
Nach den jüngsten Kursrückgängen bei Technologieaktien ordnet Kay Tönnes, Gründer von Antecedo Asset Management, die Lage als Rücksetzer in einem langfristigen Megatrend ein.
30.07.2026 | 09:36 Uhr
Zinsängste, geopolitische Spannungen und die zuletzt erneut ausgeweiteten KI-Investitionen hätten kurzfristig für Verunsicherung gesorgt. Entscheidend sei jedoch nicht das nächste Quartal, sondern die Ertragskraft der kommenden Jahre.
„An der Börse zählt, was die Tech-Unternehmen langfristig verdienen, und nicht, wie es in den nächsten drei Monaten aussieht“, sagt Tönnes. Aus seiner Sicht stützen die aktuell deutlich angehobenen Gewinnerwartungen die strategische Bedeutung des Sektors. Analystenschätzungen für die Gewinne großer US-Technologiewerte seien für die kommenden Jahre kräftig gestiegen. Wenn sich diese Dynamik materialisiere, könne das heutige Bewertungsniveau in wenigen Jahren deutlich moderater wirken. Und die aktuelle Korrektur werde im Rückblick eher als Einstiegschance wahrgenommen.
Berichtssaison liefert ermutigendes Signal
Gleichzeitig mahnt Tönnes Realismus an: „Am Ende muss sich jede Schätzung
beweisen.“ Die laufende US-Berichtssaison liefere dafür brauchbare
Indikationen. Viele Unternehmen hätten bislang über den Erwartungen berichtet.
Ein Signal, dass die Gewinnnarrative nicht aus der Luft gegriffen sind. Für
Anleger bedeute das: Wer langfristig denkt, sollte Rücksetzer nicht reflexartig
als Trendbruch deuten.
Besonders kritisch sieht Tönnes eine verbreitete Marktreaktion: Steigende KI-Investitionen würden teils als Risiko interpretiert – mit fallenden Kursen unmittelbar nach den Ankündigungen. „Ich fände es beunruhigender, wenn Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren würden. Dann würde ich mich fragen, ob sie selbst nicht mehr an den Trend glauben.“ In seinen Augen wird der Kuchen der künftigen KI-Wertschöpfung gerade verteilt, denn wer heute nicht investiere, könne morgen strukturell ins Hintertreffen geraten.
Einzelwerte im Blick: Microsoft, Alphabet, Nvidia
Bei den großen Playern des Tech-Sektors hebt Tönnes die Aspekte Robustheit und
Finanzierungskraft hervor. Als Beispiel nennt er Microsoft. Das Unternehmen,
dessen Börsenkurs seit einigen Monaten enttäuscht, gelte als KI-Vorreiter.
Microsoft könne seine Investitionen aus dem operativen Cashflow stemmen und
verbinde Stabilität mit Wachstum. Konkurrent Alphabet habe im KI-Wettbewerb
spürbar aufgeholt; höhere Investitionen bei der Google-Mutter wertet Tönnes als
strategische Notwendigkeit, nicht als Warnsignal. Bei Nvidia sieht er eine
besonders spannende und aussichtsreiche Entwicklung hin zu einem
infrastrukturbasierten, stärker verstetigten Erlösmodell und weg vom reinen
Chip-Zyklus.
Politische Risiken bleiben größter Unsicherheitsfaktor
Die größten kurzfristigen Risiken verortet Tönnes weniger im Geschäftsmodell
der Tech-Konzerne als in der Politik. Unberechenbare Entscheidungen, etwa mit
Blick auf geopolitische Eskalationen, könnten jederzeit zu Marktschocks führen.
Gleichwohl gelte: Selbst in Stressphasen werde ein struktureller
Technologietrend nicht abgewählt. Tech-Aktien seien volatil; Rückgänge von 20
Prozent seien im Sektor nicht ungewöhnlich.
Antecedo setzt in seinen Anlagelösungen traditionell auf Absicherungselemente. „Es kann immer etwas passieren, das nicht auf der Rechnung steht“, sagt Tönnes. Umso wichtiger sei es, Chancen in strukturellen Trends zu nutzen, ohne Risiken zu ignorieren.
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