Charles Gélinet, Co-Portfolio Manager des Emerging Market Debt Stars Fund von J. Stern & Co., erklärt, warum Hartwährungs-Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets langfristig höhere Renditen erzielen, die Fundamentaldaten vieler Emittenten besser sind als in den USA und wie er Qualitätsunternehmen identifiziert
25.09.2026 | 14:00 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Herr Gélinet, viele Anleger denken bei Emerging Markets zuerst an politische und wirtschaftliche Risiken. Warum sollten sie sich heute mit Hartwährungs-Unternehmensanleihen aus Schwellenländern beschäftigen?
Charles Gélinet: Weil diese Anlageklasse viele Vorurteile mit sich herumträgt, die aus unserer Sicht nicht mehr gerechtfertigt sind. Emerging-Market-Unternehmensanleihen in Hartwährung bieten heute drei entscheidende Vorteile: attraktive Renditen, bemerkenswerte Stabilität und echte Diversifikation. Während viele Anleger weiterhin auf US-High-Yield-Anleihen fokussiert sind, hat EM-Corporate-High-Yield über mehr als zwei Jahrzehnte höhere Renditen erzielt und das bei einem vergleichbaren Risikoprofil.
Wie sehen die Renditedaten konkret aus?
Seit Beginn der relevanten Indexhistorie im Jahr 2002 hat EM Corporate High Yield annualisiert rund acht Prozent erzielt. Damit lag die Anlageklasse sogar vor US High Yield und näher an den langfristigen Renditen von Aktienmärkten, als viele Anleger erwarten würden. Bemerkenswert ist dabei, dass diese Entwicklung durch zahlreiche Krisenperioden hindurch erzielt wurde – von der Finanzkrise über Covid bis hin zu geopolitischen Konflikten.
Höhere Renditen gehen normalerweise mit höheren Risiken einher.
Genau das ist einer der größten Irrtümer. Die Volatilität dieser Anlageklasse ist über die Jahre deutlich gesunken. In den vergangenen drei Jahren lag sie sogar unter jener von US-High-Yield-Bonds. Anleger erhalten also nicht nur eine attraktive Rendite, sondern auch ein zunehmend stabiles Risikoprofil. Die Assetklasse ist erwachsen geworden.
Wie erklären Sie diese Entwicklung?
Vor zwanzig Jahren war Emerging-Market-Corporate-Debt noch ein kleiner Nischenmarkt. Heute sprechen wir von einem Marktvolumen von rund 2,5 Billionen US-Dollar mit mehr als 1.000 Emittenten aus über 60 Ländern. Die größere Breite sorgt für Diversifikation, höhere Liquidität und eine stabilere Investorenbasis. Viele Investoren betrachten die Anlageklasse inzwischen als strategische und nicht mehr nur als taktische Allokation.
Was macht die Fundamentaldaten der Unternehmen so attraktiv?
Wenn wir die Bilanzen analysieren, sehen wir häufig bessere Kennzahlen als bei vergleichbar gerateten US-Unternehmen. Die Unternehmen in den Emerging Markets weisen im Durchschnitt niedrigere Verschuldungsgrade und höhere Liquiditätsreserven auf. Viele dieser Firmen mussten über Jahrzehnte lernen, in anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeldern zu bestehen. Diese Disziplin zahlt sich heute aus.
Weshalb verlangen Anleger dann einen Renditeaufschlag gegenüber US-Unternehmen.
Das nennen wir den „Postcode Premium“. Viele Investoren übertragen automatisch das Risiko eines Landes auf die dort ansässigen Unternehmen. Dadurch erhalten selbst qualitativ hochwertige Gesellschaften häufig niedrigere Ratings und höhere Renditen als ihre tatsächlichen Fundamentaldaten rechtfertigen würden. Genau darin liegen interessante Chancen für aktive Investoren.
Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Ein gutes Beispiel ist Koç Holding in der Türkei. Das Unternehmen gehört zu den größten Konzernen des Landes, ist international diversifiziert, erzielt etwa die Hälfte seiner Umsätze in Hartwährung und verfügt über eine sehr starke Bilanz. Während politischer Unsicherheit in der Türkei stiegen die Renditen der Anleihen deutlich an. Für uns war das eine Gelegenheit, weil sich die tatsächliche Kreditqualität des Unternehmens nicht verändert hatte. Die wahrgenommene Gefahr war deutlich größer als das reale Risiko.
Welche Rolle spielen politische Entwicklungen bei Ihren Anlageentscheidungen?
Natürlich beobachten wir das politische Umfeld. Allerdings versuchen wir nicht vorherzusagen, wer die nächste Wahl gewinnt oder welche Regierungspolitik beschlossen wird. Wir konzentrieren uns auf Unternehmen, die auch schwierige politische und wirtschaftliche Phasen überstehen können. Wenn politische Unsicherheit die Kurse guter Anleihen belastet, eröffnen sich häufig attraktive Einstiegsgelegenheiten.
Warum investieren Sie ausschließlich in Hartwährungsanleihen?
Weil wir Währungsrisiken bewusst vermeiden wollen. Bei Lokalwährungsanleihen müssen Anleger zusätzlich makroökonomische Entwicklungen, Wechselkurse und Geldpolitik prognostizieren. Das erhöht die Komplexität erheblich. Mit Hartwährungsanleihen können wir uns auf das konzentrieren, was wir am besten analysieren können: die Kreditqualität der Unternehmen.
Kommen wir zum Fonds. Wie unterscheidet sich der Emerging Market Debt Stars Fund vom Wettbewerb?
Unser Ansatz ist vollständig aktiv und benchmarkunabhängig. Wir investieren nicht, weil ein Unternehmen in einem Index vertreten ist. Stattdessen suchen wir weltweit nach Qualitätsunternehmen mit starken Geschäftsmodellen, kalkulierbaren Cashflows und soliden Bilanzen. Aus einem Anlageuniversum von rund 1.000 Emittenten entsteht ein konzentriertes Portfolio mit 40 bis 60 Positionen.
Wie sieht das aktuelle Portfolio aus?
Das Portfolio ist breit über Regionen und Branchen diversifiziert. Besonders wichtig ist uns die Qualität der Emittenten. Die durchschnittliche Duration liegt bei rund 2,5 Jahren, wodurch das Fondsvermögen weniger anfällig für Zinsschwankungen ist. Gleichzeitig bietet das Portfolio eine Rendite bis Endfälligkeit von rund acht Prozent. Ein Großteil der Erträge stammt aus laufenden Kupons und damit aus einer gut kalkulierbaren Einkommensquelle.
Worauf achten Sie bei der Titelauswahl besonders?
Wir suchen Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, widerstandsfähigen Geschäftsmodellen, starken Bilanzen und einem bewährten Management. Dazu kommen attraktive Bewertungen. Qualität ist für uns kein Schlagwort, sondern das zentrale Auswahlkriterium. Wir investieren lieber in wenige Unternehmen, die wir sehr gut verstehen, als in möglichst viele Positionen.
Abschließend: Warum ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für die Anlageklasse?
Weil Anleger heute attraktive laufende Renditen erhalten, die man über viele Jahre kaum gesehen hat. Gleichzeitig sind die Fundamentaldaten der Unternehmen solide und die Bewertungen im historischen Vergleich interessant. Darüber hinaus suchen viele Investoren nach Alternativen zu stark konzentrierten US-Märkten. Emerging-Market-Unternehmensanleihen können dabei eine attraktive Ergänzung sein – mit Renditepotenzial, Stabilität und Diversifikation in einem Paket.
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