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Pleitegefahr für über zehn Prozent aller deutschen Unternehmen: Berlin liegt vorne

Jedes zehnte Unternehmen in Deutschland ist pleitegfährdet.
Konjunktur

Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist im Jahr 2025 erneut deutlich gestiegen. Mit rund 24.000 Unternehmenspleiten wurde der höchste Stand seit 2014 erreicht. Das entspricht einem Anstieg von 9,6 Prozent gegenüber 2024, als 21.964 Insolvenzen registriert wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Wirtschaftsauskunftei-Unternehmens CRIF Deutschland.

13.03.2026 | 13:00 Uhr

Gleichzeitig verschlechtert sich die finanzielle Situation vieler Unternehmen weiter: Mehr als zehn Prozent aller Firmen in Deutschland gelten inzwischen als insolvenzgefährdet.

Firmeninsolvenzen dürften auch 2026 weiter steigen

Nach Einschätzung von CRIF dürfte sich der negative Trend fortsetzen. Für das Jahr 2026 rechnen die Experten mit rund 24.800 Firmeninsolvenzen, was einem weiteren Anstieg von etwa drei Prozent entspricht.

CRIF-Geschäftsführer Dr. Frank Schlein sieht mehrere Ursachen für die steigende Zahl von Unternehmenspleiten:

  • hohe Energie- und Produktionskosten
  • geopolitische Unsicherheiten
  • zunehmende Bürokratie
  • Belastungen in Lieferketten
  • schwache Konsumnachfrage

„Viele Unternehmen litten unter steigenden Kosten und einer gleichzeitig gedämpften Nachfrage“, erklärt Schlein. Besonders kleine und mittelständische Betriebe stünden dadurch zunehmend unter finanziellem Druck.

Geopolitische Risiken verschärfen wirtschaftliche Lage

Zusätzliche Unsicherheit bringt laut CRIF die geopolitische Entwicklung. Der Konflikt im Iran habe zuletzt zu deutlichen Preissteigerungen bei Öl und Gas geführt.

Das belaste nicht nur die Inflation, sondern auch die Wachstumsaussichten der Wirtschaft.

„Viele positive Signale der vergangenen Monate verlieren dadurch an Wirkung, da Energie- und Beschaffungskosten für zahlreiche Branchen weiter steigen“, so Schlein.

Die unsichere geopolitische Lage erschwere zudem langfristige Investitionsentscheidungen vieler Unternehmen.

Berlin mit der höchsten Insolvenzdichte

Ein Blick auf die Regionen zeigt deutliche Unterschiede. Berlin weist die höchste Insolvenzdichte in Deutschland auf.

Im Jahr 2025 entfielen dort 117 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, während der Bundesdurchschnitt bei 77 Fällen lag.

Überdurchschnittliche Insolvenzraten gab es auch in:

  • Nordrhein-Westfalen (103)
  • Hamburg (98)
  • Hessen (88)
  • Bremen (85)

Am unteren Ende der Statistik lagen dagegen:

  • Thüringen (51)
  • Brandenburg (53)
  • Saarland (54)
  • Mecklenburg-Vorpommern (54)
  • Bayern (56)

Absolut gesehen meldeten die meisten Insolvenzen:

  • Nordrhein-Westfalen – 6.502
  • Bayern – 3.316
  • Baden-Württemberg – 2.706

Starke regionale Unterschiede bei der Entwicklung

Besonders stark stieg die Zahl der Unternehmenspleiten in Hessen, wo sie im Vergleich zum Vorjahr um 27,2 Prozent zulegte.

Weitere deutliche Anstiege gab es in:

  • Thüringen (+21,7 %)
  • Sachsen-Anhalt (+20,4 %)
  • Rheinland-Pfalz (+16,4 %)

Nur wenige Bundesländer verzeichneten rückläufige Zahlen. Dazu gehören:

  • Saarland (-27,9 %)
  • Bremen (-10,1 %)
  • Berlin (-7,8 %)

In Mecklenburg-Vorpommern blieb die Entwicklung nahezu stabil.

Junge Unternehmen besonders häufig betroffen

Die Analyse zeigt zudem, dass jüngere Unternehmen besonders häufig insolvent werden.

Rund 58,6 Prozent der insolventen Firmen waren weniger als zehn Jahre am Markt.

Die Verteilung im Überblick:

  • 0–2 Jahre: 7,7 %
  • 3–4 Jahre: 12,8 %
  • 5–6 Jahre: 15,2 %
  • 7–8 Jahre: 13,2 %
  • 9–10 Jahre: 9,7 %

Unternehmen mit einer Marktpräsenz von mehr als zehn Jahren machten dagegen 41,4 Prozent der Insolvenzen aus.

Mehr als 320.000 Unternehmen gelten als insolvenzgefährdet

Neben den tatsächlichen Insolvenzen wächst auch die Zahl der Unternehmen mit erhöhter Insolvenzgefahr.

Laut CRIF gelten derzeit 322.470 Unternehmen in Deutschland als insolvenzgefährdet. Das entspricht 10,3 Prozent aller Firmen – ein Anstieg um 1,4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Besonders hoch ist der Anteil gefährdeter Unternehmen in:

  • Berlin (14,9 %)
  • Thüringen (12,9 %)
  • Nordrhein-Westfalen (11,8 %)

In Bayern liegt der Anteil dagegen bei 7,2 Prozent, in Baden-Württemberg bei 8,5 Prozent.

Wie CRIF die Insolvenzgefahr bewertet

Für die Analyse wertet CRIF zahlreiche wirtschaftliche Kennzahlen aus, darunter:

  • Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen
  • Umsatz- und Mitarbeiterzahlen
  • Zahlungserfahrungen
  • gerichtliche Negativmerkmale

Unternehmen gelten als insolvenzgefährdet, wenn sie einen Bonitätsindex zwischen 4,5 und 6,0 aufweisen.

Ausblick: Wirtschaftlicher Druck bleibt hoch

Die steigende Zahl von Unternehmenspleiten zeigt, dass viele Firmen weiterhin mit schwierigen Rahmenbedingungen kämpfen.

Hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und eine schwache Nachfrage dürften auch in den kommenden Monaten eine Herausforderung bleiben.

Sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht deutlich verbessern, könnten Firmeninsolvenzen in Deutschland auch 2026 weiter zunehmen. (jk)

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