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Fonds versus Fonds: Robeco BP Global Premium Equities vs. MFS Meridian Contrarian Value

Konträre Weltsicht
Fondsporträts

In der Reihe „Fonds versus Fonds“ stellt der Maklerpool Fonds Finanz für TiAM FundResearch unterschiedliche Fonds der gleichen Kategorie gegenüber und analysiert deren Zukunftsaussichten. Diese Woche: Robeco BP Global Premium Equities versus MFS Meridian Contrarian Value

05.03.2026 | 16:00 Uhr von «Daniel Arndt»

Die heutige Investmentlandschaft ist von einer historischen Konzentration geprägt. In vielen Fondsportfolios dominieren immer dieselben US-Technologieunternehmen und gängige Investmentnarrative. Während die Top-10-Aktien im MSCI World Ende 2020 noch 16,7 Prozent ausmachten, sind es heute beeindruckende 25 Prozent. Hinzu kommt der ausgeprägte Fokus auf die Vereinigten Staaten, die mit über 70 Prozent im Industrieländerindex das Geschehen maßgeblich bestimmen. Parallel dazu setzen immer mehr Anleger auf passives Investieren und indexnahe Ansätze, während aktive Fonds massive Mittelabflüsse verzeichnen. Das führt zu einer wachsenden Abhängigkeit von wenigen Aktien und Themen. Passiv orientierte Investoren argumentieren, Konzentration sei ein Marktphänomen – doch sie ist ebenso eine Folge des passiven Investierens. Vanguard, der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, verweist auf eine Studie von Prof. Bessembinder: In 96 Jahren (1926-2022) brachten nur 3,5 Prozent der US-Aktien Mehrrendite gegenüber Anleihen, daher solle man möglichst breit streuen und jede Aktie halten. Aber ist dies angesichts der hohen Bewertungen wirklich rational?

Historisch lagen die besten Chancen oft dort, wo die Mehrheit nicht hinsah. Value-Investing und insbesondere die Spezialdisziplin des konträren Investierens setzen genau an diesem Punkt an: Beide Strategien suchen nach wenig beachteten und fundamental unterbewerteten Investments. Zwei Fonds, die diesen Ansatz auf ihre ganz eigene Weise erfolgreich verkörpern, sind der MFS Meridian Contrarian Value Fund und der Robeco BP Global Premium.

Robeco BP Global Premium Equities – Mehr als nur Value

Seit nahezu zwei Jahrzehnten verfolgt Christopher Hart mit seinem Boston Partners Team einen konsequent bewertungsorientierten Value‑Ansatz. Das Ziel: die besten Unternehmen weltweit zu identifizieren – unabhängig von Größe, Region oder Sektor. Im Robeco BP Global kommt daher ein All-Cap-Ansatz zum Tragen, sodass fast die Hälfte des Fonds aktuell in kleinen und mittelgroßen Firmen investiert ist (MSCI World: ca. 17 Prozent). Im Zentrum des Investmentansatzes stehen „Merkmale, die funktionieren“: Bewertung, fundamentale Daten und Momentum. Klassische Kennzahlen wie KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) und KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis) dienen als Ausgangspunkt. Entscheidend ist jedoch die tiefe Fundamentalanalyse, die Kapitalrentabilität, Margenentwicklung und insbesondere Geschäftsmomentum zusammenführt. Der Fonds vermeidet so Value-Traps und identifiziert günstige, aber zukunftsfähige Geschäftsmodelle – ein klarer Unterschied zum traditionellen Value-Investing nach Benjamin Graham.

Die breite Diversifikation des Fonds zeigt sich in über 120 Aktien, wobei Einzeltitel selten mehr als 3 Prozent gewichtet sind und die Top-10 zusammen lediglich 16 Prozent ausmachen. Die Wertentwicklung speist sich somit aus vielen sorgfältig ausgewählten Einzelentscheidungen – wie aktuell die Cement Roadstone Holding, BBVA oder AstraZeneca – statt aus wenigen Index-Schwergewichten oder Investmentthemen. Länderseitig ist Hart aktuell in den USA deutlich untergewichtet (< 40 Prozent); der US-Anteil lag jedoch in der Vergangenheit auch zeitweise auf Indexniveau (> 60 Prozent). Bei Technologietiteln (< 10 Prozent) hält er sich ebenfalls momentan zurück, da Bewertung und Free-Cash-Flows wenig attraktiv erscheinen. Finanzfirmen (27 Prozent) und Industriewerte (19 Prozent) sind dagegen gewichtig im Fonds vertreten.

