleister liegt längst weniger in der Erstellung einzelner Werbeinhalte als in Datenanalyse, Kampagnensteuerung und der Optimierung von Marketingbudgets über verschiedene Medien hinweg. Große Werbeagenturen wie Publicis spielen hier ihre Stärke aus. Sie setzen KI gezielt ein und erzielen mit datengesteuerten Werbekampagnen messbaren Mehrwert. Das wird sich nicht nur aktuell, sondern gerade langfristig im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen. Deshalb gibt es für Inverstoren hier ebenfalls ein Chancenfenster.

Der gemeinsame Nenner dieser Beispiele ist eine typische Marktreaktion: Anleger versuchen, langfristige strukturelle Veränderungen sofort vollständig einzupreisen. Dabei werden oft extreme Szenarien angenommen. Ganze Branchen geraten dadurch unter Druck, obwohl sich ihre fundamentalen Aussichten kaum verändert haben. Für langfristig denkende Investoren sind dies alles interessante Chancen.

Value-Investing spielt genau hier seine Stärke aus

Genau darauf, in unsicheren Marktphasen extreme Unterbewertungen zu erkennen und mit Blick auf die Chancen, die der Mainstream der Marktteilnehmer übersieht, gezielt zuzugreifen, haben sich Investoren wie die Vermögensverwaltung Pzena Investment Management spezialisiert. Der in New York ansässige Investmentmanager konzentriert sich auf langfristige klassische Value-Investments. Der Ansatz der Portfoliomanager dort besteht nicht darin, die künftigen Stars einer neuen Technologie exakt vorherzusagen. Stattdessen suchen sie nach Unternehmen, deren Bewertung stark gefallen ist, weil der Markt besonders pessimistische Szenarien unterstellt. Wenn sich die Realität später weniger dramatisch entwickelt, kann sich bereits daraus ein erhebliches Kurspotenzial ergeben.

Diese Überlegungen fließen insbesondere in den Auswahlprozess für den Pzena U.S. Large Cap Value Fund (ISIN IE00BYNVGS7) ein. Der Fonds hat eine solide und beständige Wertentwicklung erzielt und ist weiterhin gut aufgestellt, um von künftigen Chancen zu profitieren.

Performance
Performance


Denn die im Portfolio versammelten Unternehmen weisen an der Börse derzeit ihre historisch tiefste Durchschnittsbewertung auf – was in den meisten Fällen in krassem Gegensatz zu ihrem wirtschaftlichen Potenzial steht. Vor diesem Hintergrund sind wir der Ansicht, dass Value-Aktien gut aufgestellt sind, um in den kommenden Monaten eine bessere Performance als Wachstumsaktien zu erzielen. Zudem zeigt der Markt bereits Anzeichen einer Rotation von überbewerteten US-Tech-Titeln hin zu Value-Aktien, die mehr Qualität und Stabilität bieten. Die Erkenntnis, dass die Pioniere einer technischen Revolution nicht gleichzeitig die langfristigen Gewinner sind, scheint also bei einer immer breiteren Anlegerschicht zu reifen.

Fazit: Technologische Revolutionen verändern die Wirtschaft. Daran besteht kaum Zweifel. Die Börse allerdings reagiert auf solche Umbrüche häufig mit Übertreibungen. Gewinner werden zu früh gekürt, Verlierer vorschnell abgeschrieben. Gerade in dieser Phase entstehen Fehlbewertungen. Für geduldige Anleger, die sich stärker an Fundamentaldaten als an kurzfristigen Narrativen orientieren, kann genau diese Unsicherheit der entscheidende Vorteil sein. Wenn Erwartungen und Realität auseinanderdriften, öffnet sich der Raum für Value-Strategien.


Diesen Beitrag teilen: