TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Wie ein schweres Nichts Milliarden Dollar anziehen und vernichten kann.
29.06.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»
Der SpaceX-Börsengang ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein unglaublich riesiges Vermögen aus dem Nichts entstehen kann. Und wie dieses Nichts, wenn es zusammenschrumpft, andere Vermögen aus ihrer Bahn werfen und verschlingen kann. Ausgerechnet SpaceX – ein Unternehmen, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, nicht nur den Mond und den Mars zu besiedeln, sondern überhaupt den Weltraum zu erobern – verhält sich hier auf der Erde an der Börse wie ein Schwarzes Loch, ein eigentlich winziger Punkt, aber mit unbeschreiblicher Anziehungskraft.
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Das Playbook des Aktiengangs liest sich aus der Sicht Elon Musks dabei wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Der SpaceX-CEO hat für sein Unternehmen, das im vergangenen Jahr fast fünf Milliarden Dollar Nettoverlust bei gerade einmal 18,5 Milliarden Dollar Umsatz produziert hat, 86 Milliarden Dollar an der Börse eingesammelt. Der Clou ist, dass dafür jedoch nur ein Bruchteil der Aktien ausgegeben wurden. Die Marktkapitalisierung von SpaceX liegt aktuell bei etwa zwei Billionen US-Dollar (ca. 1,8 Billionen Euro) – je nach Tag und konkreter Stunde. Der Wert schwankt seit dem IPO erheblich. Kurz nach dem Start der Aktie an der Börse schoss der Kurs kurz hoch, um innerhalb von nur acht Börsentagen wieder auf fast den Preis zurückzufallen, zu dem die Aktie ausgegeben wurde. Weitere Kursrückschläge sind nicht ausgeschlossen.
Den Wert des Unternehmens seriös festzustellen, ist kaum möglich. Bewertung und die Ergebnisse der Geschäftstätigkeit stehen in keinem auch nur annähernd nachvollziehbaren Verhältnis zueinander. Allein die Festigkeit des Glaubens der Anleger an die Fähigkeiten Elon Musks treibt die Kurse der Aktie.
Prognosen für die weitere Entwicklung der SpaceX-Aktie zu treffen, soll jedoch nicht die Aufgabe dieses Artikels ein. Wie eingangs erwähnt, geht es eher um die Magie des Schaffens von Reichtum aus dem Nichts – und die verheerenden Nebeneffekte. Denn irgendjemand bezahlt immer die Rechnung. Also: Elon Musk hat ein Unternehmen an die Börse gebracht, das Verluste erwirtschaftet. Nach dem Börsengang hält er etwa 85 Prozent der stimmberechtigten Anteile, rund fünf Prozent der Aktien sind an der Börse frei unter Anlegern handelbar. Der Rest gehört diversen Investoren. Bewegt wurden an der Börse im Rahmen des IPO etwa 86 Milliarden Dollar, die aus anderen Vermögenswerten der privaten und institutionellen Investoren abgezogen worden waren, um SpaceX-Aktien zu kaufen. Elon Musk hat mit diesem 86 Milliarden Dollar-Deal sein eigenes privates Vermögen auf dem Papier um rund 1,7 Billionen Dollar nach oben getrieben – je nach aktuellem Börsenkurs der SpaceX-Aktie.
Man darf das so sagen: Dieser Wert ist quasi aus dem Nichts geschaffen worden. Das heißt jedoch nicht, dass die Bewertung kein konkretes Gewicht hat. Im Gegenteil: Allein durch diese enorme Bewertung ist SpaceX nun in der Lage, Milliardenkredite aufzunehmen – was auch nötig ist. Denn um seine ehrgeizigen Ziele zu erreichen, benötigt Elon Musk echtes Geld. Das hat er sich nun an der Börse in Form von Anleihen besorgt. Die 25-Milliarden-Dollar-Emission war mehrfach überzeichnet. Die Papiere rentieren mit 5,2 bis 5,5 Prozent. Der Zinssatz richtet sich nach den Renditen für US-Staatspapieren und gewährt ihnen gegenüber einen kleinen Aufschlag. Für ein Unternehmen mit den genannten Geschäftszahlen ist das eigentlich viel zu wenig. Doch SpaceX ist auf dem Papier eben ein Billionen-Unternehmen. Da werden Anleiheinvestoren nachsichtig. Der Firmenwert allein gilt schon als ausreichende Sicherheit.