Der fundamental-orientierte Ansatz zahlt sich eindrucksvoll aus: Ob gegenüber der Vergleichsgruppe oder der Value‑Benchmark, der Robeco-Fonds demonstriert eine robuste und wiederkehrende Outperformance. In 70 Prozent bzw. 62 Prozent aller rollierenden Ein-Jahres-Phasen übertraf er – inklusive Beratervergütung – die Peergroup bzw. den Index. Über die letzten fünf Jahre ließ er den MSCI World Index deutlich hinter sich. Wer auf der Suche nach echter Substanz, Qualität und Zukunftsfähigkeit abseits von Narrativen und Hypes ist, findet bei Chris Hart und seinem Global Premium Fonds ein aktiv verwaltetes globales Investment. Vergleichsweise günstige Kosten (1,46 Prozent p. a.), ein disziplinierter und transparenter Investmentprozess sowie eine konsequente Stiltreue sind Kriterien, auf die sich Anleger verlassen können. Dass der Fonds nur zu etwa 9 Prozent mit dem MSCI World übereinstimmt und im laufenden Jahr 2026 dabei knapp 4,5 Prozent vorn liegt, sollte Anleger nicht überraschen – denn der Wind an den Märkten hat bereits gedreht. Statt KI-Euphorie herrscht in vielen einst beliebten Wachstumssegmenten KI-Panik.

MFS Meridian Contrarian Value  – Mit Mut zur Veränderung

Vor über einem Jahrhundert legte MFS Investment Management den ersten Aktienfonds auf. Der MFS Meridian Global Contrarian Value Fund kann zwar noch nicht auf ein Jahrhundert Historie zurückblicken, verfolgt aber seit über sieben Jahren eine konsequent konträre Strategie: Portfoliomanagerin Anne-Christine Farstead und ihr Team setzen gezielt auf bis zu 50 sorgfältig ausgewählte Industrieländer-Aktien, darunter aktuell Campari-Milani, Deutsche Post AG oder Michelin. Der Fonds meidet bewusst die großen Technologieaktien wie die „Magnificent Seven“ und grenzt sich klar vom typischen Aktienfonds oder dem MSCI World Index ab: Drei Viertel der Aktien im MFS-Fonds sind im MSCI World vertreten, aber nur mit einem Gesamtgewicht von 1,6 Prozent. US-Aktien sind aktuell mit unter 25 Prozent deutlich untergewichtet (MSCI World: über 70 Prozent), während der Schwerpunkt in Europa (67 Prozent) einschließlich Großbritannien (22 Prozent) liegt.

Im Fokus stehen unterbewertete Titel, Restrukturierungskandidaten und Qualitätsunternehmen mit temporären Herausforderungen. Investiert wird bevorzugt, wenn die Marktstimmung besonders negativ und das Kurspotenzial entsprechend hoch ist. Die konträre Herangehensweise zahlt sich aus: Seit 2019 erzielte der Fonds im Durchschnitt 14,5 Prozent Rendite pro Jahr und lag damit 4,5 Prozentpunkte vor seiner Value-Benchmark. 2025 betrug der Vorsprung fast 12 Prozentpunkte. Über die letzten drei Jahre zählen Next, Spectris und Ryanair zu den stärksten Performancetreibern, wobei keine Aktie für mehr als 7 Prozent der Fondsperformance verantwortlich war. Im MSCI World waren hingegen NVIDIA, Alphabet und Apple allein für 27 Prozent der Gesamterträge ausschlaggebend.

Die höhere Volatilität des Fonds ist dabei kein Bug, sondern vielmehr ein Feature: Nur durch antizyklische Chancen lassen sich attraktive Erträge erzielen, gleichzeitig zeigt der Fonds schnellere und stärkere Erholungsphasen als Index oder Value-Wettbewerber. Aufgrund des gestiegenen Fondsvolumens auf drei Milliarden Euro befindet sich der Fonds im Softclose. Neuanleger, für die der Contrarian Value demnächst geschlossen werden sollte, können auf den Schwesterfonds „Contrarian Capital“ (LU2864445049) ausweichen, der etwa 30 Prozent höhere Gewichtungen in Standardwerten aufweist.

Zur Info: Alle Performancedaten zum 23.02.2026

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