Beim TiAM-Round-Table diskutierten John Korter, Head of European Sales bei La Financière de l’Échiquier, und Philipp von Königsmarck, Head of Wholesale Distribution Northern Europe L & G, über die Trends an den Kapitalmärkten, spannende Investments und was die Anleger 2026 erwartet
07.01.2026 | 09:15 Uhr von «Jörn Kränicke»
TiAM: Herr Korter, Herr von Königsmarck, 2025 war für viele ein erfolgreiches Börsenjahr. Was erwarten Sie für 2026?
John Korter: Tatsächlich war 2025 an den Märkten ein starkes Jahr, aber viele Anleger haben die Entwicklung verpasst. Sie waren weiter in Wartestellung. Die, die richtig verdient haben, waren meist professionelle und institutionelle Investoren. Für 2026 rechne ich weder mit einem anhaltenden Bullenmarkt noch mit einem massiven Crash. Die Unsicherheiten sind weiter da – geopolitisch, wirtschaftlich, zinspolitisch. Das Wachstum ist derzeit schwach – Aktien dürften nicht mehr so stark laufen. Ich denke, wir sehen daher eher eine seitwärts tendierende Marktphase. Daher sollten Anleger grundsätzlich wieder zur Realität zurückfinden: In gute Unternehmen investieren, die wirtschaftlich solide das Rückgrat bilden. Aktien bleiben wichtig – aber selektiv und mit Vorsicht. Manche gehypten Titel, etwa Tesla, zeigen ja, wie schwierig es werden kann.
Philipp von Königsmarck: Ich sehe das ähnlich. Angesichts vieler Risiken – Zölle, geopolitische Spannungen, mögliche Inflationsschübe – ist es entscheidend, breit zu diversifizieren. Dazu gehören Anlageklassen, die viele im Gegensatz zu KI kaum auf dem Schirm haben: Gold, Goldminen sowie Rohstoffe zählen dazu. Man sollte nicht alles auf eine Karte setzen.
TiAM: Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang die zunehmende politische Einflussnahme auf die US-Notenbank?
Königsmarck: Sehr kritisch. Ich rechne damit, dass die Fed aus politischem Druck zunächst minimale Zinssenkungen liefern wird – eher als symbolischen Kompromiss. Trump testet systematisch Grenzen aus, feuert Leute, provoziert Klagen – und es regt sich kaum Widerstand. Das Umfeld ist extrem unberechenbar, was besonders deutsche Exporteure massiv belastet.
TiAM: Könnte Trump auch Anleger aus Europa direkt treffen?
Korter: Absolut. Denkbar wäre etwa eine 25-prozentige Strafsteuer für europäische Fondsmanager, die US-Aktien kaufen. Alles ist möglich, und genau diese Unsicherheit ist gewollt.
TiAM: Bewegt sich deshalb mehr Kapital in Richtung China?
Korter: Ja. Der jüngste Auftrieb in China kommt weniger von neuen wirtschaftlichen Erfolgen, sondern von internationalen Investoren, die die USA-Positionen reduzieren und nach Alternativen suchen.
TiAM: Ist die Vorherrschaft der US-Börsen damit Geschichte?
Königsmarck: Geschichte nicht, doch die Dominanz wird abnehmen. Aber es gibt dabei trotzdem ein großes Problem: Die größten Vermögen liegen weiterhin in den USA. Viele der mächtigen Marktakteure – Techmilliardäre und große Banken – stehen politisch klar auf Trump-Linie und investieren ungern gegen dessen Interessen. Erst wenn Europa eigene, wirklich überzeugende Wachstumsunternehmen hervorbringt, wird sich das ändern.
Korter: Wir haben keine Glaskugel, aber ich glaube, wir haben den Peak der US-Dominanz gesehen. Der US-Anteil am Weltaktienmarkt liegt aktuell bei über 70 Prozent. Dieser Anteil wird langfristig sinken. Regionen wechseln sich historisch ab – Japan war früher einmal führend im MSCI World (49 Prozent) und hat nun nur noch einen Anteil von 5,5 Prozent.
TiAM: Gibt es auch einen Zusammenhang zwischen der US-Politik und dem stark gestiegenen Goldpreis?
Königsmarck: Durchaus. Gold fungiert nach wie vor als Versicherung gegen Risiken. Um ihre Risiken zu diversifizieren, haben viele Zentralbanken – vor allem aus Schwellenländern – massiv Gold gekauft und im Gegenzug ihre Dollarbestände reduziert. Aber auch Privatanleger setzen wieder vermehrt auf Gold.
TiAM: Investieren die Anleger eher in physisches Gold oder in Goldminen-ETFs?
