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Dekabank-Chefvolkswirt: Konjunkturperspektiven werden sich weiter verfinstern

Die Dekabank erwartet für Deutschland angesichts der hohen Inflation und der weltpolitischen Lage eine weiterhin schwächelnde Wirtschaft.

30.06.2022 | 06:30 Uhr

"Eine gefährdete Energieversorgung, rekordhohe Inflationsraten und eine schwächelnde Weltkonjunktur verlangen auch von den deutschen Unternehmen ihren Tribut", sagte Chefvolkswirt Ulrich Kater am Mittwoch in Frankfurt. "Die Perspektiven für die deutsche Konjunktur werden sich im Jahresverlauf weiter verfinstern."

Das größte Risiko für die Wirtschaft sieht Kater in einem Ausfall der russischen Erdgaslieferungen. "Nach unserer Auffassung sind die bisherigen Kürzungen von Erdgaslieferungen politisch motiviert", sagte Kater. "Das sind schlechte Vorzeichen für das Winterhalbjahr." Ohne ein Embargo erwartet Kater in diesem Jahr ein Wachstum von 1,6 Prozent und 2023 von 2,3 Prozent. Sollte es hingegen zu einem Embargo kommen, dürfte die Wirtschaft 2023 um 1,0 Prozent schrumpfen. Er zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die Abkopplung von russischen Gaslieferungen nach den Herausforderungen in den kommenden Quartalen zügig bewältigt werden kann.

Die Inflation in Deutschland und der Eurozone dürfte laut Kater hoch bleiben. Sie sollte auch zum Jahresende noch bei rund sieben Prozent liegen. Erst dann dürfte sie sich abschwächen. Die Notenbanken müssten jetzt eine Verfestigung oder gar eine Beschleunigung der Inflation verhindern. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde den Einlagensatz 2023 bis auf 1,5 Prozent erhöhen, erwartet Kater. Dies sei auch der langfristige, neutrale Zins. Bei diesem Zins wird das Inflationsziel von mittelfristig zwei Prozent erreicht, ohne die Wirtschaft zu stark zu belasten.

In den USA sollte der Leitzins sogar bis auf 3 Prozent steigen. "Die Notenbanken sind endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und haben - nach langem Zögern - im Rekordtempo die Zinserwartungen nach der langen Zeit der Nullzinsphase nunmehr nach oben geschraubt", so Kater. "Ausgewachsene Inflationsprozesse bedeuten am Ende dauerhafte und damit höhere Wohlstandsverluste." Das Thema Inflation werde die Märkte bis zum Jahr 2025 beschäftigen, erwartet Kater. Die jährliche Rate dürfte sich bis dahin einer Spanne von zwei bis vier Prozent bewegen.

Auch im Falle eines Erdgasembargos und seinen schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft rechnet Kater mit steigenden Leitzinsen in der Eurozone. "Man kann sich nicht waschen, ohne nass zu werden", sagte Kater. Da die Inflation stärker als in der Vergangenheit von der Angebotsseite getrieben sei, sieht er aber auch die Politik in der Pflicht. Diese müsste vor allem für ein ausreichendes Energieangebot sorgen und die sozialen Folgen abfedern.

Quelle: dpa-AFX

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