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Greenwashing: Die Fondsbranche mistet aus

Aktuelle Untersuchungen zeigen: Nicht überall, wo ESG draufsteht, ist Nachhaltigkeit drin. Um Greenwashing-Vorwürfen zu entgehen, räumen Fondsgesellschaften ihre Portfolios auf.

08.10.2021 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der ESG- und klimabezogenen Finanzprodukte fulminant angestiegen. Nachhaltige Investments sind mittlerweile ein Billionenmarkt. Das wäre eine gute Nachricht, wäre nicht der Verdacht aufgekommen, dass wohl eine Reihe sogenannter ESG-Fonds außen zwar grün angestrichen sind, in Wahrheit aber doch eher klassisch gemanagt werden. Deshalb haben die europäischen Regulierungsbehörden vor einigen Wochen gefordert, dass Qualität, Konsistenz und Transparenz der verfügbaren Produkte in dieser Kategorie dringend überprüft werden müssten. Dass dies tatsächlich nötig ist, unterstreicht eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des britischen Thinktanks InfluenceMap. In dieser Studie wurden 723 Aktienfonds mit einem Gesamtnettovermögen von über 330 Milliarden US-Dollar untersucht, die speziell unter Verwendung von ESG- und klimabezogenen Schlüsselbegriffen vermarktet werden. Dafür wurden zwei Klimakriterien (Anpassung des Portfolios an das Pariser Abkommen und Intensität der fossilen Brennstoffe) als Grundlage genommen. Vermessen wurde die jeweilige Portfolio-Struktur mit dem sogenannten PACTA-Tool, das im gesamten Finanzsektor weit verbreitet ist. PACTA verwendet Produktionsplandaten von über 3.000 realwirtschaftlichen Unternehmen aus den Sektoren fossile Brennstoffe, Energie und Automobil, um das Engagement der Portfolios in diesen Unternehmen mit anerkannten Klimaszenarien zu vergleichen.

Keine Standards, keine Ordnung

Was in der Studie besonders auffiel, ist das breite Spektrum an Begriffen, die zur Beschreibung von Klimastrategien in börsennotierten Aktienfonds verwendet werden, sowie die daraus resultierende Schwierigkeit, diese miteinander zu vergleichen. Angesichts des relativen Mangels an Standards und Vorschriften, die derzeit die Vermarktung von ESG- und Klimafonds regeln, wurden im Rahmen der Untersuchung über 30 Suchbegriffe definiert, um die Fonds in zwei Hauptkategorien einzuteilen: „breit angelegte ESG“ und „klimabezogen“. Besonderes Augenmerk richtete die Studie auf die Frage, ob die betreffenden Fonds, die sich diesen Kategorien zurechnen ließen, Titel im Depot haben, die den Pariser Klimazielen zuwiderlaufen. Das Ergebnis: In der breiten ESG-Kategorie identifizierte der Bericht 593 Aktienfonds mit einem Gesamtnettovermögen von über 265 Milliarden US-Dollar. Davon wiesen 421 Produkte einen negativen Portfolio-Paris-Alignment-Score auf. Mit anderen Worten: 71 Prozent der Fonds haben überwiegend Unternehmen in ihren Portfolios, die nicht mit den globalen Klimazielen übereinstimmen.

In der Kategorie der Klimafonds wurden 130 Fonds mit einem Gesamtnettovermögen von mehr als 67 Milliarden US-Dollar identifiziert. Die Ergebnisse deuten auf sehr große Unterschiede in der Klimaleistung der verschiedenen Fonds hin, wobei die Werte für die Pariser Ausrichtung der Portfolios von -42 % bis +90 % reichen. Selbst in dieser Kategorie ist die Mehrheit der Fonds falsch ausgerichtet, wobei 72 von 130, also etwa 55 %, unter dem Strich keine klimafreundliche Anlagepolitik betreiben. Dem Bericht zufolge halten Klimafonds zudem weiterhin Unternehmen aus der Wertschöpfungskette fossiler Brennstoffe im Gesamtwert von 153 Millionen Dollar – darunter Unternehmen wie TotalEnergies, Chevron und ExxonMobil.

Klima-Benchmarks können irreführend sein

Interessant ist auch, dass ein großer Teil der im Bericht analysierten Aktienfonds mit Klimathematik ein ähnliches Ausmaß an Unklarheit in Bezug auf Klimafreundlichkeit aufweist wie die Marktindizes. So können Fonds klimaunfreundlich ausgerichtet sein, scheinen aber aus Portfoliosicht im Vergleich zum breiteren Markt einen begrenzten Klimavorteil zu bieten. Dieses Phänomen sei weitgehend auf die Verbreitung passiver Strategien zurückzuführen, die darauf abzielen, Marktindizes nachzubilden und dabei Ausschluss- oder Gewichtungskriterien anzuwenden, schreiben die Autoren der Studie. Diese Strategien führten zu Portfolios, die sich entweder nur geringfügig von der zugrundeliegenden Benchmark unterscheiden oder identisch seien, wenn man einige Unternehmen mit fossilen Brennstoffen ausschließe.

Die Branche zieht Konsequenzen

Die Ergebnisse der InfluenceMap-Untersuchung kommen nicht überraschend. Es ist bekannt, dass ein Hauptproblem nachhaltiger Investments nach wie vor die mangelnde Konsistenz und oft auch mangelnde Transparenz bei der Ausrichtung vieler ESG- und Klimafonds auf die globalen Klimaziele ist. Im Rahmen der engmaschigeren Regulierung, die im Rahmen der Kalibrierung der EU-Taxonomie und der neuen EU-Offenlegungsverordnung derzeit in Brüssel erarbeitet wird, dürfte der Spielraum für ESG-Interpretationen jedoch bald deutlich schwinden. Die Fondsgesellschaften bauen dem bereits vor. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich herausfand, haben einige der größten europäischen Fondsmanager damit begonnen, in größerem Umfang ESG-Label aus ihren Produktbeschreibungen zu streichen. Damit kommen sie den Aufsichtsbehörden zuvor, die vage Beschreibungen von nachhaltigen Investments nicht länger tolerieren wollen. So haben etwa Vermögensverwalter wie Allianz Global Investors oder die DWS Group aufgehört, den Sammelbegriff „ESG-integriert“ in ihren Dokumentationen zu verwenden. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits im letzten Jahr als nachhaltig beworbene Investments in Europa hat schrumpfen lassen und die vor allem von einer europäischen Verordnung zur Bekämpfung von Greenwashing getrieben wird. Bereits vor Inkrafttreten der neuen EU-Offenlegungsregeln im März hatten europäische Fondmanager das ESG-Label von Produkten im Volumen von fast zwei Billionen Euro entfernt.

Fazit: Jetzt zeigt sich, dass die Schärfung der EU-Taxonomie in Verbindung mit der Einführung der EU-Offenlegungsverordnung in die richtige Richtung weisen, nämlich zu eindeutigen Standards, die für mehr Klarheit und Transparenz sorgen, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht.

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