Königsmarck: Wir sehen eine verstärkte Nachfrage nach Goldminen ETFs. Beim L & G Gold Mining UCITS ETF hatten wir im laufenden Jahr Zuflüsse von rund 250 Millionen Euro. Anleger setzen vermehrt auf Goldminen, weil diese der sehr positiven Goldpreisentwicklung stark hinterherhinken. Da die Fixkosten der Minen zwar hoch sind, aber stabil, führen steigende Goldpreise zu überproportionalen Gewinnen. Goldminenaktien notieren preislich aber eher auf einem Niveau, als der Goldpreis noch bei 2000 Dollar lag. Bei Goldminenaktien könnte also noch viel Potenzial vorhanden sein.
TiAM: Viele sehen im Bitcoin „digitales Gold“. Zu Recht?
Korter: Für viele, vor allem jüngere Anleger, ist es tatsächlich eine Goldalternative. Es ist digital, knapp und basiert ebenfalls auf Angebot und Nachfrage. Aber: Die Regulierung ist immer noch unklar und die Volatilität enorm. Minus 40 bis 60 Prozent muss man aushalten können. Außerdem verstehe ich nicht, wie jeder seine eigene Kryptowährung herausgeben kann – dann ist es eben doch nicht endlich.
Königsmarck: Wir sehen den Kryptomarkt auch kritisch. Deshalb überlegen wir auch derzeit nicht, Kryptoprodukte aufzulegen.
TiAM: Neben Krypto hält der ETF-Boom an. Geht er so weiter, oder kehrt aktives Management zurück?
Korter: Der ETF-Trend wird nicht verschwinden, aber sich normalisieren. Klassische ETFs sind fast ein Oligopol geworden. Jetzt kommen aktive ETFs – eine logische Entwicklung. Denn die alteingesessenen Asset-Manager brauchen für ihre Produkte eine neue Verpackung, damit sie auch für die neue Anlegergeneration, die über Neobroker handelt, attraktiv werden. Aktive Fondsmanager müssen daher künftig beweisen, dass sie 1,5 Prozent laufende Gebühren rechtfertigen. Aktive Manager müssen zukünftig also entweder Alpha liefern oder die Kosten senken.
Königsmarck: Wir sehen auch ganz klar einen anhaltenden Trend zu ETFs, die gerade nicht Plain Vanilla sind und Anlegern daher einen Mehrwert bieten. In diesem Bereich sind wir sehr gut aufgestellt.
TiAM: Können KI und Automatisierung die Kosten bei Asset-Managern deutlich senken, damit sie zukünftig in der Konkurrenz mit ETFs besser bestehen können?
Korter:Teilweise schon. KI hilft besonders bei administrativen Aufgaben und der Datenanalyse, aber sie ersetzt im Asset-Management kurzfristig keine Menschen. Ich sehe daher kein großes Kostensenkungspotenzial.
Königsmarck: Wir setzen inzwischen KI stärker ein, insbesondere zur Analyse großer Datenmengen. Sie ist durchaus hilfreich, aber kein Ersatz für menschliche Entscheidungen.
TiAM: Der Lack bei ESG-Fonds scheint ab zu sein. Wie sehen Sie das Thema?
Korter: Die breite Nachfrage ist in der Tat deutlich gesunken. Viele Investoren wissen gar nicht genau, was sie wollen: „Impact“, „ESG light“, „dunkelgrün“ … Wir erleben aber vermehrt institutionelle Anfragen. Gerade bei den großen Kapitalsammelstellen bleibt es ein relevantes Thema. ESG ist nicht beileibe nicht tot, aber derzeit einfach weniger gefragt.
Königsmarck: Bei vielen Fondsselektoren werden ESG-Strategien weiterhin gebraucht, aber das Verhältnis liegt oft bei 80 Prozent Artikel-8-Fonds und nur 20 Prozent bei stärker nachhaltigen Produkten. ESG allein ist heute kein Verkaufsargument mehr.
TiAM: Liegt das auch daran, dass nachhaltige Produkte in Deutschland politisch nicht gefördert werden?
Korter: Ja. Es gibt keine steuerlichen oder regulatorische Anreize. Würde man etwa die Abgeltungsteuer halbieren, wäre das ein echter Impuls. Andere Länder sind hier viel mutiger: Luxemburg oder Spanien zeigen, dass steuerliche Anreize Anleger wirklich in den Markt bringen.
TiAM: Welche Themen sind stattdessen en vogue?
Korter: Man muss extrem vorsichtig sein, welche Themen man anbietet. Vieles ist eben Trial and Error. Wir hatten zum Beispiel einen Luxusfonds, der einige Jahre sehr gut lief, aktuell aber kaum gefragt ist, weil das Thema einfach zu eng ist. Deshalb versuchen wir, breit genug zu bleiben – etwa bei KI, Space oder Robotics. Solche Themen sind weit genug gefasst, um ein investierbares Universum zu bieten und so auch langfristig Erfolg versprechen.
