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Die größten Herausforderungen für nachhaltiges Investieren

Die Buchstaben E, S und G spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Nachhaltiges Investieren zu fördern. Markus Lange von PwC hält es für sinnvoll, dass sich die Regulierung auf den Klimaschutz konzentriert.

26.07.2019 | 08:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rechtsanwalt Dr. Markus Lange ist Spezialist für das Thema Regulierung. Seit Anfang Juli ist er als Partner im Bereich Financial Services Tax & Legal bei PwC tätig. Vor seinem Wechsel zu PwC hat Lange bei KPMG seit 2007 den Bereich Financial Services Legal aufgebaut und seit 2012 die Beratungsaktivitäten im Hinblick auf die Analyse und Umsetzung der neu gefassten Finanzmarktrichtlinie MiFID II maßgeblich geprägt und koordiniert. Tätigkeitsschwerpunkte des versierten Juristen sind rechtliche und regulatorische Fragestellungen rund um die Themenfelder  MiFID, Fonds, Digitalisierung und Compliance. Langes besonderes Augenmerk liegt derzeit auf der Analyse der Entwicklungen der Regulierungsanstrengungen der Europäischen Union im Bereich Nachhaltiges Investieren. Im Gespräch mit FundResearch benennt Lange die Risiken und Chancen der aktuellen EU-Initiative.

Herr Lange, wie sehen Sie die Entwicklung beim Thema Nachhaltiges Investieren? Müssen sich die Marktteilnehmer eher vor zu viel Regulierung fürchten? Oder können Sie darauf hoffen, dass Nachhaltiges Investieren ein profitabler Megatrend wird?

Markus Lange: Ich wünschte, die Frage wäre leicht zu beantworten. Dass die Situation komplizierter ist, liegt an verschiedenen Faktoren. Und da muss man erstmal Ordnung in die Diskussion und die Begriffe bringen. Denn der Begriff Nachhaltigkeit und die drei Buchstaben ESG – die englische Abkürzung für „Environmental Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – werden derzeit oft völlig undifferenziert in einen Topf geworfen. Aber so einfach ist das nicht.

Was sind die Unterschiede?

Markus Lange: Unter dem Begriff Nachhaltigkeit sammeln sich verschiedene Ziele, Projekte, Initiativen und Marktteilnehmer. Um eine sehr wichtige Initiative zu nennen: Die Vereinten Nationen haben die sogenannten Sustainable Development Goals – kurz: SDG – beschlossen. Diese umfassen 17 Ziele mit insgesamt 169 Unterzielen. Dazu zählt beispielsweise die Beseitigung von Hunger und extremer Armut, aber auch eine bessere Bildung für Alle und das Erreichen von Klimazielen. Im Rahmen dieser SDGs haben alle sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Ziele den gleichen Stellenwert. Nachhaltigkeit umschreibt in diesem Zusammenhang die Ambition, nachfolgenden Generationen weltweit gute Lebensverhältnisse in einem gesunden Ökosystem zu ermöglichen. Die SDGs sollen ein System sich gegenseitig beeinflussender Ziele sein, die grundsätzlich zeitgleich verfolgt werden sollen. Wenn heute von Nachhaltigkeit die Rede ist, dann sind oft diese SDGs gemeint.

Das klingt doch erst einmal ganz gut. Wo ist das Problem?

Markus Lange: Die SDGs sind ein hehres, umfassendes Ziel. Und damit nicht genug. Von herausragender Bedeutung ist auch das Pariser Klimaschutzabkommen. Es enthält konkrete und weichenstellende Zielsetzungen der Vereinten Nationen zum Klimawandel. Vor diesem Hintergrund forciert die Europäische Union derzeit sogenanntes Nachhaltiges Investieren mit ihrem Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“. Es handelt sich um ein Bündel von Maßnahmen mit dem Schwerpunkt Klimawandel und Umweltschutz. Aber auch soziale Themen werden adressiert, ergänzt durch Governance-Überlegungen. Zugleich haben Fondsgesellschaften zunehmend Produkte im Angebot, die SDG- und/oder ESG-konform und/oder „nachhaltig“ sind. Die Fonds, die SDG-Ziele verfolgen, können natürlich nicht auf alle 17 Ziele gleichzeitig achten. Und auch die ESG-Fonds können nicht immer das halten, was sie versprechen. Derzeit ist auch noch ganz offen, ob die Technische Expertengruppe der EU eine umfassende ESG-Taxonomie vorschlagen wird. Unlängst vorgelegte Zwischenergebnisse konzentrieren sich auf sechs umweltbezogene Ziele, und sie priorisieren ausdrücklich den Klimawandel. Da ist noch Diskussionsstoff. Und selbst wenn die Vorschläge eins zu eins durchgingen, muss für jede Branche genau definiert werden, was das konkret für jedes einzelne Unternehmen bedeutet und wie die Umsetzung der Taxonomie-Kriterien dokumentiert werden kann.

Na gut, irgendwo muss ja ein Anfang gemacht werden. Es ist eben ein Prozess. Halten Sie die Initiativen für falsch?

