BIT Capital-Geschäftsführer und Co-CIO Marcel Oldenkott über die nächste Wachstumsphase von Künstlicher Intelligenz, den Umbau des Fondsangebots und warum Technologieinvestoren heute breiter denken müssen.
24.07.2026 | 09:00 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Herr Oldenkott, BIT Capital hat den bisherigen Fintech-Fonds BIT Global Fintech Leaders in BIT Aggressive Growth umbenannt und damit neu positioniert. Warum halten Sie eine enge Branchenfokussierung heute nicht mehr für zeitgemäß?
Marcel Oldenkott: Weil Technologie inzwischen nahezu jede Branche durchdringt, beschleunigt Künstliche Intelligenz Innovation und Disruption so stark, dass starre Sektorgrenzen aus unserer Sicht immer weniger aussagekräftig werden. Wir investieren nicht in Branchen, sondern in technologische Wettbewerbsvorteile. Wenn ein Unternehmen über einen überlegenen Technologie-Stack verfügt und daraus nachhaltig Mehrwert generieren kann, ist es für uns interessant – unabhängig davon, ob es im Gesundheitswesen, im Industriesektor oder im Finanzbereich tätig ist.
TiAM FundResearch: Was bedeutet das konkret für Ihre Investmentstrategie?
Wir verfolgen einen sektoragnostischen Ansatz. Technologie verstehen wir als Querschnittsfunktion über allen Bereichen der Wirtschaft. Deshalb wollen wir uns nicht durch die engen Vorgaben eines Themenfonds einschränken lassen. Gerade im KI-Zeitalter entstehen die interessantesten Chancen häufig dort, wo klassische Kategorien verschwimmen.
TiAM FundResearch: Wie unterscheidet sich der neu aufgestellte Fonds von den anderen Technologieprodukten aus Ihrem Haus?
Wir haben heute einen klaren Dreiklang. Der BIT Global Technology Leaders bildet das Basisportfolio und richtet sich an Anleger, die ein breites Technologieengagement suchen. Der BIT Defensive Growth spricht Investoren mit stärkerem Fokus auf Risikokontrolle an. Der BIT Aggressive Growth dagegen ist für Anleger gedacht, die höhere Volatilität akzeptieren, um maximale Renditechancen zu nutzen. Inhaltlich überschneiden sich die Fonds durchaus, unterscheiden sich jedoch bei der Gewichtung, der Konzentration und dem Risikoprofil.
TiAM FundResearch: Wo sehen Sie die wichtigsten Wachstumstreiber für BIT Capital in den kommenden Jahren?
Unser Fokus liegt nicht auf einer Vielzahl neuer Produkte. Vielmehr wollen wir unsere bestehenden Strategien skalieren. Dabei schauen wir zunehmend über Deutschland hinaus. In Märkten wie der Schweiz, Singapur oder den USA sehen wir oft einen besseren Produkt-Markt-Fit für unsere globalen, benchmarkunabhängigen Strategien als bei vielen klassischen institutionellen Investoren im deutschen Markt.
TiAM FundResearch: Sie setzen seit Jahren intensiv auf Datenanalyse und KI. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen im Investmentprozess?
Eine sehr große Rolle und das bereits seit unserer Gründung. Schon früh haben wir begonnen, eigene Software zu schreiben und haben Daten systematisch auszuwerten, um Unternehmensentwicklungen besser vorherzusagen. Heute verfügen wir über eine umfangreiche eigene Datenbasis. Seit dem Durchbruch moderner Sprachmodelle nutzen wir KI zusätzlich zur Analyse großer Textmengen, für die Auswertung von Unternehmensmeldungen und zunehmend auch im Rahmen sogenannter agentischer Prozesse.
TiAM FundResearch: Kann und soll die KI inzwischen eigenständig Anlageentscheidungen bei BIT Capital treffen?
