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Bondmarkt wird Trump wieder Grenzen aufzeigen

Trump ist unter Druck
Fonds

Der Iran-Konflikt verschärft das globale Marktumfeld – doch die eigentliche Macht liegt am Anleihemarkt. Steigende US-Renditen begrenzen politische Spielräume und erhöhen den Druck auf Bewertungen. Wie der SQUAD Makro davon profitieren kann.

29.05.2026 | 08:00 Uhr von «Alexander Kapfer»

Wenn es eine Wiedergeburt gäbe, würde ich gern als Anleihemarkt zurückkehren. Dann könnte ich jeden einschüchtern.“ Dieser Satz wird James Carville, Finanzminister unter Bill Clinton, zugeschrieben, und er ist im Iran-Konflikt aktueller denn je.

Während viele Anleger, wenn sie die Worte „Mittlerer Osten“ hören, reflexartig auf den Ölpreis schauen, läuft die eigentliche Entscheidungsschlacht am Anleihemarkt – und der sendet gerade ein ziemlich eindeutiges Signal: Bis hierhin und nicht weiter! Dass Trump jetzt signalisiert, die „Exkursion“ eher früher als später beenden zu wollen, ist deshalb weniger Ausdruck strategischer Einsicht als eine erzwungene Anpassung an die Restriktionen des Kapitalmarkts. Denn entscheidend ist, was aktuell am langen Ende der Zinskurve passiert.

Renditen kratzen an der „Wohlfühlzone“

Die Renditen für US-Staatsanleihen ziehen an – nicht nur wegen der geopolitischen Lage, sondern weil Investoren zunehmend Zweifel bekommen, wie die bestehenden Ausgaben finanziert werden sollen. Ein teurer und potenziell langwieriger Krieg kommt in diesem Zusammenhang mehr als ungelegen. Mehr Schulden, größere Defizite und gleichzeitig steigende Zinsen – das ist keine Kombination, die Märkte lange ignorieren. Und so nähern sich die zehnjährigen US-Zinsen der wichtigen 4,5-Prozent-Marke an, die das obere Ende der „Wohlfühlzone“ der Investoren anderer Assetklassen (Aktien) markiert.

Direkt nach der Wahl Ende 2024 konnte man ein ähnliches Muster beobachten. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen näherten sich damals der Fünf-Prozent-Marke – ein Niveau, das sich wie eine unsichtbare Schuldenbremse anfühlte. Die Botschaft war eindeutig: Mehr fiskalische Expansion gibt es nur gegen deutlich höhere Finanzierungskosten. In der Folge musste Trump zentrale Elemente seiner wirtschaftspolitischen Agenda relativieren, da expansive Maßnahmen unter diesen Bedingungen sofort vom Anleihemarkt „konterkariert“ worden wären (die britische Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss kann ein Lied davon singen). Bereits damals zeigte sich, dass nicht politische Mehrheiten, sondern die Refinanzierungsbedingungen den tatsächlichen Handlungsspielraum definieren.

Notenbanken sind die Hände gebunden

Früher war der Ölpreis der große Schockfaktor, denn die wirtschaftliche Abhängigkeit der westlichen Welt war um ein Vielfaches höher. Heute ist er eher der Auslöser einer Kette, die bei Inflations­erwartungen endet – und damit direkt bei den Notenbanken. Wenn Energiepreise hoch bleiben, können auch die Notenbanken nicht einfach die kurzfristigen Zinsen senken. Eine anziehende Inflation zwingt sie zur Härte, aber genau diese Härte macht das System fragiler. Hoch verschuldete Staaten, Unternehmen und Haushalte reagieren empfindlich auf steigende Zinsen. Das Risiko von Stress im System nimmt zu – und damit auch die Unsicherheit an den Märkten.

Seit Beginn des Iran-Konflikts haben die Märkte die zwei für dieses Jahr angedachten Zinssenkungen der US-Notenbank bereits ausgepreist und beginnen sich mit dem Gedanken an eine Zinserhöhung auseinanderzusetzen. Höhere Realzinsen sind so etwas wie der Endgegner vieler Bewertungen. Gerade im Tech- und Growth-Bereich, wo viel Zukunft eingepreist ist, wirken steigende Diskontierungsfaktoren wie ein stiller Killer (das Jahr 2022 mag als Erinnerung dienen). Cashflows, die weit in der Zukunft liegen, werden plötzlich deutlich weniger wert.

Für die Aktienmärkte ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild. Einerseits stützen kurzfristige geopolitische Risikoprämien und ein steigender Ölpreis insbesondere Energiewerte. Hiervon konnte der SQUAD Makro in den letzten Wochen profitieren. Aber der Druck auf nahezu alle anderen Sektoren bleibt hoch. Vor allem da diese überwiegend ohnehin auf historisch ambitionierten Bewertungsniveaus liegen.

Hinzu kommt eine strukturelle Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Rolle der USA in der Weltpolitik. Die Kombination aus protektionistischen Tendenzen, selektiver Bündnistreue und fiskalischer Expansion bei gleichzeitig steigenden Zinsen stellt ein Spannungsfeld dar, das sich nicht kurzfristig auflösen lässt.

Das erratische Politikverständnis von Donald Trump in Kombination mit einem veränderten Marktumfeld stellt Kapitalmarktinvestoren somit vor große Her­ausforderungen. Flexibilität ist daher entscheidender denn je.

In dem Investmentprozess des SQUAD Makro Fonds ist dies tief verwurzelt. Es gibt hier keine starren Auswahlkriterien, keine jederzeit beachteten Wirtschaftsdaten und keine linearen Zusammenhänge zwischen wirtschaftlichen Datenpunkten und Fondsausrichtung. Während beispielsweise eine expansive Fiskalpolitik in den Jahren nach Corona positiv gesehen wurde, um die deflationären Tendenzen entgegenzuwirken, sind die Strukturbrüche mittlerweile so groß, dass das Thema Inflation in diesem Jahrzehnt das entscheidende Thema für Investoren geworden ist.

Zinsen begrenzen Handlungsspielräume

So hat der SQUAD Makro in den letzten Jahren seinen Investmentschwerpunkt vom Techbereich in Richtung Materials, Industrials und Financials verschoben. Aus unserer Sicht wird dieser Trend in den nächsten Jahren anhalten. Alles unter den strengen Augen des Anleihemarktes, der nach Jahrzehnten künstlich niedriger Zinsen seine disziplinierende Wirkung wieder entfalten kann.

In Summe zeigt sich, dass nicht der Krieg selbst, sondern die Reaktion der Kapitalmärkte die eigentliche Triebkraft der geopolitischen Situation ist. Die implizite Botschaft ist eindeutig: Politische Handlungsspielräume sind endlich, auch die des US-Präsidenten. Seine Grenzen werden nicht in Washington, sondern am US-Bondmarkt gezogen. Oder anders gesagt: Nicht der Ölpreis, das iranische Militär, seine Berater oder Munitionsmangel werden Donald Trump zum Beenden seiner „Exkursion“ zwingen, sondern die US-Zinsen. Und die diskutieren nicht, sie setzen einfach durch. Genau deshalb war das alte Zitat nie so aktuell wie heute.


Die genannten Einschätzungen und Daten entsprechen dem Stand zum Redaktionsschluss (30.04.2026).

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