Auch hier gilt: Diese 25 Milliarden Dollar wurden woanders abgezogen. So haben bereits mehr als 100 Milliarden Dollar ihre normale Umlaufbahn verlassen, um im Schwarzen SpaceX-Loch zu verschwinden. Und es wird weitergehen. In den nächsten Jahren sollen bis zu 50 Prozent der Aktien in den freien Handel gehen. Der reichste Mann der Welt wird so nicht nur virtuell, sondern real immer reicher, während dem Kapitalmarkt reichlich Liquidität entzogen wird. Wir reden hier von Billionen US-Dollar. Man muss Elon Musk Glück wünschen und geradezu hoffen, dass SpaceX irgendwann ein ertragreiches Unternehmen wird. Denn sollte SpaceX einst im Orbit in sich zusammenfallen, wäre die Sogwirkung am irdischen Kapitalmarkt kaum mit Worten zu beschreiben.
Am Dienstag findet online eine Pressekonferenz des Bitkom e.V. statt. Das Thema: „Kosten, Transparenz & Sicherheit: Wenn das Stromnetz digitaler wird“. In der Ankündung zur Pressekonferenz heißt es: „Brandanschläge, beschädigte Umspannwerke, Cyberrisiken: Die Sicherheit der Energieversorgung ist zuletzt stärker in den Fokus gerückt. Wie blicken Deutschlands Haushalte auf die Sicherheit des Stromnetzes? Wie groß ist die Sorge vor längeren Stromausfällen? Wie stehen die Verbraucher zu Smart Metern, dynamischen Stromtarifen und einer flexiblen Steuerung zum Beispiel von Wärmepumpen oder Wallboxen? Und welche Rolle können digitale Technologien für eine sichere, bezahlbare und klimafreundliche Energieversorgung spielen?“ Antworten auf diese und weitere Fragen gibt eine neue Studie des Bitkom, für die mehr als 1.000 Haushalte repräsentativ befragt wurden. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Online-Pressekonferenz vorgestellt.
Ab Mittwoch gelten neue Zollvorschriften für kleine Pakete in die EU: Bislang werden Pakete mit einem Wert von unter 150 Euro zollfrei eingeführt. Ab 1. Juli gilt ein vorläufiger Pauschal-Zoll in Höhe von 3 Euro auf Waren in kleinen Paketen mit einem Wert unter 150 Euro, die direkt an Verbraucher in der EU versandt werden. Mit dem Abschaffen der Freigrenze soll sichergestellt werden, dass alle Händler – unabhängig von ihrem Standort – die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben. Die Vereinbarung gilt zunächst bis 1. Juli 2028, dann soll die EU-Zolldatenplattform laut Europäischem Rat voraussichtlich einsatzbereit sein und normale Zölle eingeführt werden. Betroffen sind laut Europäischem Rat vor allem Waren, die über den elektronischen Handel in die EU gelangen. Was jeder weiß, was aber nicht offen ausgesprochen wird: Es geht vor allem um das Ausbremsen chinesischer Händler wie etwa Temu, die die bisher geltenden Regeln geschickt ausgenutzt haben, um die EU mit Kleinstpaketen zu fluten.
Am Donnerstag eröffnet Infineo seine „Infineon Smart Power Fab“. Mit dem neuen Fertigungsstandort reagiert Infineon auf die steigende Nachfrage nach Halbleitern etwa für erneuerbare Energien, Rechenzentren und Elektromobilität. In der neuen Fabrik sollen rund 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
Am Freitag lädt die Bundesagentur für Arbeit (BA) und der DGB Baden-Württemberg zu einer Konferenz ein. Thema: Die Potenziale und Herausforderungen von KI in den Betrieben. Mit dabei: Andrea Nahles, Vorstandsvorsitzende der BA. Vor Ort sind Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus Baden-Württemberg, die eine entscheidende Rolle bei der Einführung und Weiterentwicklung von KI in den Betrieben spielen - und damit eine entscheidende Funktion für das Gelingen der Transformation in Baden-Württemberg haben, so die Veranstalter.
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