Nach dem jüngsten Abverkauf im Technologiesektor wächst die Debatte über die Zukunft der Magnificent 7. Experten sehen sowohl kurzfristige Gewinnmitnahmen als auch Anzeichen einer strukturellen Marktrotation.
25.06.2026 | 10:00 Uhr
Nach Einschätzung von Jennifer Bender, Global Chief Investment Strategist bei State Street Investment Management, ähnelt die aktuelle Schwächephase den kurzfristigen Rücksetzern, die bereits mehrfach im laufenden Jahr zu beobachten waren. Die Korrektur sei vor allem auf Gewinnmitnahmen zurückzuführen, insbesondere durch private Anleger und kurzfristig orientierte institutionelle Investoren.
Bender erwartet auch künftig wiederkehrende Schwankungen an den Aktienmärkten. Die geopolitischen Veränderungen und die zunehmende Unsicherheit über politische Entwicklungen führten zu einem Umfeld strukturell höherer Volatilität. Zudem sei die Marktkonzentration in vielen Aktienindizes deutlich gestiegen, was Kursbewegungen einzelner Schwergewichte verstärken könne.
Während State Street den aktuellen Rückgang als temporäre Marktreaktion einordnet, sehen andere Marktbeobachter tiefergehende Veränderungen innerhalb des Technologiesektors.
Für Dr. Eckhard Schulte, Vorstandsvorsitzender von MainSky Asset Management, deutet die Entwicklung der vergangenen Monate auf eine beginnende Marktrotation hin. Während der S&P 500 in den zurückliegenden sechs Monaten um 7,8 Prozent zulegte, verlor der Bloomberg Mag 7 Index nach seinen Angaben 4,3 Prozent. Die Underperformance gegenüber dem breiten Markt beläuft sich damit auf rund 1.200 Basispunkte.
Zudem hätten einzelne Schwergewichte wie Microsoft und Meta inzwischen deutlich von ihren Jahreshöchstständen korrigiert.
Als wesentlichen Grund für die nachlassende Dynamik nennt Schulte die stark steigenden Investitionen der großen Technologiekonzerne in Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Infrastruktur. Die vier Hyperscaler Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta könnten bis 2027 kumulierte Investitionsausgaben von rund einer Billion US-Dollar erreichen.
Aus Sicht von MainSky Asset Management führt dieser Kapitalbedarf dazu, dass ein immer größerer Teil der verfügbaren Mittel in den Ausbau der Infrastruktur fließt. Gleichzeitig würden die Unternehmen pro investiertem Dollar nicht mehr dieselben Produktivitätsgewinne erzielen wie in den vergangenen Jahren.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der die Kursentwicklung der Tech-Schwergewichte beeinflussen könnte: die rückläufigen Aktienrückkäufe. Nach Angaben von Schulte hat im ersten Quartal 2026 lediglich Microsoft in nennenswertem Umfang eigene Aktien erworben. Damit falle ein wichtiger Kurstreiber der vergangenen Jahre zunehmend weg.
Aktienrückkaufprogramme galten lange als wesentliche Stütze für die Bewertungen der großen US-Technologiekonzerne, da sie das Angebot an frei handelbaren Aktien reduzierten und die Gewinne je Aktie erhöhten.
Vor diesem Hintergrund könnten Anleger verstärkt nach Unternehmen suchen, die direkt von den milliardenschweren Investitionen der Hyperscaler profitieren. Dazu zählen nach Einschätzung von MainSky Asset Management insbesondere Anbieter von Infrastruktur, Hardware-Komponenten und Energieversorgung.
Ob die aktuelle Schwächephase lediglich eine weitere kurzfristige Korrektur oder der Beginn einer längerfristigen Rotation aus den Magnificent-7-Aktien ist, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die unangefochtene Dominanz der großen US-Technologiewerte wird von Investoren zunehmend hinterfragt. Während die langfristigen Wachstumsaussichten rund um Künstliche Intelligenz intakt bleiben, richtet sich der Blick vieler Marktteilnehmer inzwischen verstärkt auf die Unternehmen, die von den enormen Investitionsströmen hinter dem KI-Boom profitieren. (jk)
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