Markus Lange: Ganz und gar nicht. Aber man kann auch zu viel wollen und damit weniger erreichen. Die EU würde meiner Ansicht nach unnötig übers Ziel hinausschießen, wenn sie jetzt eine umfassende ESG-Reglementierung anstrebte. Erklärtes Ziel ist es ja, insbesondere die Fondsindustrie dazu zu bewegen, mehr Geld in nachhaltige Anlagen zu steuern, um damit klimarelevante Investitionen zu ermöglichen. Die Bereiche Soziales und Unternehmensführung sind ohnehin schon in vielen Fonds als Anlagekriterien verankert. An diesbezüglichen rechtlichen Vorgaben dürfte es auch – jedenfalls innerhalb der EU – nicht mangeln. Da bedarf es keiner ESG-Initiative. Die macht es nur komplizierter. Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem der erste Buchstabe: Das E, das für Environmental, also Umwelt steht – und Klimaschutz. Aus der 25 Seiten umfassenden Zusammenfassung zum aktuellen Stand der EU-Taxonomie lässt sich herauslesen, dass es in die richtige Richtung zielt.

Angenommen, die EU würde sich mit ihren regulatorischen Vorhaben auf das Thema Klima konzentrieren: Wie müsste aus Ihrer Sicht eine Regulierung aussehen, die die Effekte erzielt, die sich die EU wünscht?

Markus Lange: Es geht letztlich darum, die Kapitalströme in die richtige Richtung zu lenken. Also Unternehmen zu fördern, die klimaschonende Technologien anwenden oder entwickeln. Dieser Ansatz muss internationale Wirkung entfalten. Es darf nicht sein, dass klimaschädliche Produktion einfach ins Ausland verlagert werden kann, um zu Hause die eigenen Ziele zu erreichen. Es müssen also Länder wie Russland und China eingebunden werden. Die haben allerdings durchaus eigene Sichtweisen zu den Buchstaben S und G. Das Thema Umwelt interessiert sie aber schon. Denn auch in Peking und Moskau hat man erkannt, dass Klimapolitik eine internationale Aufgabe von herausragender Bedeutung ist. Mit einer Initiative, die konzentriert auf dieses Thema zielt, hätte man es deshalb vielleicht leichter in Verhandlungen. Und dann wäre da noch eine Mega-Aufgabe zu lösen…

Welche?

Markus Lange: Wenn Sie Fonds, Pensionskassen, Vermögensverwalter und andere Finanz-Intermediäre dazu bewegen wollen, in die „richtigen“ Assets zu investieren, müssen sie nicht nur definieren, was genau die wichtigen Kriterien sind, auf die es ankommt, sondern Sie müssen auch Wege finden, die entsprechenden Informationen bereitzustellen. Es geht hier um Datenverarbeitung, Research, den Informationsfluss und die Kosten dafür. Das ist ein weites Feld.

Können Sie das näher erläutern?

Markus Lange: Die Frage stellt sich ja automatisch: Wie erfahre ich als Finanzmarktteilnehmer, welches die Unternehmen und welches die Finanzprodukte sind, die es wirklich schaffen, in die tatsächlich klimarelevanten Bereiche zu investieren? Woher bekomme ich die nötigen Informationen? Wer macht die Öko-Benchmarks und vergibt die Label? Und woher bekommen wiederum diese Informationsanbieter ihre Informationen? Im Moment müssen nur größere Unternehmen in ihrer Bilanzierung dokumentieren, wie nachhaltig sie arbeiten. Aber es gibt noch keinen verbindlichen Standard dafür – und schon gar keine Bewertungsskala, die leicht maschinenlesbar wäre. Und das ist Grundvoraussetzung für ein System, das Tausende von Unternehmen, Aktien, Anleihen und hunderttausende von Indizes und Finanzprodukten umfasst. Das ist eine riesige Baustelle. Schon deshalb sollte man sich meiner Meinung nach auf das Wichtigste, nämlich das Umwelt-Thema, konzentrieren. Da gibt es schon genug zu tun. Die jüngst veröffentlichten Leitlinien der EU-Kommission zur Ergänzung der Nachhaltigkeitsberichterstattung um klimabezogene Informationen zeigen, in welche Richtung sich das noch entwickeln muss.

Sie sprachen auch die Kosten an…

Markus Lange: Natürlich muss man offen die Frage stellen: Wer bezahlt das aufwändige, nötige Research? Finanzberater und Vermögensverwalter haben die Wahl, ob sie einen Preis dafür aus eigener Tasche zahlen oder die mehr oder weniger intransparenten Vergütungsmodelle der Finanzindustrie annehmen.

Durch MiFID II ist doch geregelt, dass alle Kosten offengelegt werden müssen, oder?

Markus Lange: Das ist richtig. Fakt ist aber auch: Der Research-Markt tut sich schon ohne die EU-Initiative schwer mit den MiFID-Nachwirkungen. Derzeit befinden wir uns in einer Phase der Marktbereinigung. Es wird in nächster Zeit weniger Research geben, weil die Branche nicht gewohnt ist, dafür zu zahlen. Es müssen sich verschiedene Preismodelle erst etablieren. Meine Hoffnung ist, dass dafür die Qualität zunimmt. Davon hängt auch ab, ob Anlageberater und Vermögensverwalter überhaupt in der Lage sein werden, verlässliche Informationen zu erhalten, welche Assets überhaupt nachhaltige Anlagen sind. Eine gute Taxonomie ist da nur ein wichtiger Baustein, die Definition und die Sicherstellung  eines verlässlichen Informationsflusses ist jedoch mindestens genauso wichtig. Das ist aus meiner Sicht ein Knackpunkt, über den bislang viel zu wenig gesprochen wurde.

Herr Lange, vielen Dank für das Gespräch.

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