Nein. Die finale Investitionsentscheidung liegt weiterhin beim Menschen. KI liefert uns Informationen, Analysen und neue Perspektiven. Aber Outperformance entsteht häufig durch konträre Sichtweisen und unternehmerisches Urteilsvermögen. Genau dort sehen wir die Stärke erfahrener Portfoliomanager nach wie vor als unverzichtbar an.
TiAM FundResearch: Wird KI inzwischen auch im Risikomanagement eingesetzt?
Ja. Wir haben unser Risikomanagement auf den Erfahrungen des Jahres 2022 verbessert aufgestellt. Neben klassischen statistischen Modellen nutzen wir mittlerweile auch KI-basierte Systeme. Ein Beispiel ist ein sogenannter Tail-Risk-Monitor, der Nachrichten, Social Media und andere Informationsquellen analysiert und aufkommende Risiken frühzeitig identifizieren soll.
TiAM FundResearch: Viele Anleger sprechen bei KI-Aktien bereits von einer Übertreibungsphase. Zu Recht?
Nein, das ist keine Blase. Wir sehen entlang großer Teile der Wertschöpfungskette reale Umsätze, steigende Margen und Cashflows. Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst massiv. Gleichzeitig profitieren Chipentwickler, Ausrüster, ausgewählte Software- und Dateninfrastrukturanbietervon dieser Entwicklung. Das ist kein rein spekulatives Narrativ, sondern wirtschaftlich messbar.
TiAM FundResearch: Welche Rolle spielen sogenannte Agenten-Systeme für Ihre positive Einschätzung?
Eine sehr große. Viele Marktteilnehmer unterschätzen noch immer, wie stark agentische KI die Nachfrage nach Rechenleistung erhöhen wird. Wenn eine KI eigenständig Aufgaben bearbeitet, entsteht im Hintergrund ein Vielfaches der Rechenlast einer einfachen Chat-Anfrage. Dadurch steigt der Bedarf an Chips, Rechenzentren und Energie erheblich stärker als vielfach angenommen.
TiAM FundResearch: Welche Bereiche der KI-Wertschöpfungskette erscheinen Ihnen derzeit besonders attraktiv?
Wir bleiben vor allem im Speicherbereich sehr optimistisch. Der Speicher bleibt ein zentraler Baustein für leistungsfähige KI-Systeme. Darüber hinaus beobachten wir Themen wie Networking-Infrastruktur und einzelne Segmente des Halbleitermarkts sehr genau. Allerdings ändern sich die interessantesten Chancen derzeit ausgesprochen schnell – deshalb ist Agilität wichtiger denn je.
TiAM FundResearch: BIT Capital ist bekannt für einen vergleichsweise hohen Portfolio-Umschlag. Steckt dahinter aktives Trading?
Der überwiegende Anteil unseres Handelsvolumens entsteht durch taktische Anpassungen bestehender Positionen. Wir erhöhen oder reduzieren Gewichtungen, ohne die Unternehmen grundsätzlich aus dem Portfolio zu nehmen. Das erlaubt uns, Chancen flexibel zu nutzen und Risiken aktiv zu steuern.
TiAM FundResearch: Zum Abschluss: Warum hält ein technologieaffiner Vermögensverwalter in seinem Multi-Asset-Fonds BIT Global Multi Asset S weiterhin Gold und nicht Bitcoin?
Bitcoin kann grundsätzlich ebenfalls Bestandteil des Fonds sein und war es in der Vergangenheit auch. Gold funktioniert in vielen Krisensituationen als Stabilitätsanker jedoch deutlich verlässlicher. Wir sehen Gold nicht als Gegensatz zu Technologieinvestments, sondern als sinnvolle Diversifikation. Unser Ansatz ist pragmatisch. Wir investieren nicht in Narrative, sondern in das, was innerhalb eines Portfolios tatsächlich einen Mehrwert liefert.
Herr Oldenkott, vielen Dank für das Gespräch.
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