Königsmarck: Wir unterscheiden zwischen langfristigen, strategischen Themen und kurzfristigen Trends. Als nachhaltig relevant sehen wir Künstliche Intelligenz, Cyber Security und Clean Water. Alles drüber hinaus ist oft trendgetrieben und unterliegt stärkeren Schwankungen.
TiAM: Wie investieren die meisten Anleger in Themenfonds – eher taktisch oder langfristig?
Königsmarck: Sehr viele investieren über Sparpläne – das sehen wir bei unseren Onlinebroker-Partnerschaften deutlich. Und überraschend wenige haben in der Korrektur im Frühjahr ihre Sparpläne eingestellt – früher war das üblich. Offenbar haben viele verstanden, dass man langfristig investiert bleiben sollte.
Korter: Viele versuchen aber auch immer noch taktisches Timing – zum Beispiel im Rüstungsbereich. Themenfonds sollte man mindestens fünf, eher sieben bis zehn Jahre halten. Kurzfristige Erwartungen führen fast immer zu Fehlentscheidungen und es werden auch Enttäuschungen produziert.
Top-Tipp für 2026: L & G Gold Mining UCITS ETF
Goldminenaktien gehören zu den aussichtsreichsten Assetklassen für 2026. Denn den fulminanten Anstieg des Goldpreises haben sie nicht mitgemacht.
Trotz des rasanten Anstiegs der jüngsten Goldgewinne ist L & G-ETF-Analystin Elisa Piscopiello überzeugt, dass geopolitische Instabilität,
anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die starke Nachfrage der
Zentralbanken die langfristigen Perspektiven für Gold
und Goldminenaktien stützen dürften. In
der jüngsten Berichtssaison meldeten
Goldminenunternehmen zudem deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Im
Durchschnitt legten die Umsätze im Jahresvergleich um 44 Prozent zu, die Gewinne sogar um 86 Prozent –
getragen von den hohen Goldpreisen. Davon profitierte auch der L & G Gold Mining UCITS ETF.
Der Fonds investiert in Goldbergbauunternehmen, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit der Goldproduktion erzielen. Er
bildet den Global Gold Miners Index mit derzeit 36 Titeln
physisch nach. Zu den größten Positionen zählen Unternehmen wie Newmont, Agnico Eagle Mines, AngloGold
Ashanti, Gold Fields, Kinross Gold, Northern Star, Harmony Gold und Pan
American Silver. Rund 46 Prozent der Titel stammen aus
Kanada, und die zehn größten Titel zusammen erreichen eine Gewichtung von
72 Prozent.
Der Fonds
| Fondsname | L & G Gold Mining UCITS ETF |
| Fondsstart | 29.08.2008 |
| Fondskosten | 0,55 % |
| Fondsvolumen | 501,9 Mio. Euro |
| Wertzuwachs 5 Jahre | 154,3 % |
| ISIN | IE00B3CNHG25 |
Stand: 12.11.2025
Top-Tipp für 2026: Echiquier Artificial Intelligence
Der Fonds setzt auf globale Marktführer der KI-Revolution – von Cloud bis Software. Mit Fokus auf Wachstum und Qualität.
Die Fondsmanager Stéphane Nières Tavernier und Christophe Pouchoy verfolgen mit dem Echiquier Artificial Intelligence einen klaren Ansatz: Sie investieren in Unternehmen, die von der rasanten Verbreitung und Kommerzialisierung künstlicher Intelligenz (KI) profitieren. Nach der ersten Wachstumsphase – getragen von Cloud-Infrastruktur, Halbleiterherstellern und Rechenzentrumsanbietern – erlebt laut dem Duo der Softwaresektor derzeit die nächste Stufe der Monetarisierung. Mit der zunehmenden Integration von KI-Co-Piloten und KI-Agenten in Anwendungen beschleunige sich die Nutzung generativer KI. Schätzungen zufolge könnte der globale KI-Markt bis 2030 ein Volumen von 1,81 Billionen US-Dollar erreichen. Das Portfolio des Echiquier Artificial Intelligence ist mit 30 Titeln hoch konzentriert. Die Auswahl basiert auf Überzeugungen, nicht auf Indexgewichtungen. Ziel ist es, langfristig an der enormen Wertschöpfung der KI-Revolution teilzuhaben – mit einem Fokus auf nachhaltiges Wachstum und technologische Führerschaft. „Künstliche Intelligenz ist keine Modeerscheinung, sondern ein struktureller Wandel“, betont Tavernier.
Der Fonds
| Fondsname | Echiquier Artificial Intelligence |
| Fondsstart | 20.06.2018 |
| Fondskosten | 1,09 % |
| Fondsvolumen | 1,1 Mrd. Euro |
| Wertzuwachs 3 Jahre | 124,6 % |
| ISIN | LU 181 947 993 9 |
Stand: 12.11.2025
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