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Update Iranschock und Finanzmärkte: Das sagen die Investmentprofis

US-Präsident Donald Trump
Krisen

Der Kriegsausbruch im Nahen Osten lässt Energiepreise steigen und Risikoaufschläge anziehen. Mehrere große Fondshäuser erklären, wie Anleihen, Aktien und Notenbanken darauf reagieren könnten. Jetzt mit neuen Experteneinschätzungen.

02.03.2026 | 11:45 Uhr von «Peter Gewalt»

Die jüngste Eskalation im Iran-Konflikt wirkt unmittelbar über den Ölpreis in die Finanzmärkte hinein. Adam Hetts, Global Head of Multi‑Asset bei Janus Henderson Investors, ordnet die ersten Bewegungen allerdings noch nicht als strukturell ein. Zwar seien die Preise gestiegen, doch handele es sich „eher [um] einen begrenzten, kurzlebigen Konflikt, als einen anhaltenden Energieschock“, sagt Hetts, der zugleich „Diversifizierung und langfristige Ausrichtung – kein Aktionismus“ empfiehlt. Solange die Notierungen in den bekannten Spannbreiten bleiben, überwögen kurzfristige Risikoaufschläge statt belastender Fundamentaleffekte. Erst dauerhaft dreistellige Preise könnten Inflations- und Zinsumfeld spürbar verschieben. Die geldpolitische Wirkung zeigt sich bislang vor allem in den Erwartungen. 

Quelle: Trading Ecomics

Doch die Unterscheidung zwischen kurzfristigem Stress und systemischem Risiko hängt an einem einzigen Nadelöhr. Für Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, ist die Frage nicht, ob Krieg herrscht, sondern „wie stark und wie lange Öl- und Gasflüsse durch die Straße von Hormus beeinträchtigt werden“. Täglich passieren rund 20 Millionen Barrel die Meerenge – fällt dieser Korridor aus, entsteht ein realwirtschaftlicher Angebotsengpass. „Ein temporärer Risikoaufschlag ist handhabbar; ein anhaltender Angebotsschock ist es nicht“, erklärt Walk und skizziert mögliche Pfade: ein Basisfall mit erhöhten, aber stabilen Preisen; ein mittleres Szenario mit Öl um 100 US‑Dollar und steigender Inflation; sowie ein Eskalationspfad, der mit Preisen über 120 US‑Dollar in eine Stagflationssequenz führen könnte. Für die Eurozone wäre bereits das mittlere Szenario ein deutlicher Wachstumsdämpfer.

Quelle. Trading Economics

Während Walk die realwirtschaftliche Seite betont, beschreibt Stephen Dover, Leiter des Franklin Templeton Institute, das Zusammenspiel von Risikoaufschlägen und Fundamentaldaten. „Die erste Reaktion ist eine Neubewertung der Risikoprämie – niedrigere Renditen von Staatsanleihen, schwächere Aktien, festeres Gold.“ Ob daraus mehr wird, hängt laut Dover davon ab, inwieweit Transport- und Logistikströme tatsächlich gestört werden. Die Straße von Hormus sei der „makroökonomische Schutzschalter“ – schon partielle Unterbrechungen könnten zu dauerhaft höheren Versicherungs- und Transportkosten führen. Dover warnt davor, zu früh auf Erholungen zu setzen: Märkte lernten zwar oft, dass geopolitische Schocks nur kurzfristig wirkten, doch sei die Mechanik bei Energie und Schifffahrt diesmal komplexer. Energie-, Versicherungs- und Verteidigungssektor hält er kurzfristig für begünstigt, Gold für den verlässlichsten Krisenpuffer.

Goldpreis in US-Dollar je Unze

Goldpreis  in US-Dollar
Goldpreis in US-Dollar

Quelle: Trading Ecomics

Die geldpolitische Wirkung zeigt sich bislang vor allem in den Erwartungen. Andrzej Szczepaniak, EZB‑Beobachter bei Nomura, stellt fest: „Die nominalen Zinssätze am kurzen Ende haben sich kaum verändert; wichtiger sind die Inflationserwartungen.“ Diese seien leicht gestiegen, doch nicht stark genug, um von einem nachhaltigen Preisschub auszugehen. Entscheidend werde, ob Öl- und Gasnotierungen nur kurzfristig reagieren oder länger hoch bleiben. Für die EZB bestehe deshalb „kein Anlass für rasche Gegenmaßnahmen“, zumal die Projektionen der Notenbank ohnehin eine Teuerungsrate unter dem anvisierten Inflationsziel im kommenden Jahr zeigen.

Neben Energie- und Zinskanal spielt die geopolitische Dimension eine eigene Rolle. Christian Schulz, Chefvolkswirt bei Allianz Global Investors, beschreibt die Lage nach den US‑ und israelischen Luftangriffen als „erheblichen, aber noch nicht destabilisierenden Schock“. Die Märkte verlangten „zumindest vorübergehend höhere Risikoprämien“, während sichere Anlagen profitieren dürften. Gleichzeitig erhöhe der Tod des iranischen Obersten Führers das Risiko eines Regimewechsels – eine Quelle zusätzlicher Unsicherheit, die Marktvolatilität begünstige. Schulz betont, dass selbst ohne vollständige Sperrung der Straße von Hormus schon begrenzte Störungen zu deutlichen Umschichtungen führen könnten. Beobachtet werden müssten vor allem die politische Dynamik im Iran, mögliche regionale Ausweitungen und internationale Reaktionen, insbesondere aus China und Russland.

Quelle: Trading Ecomics

Eine stärker marktorientierte Perspektive bringt Ulrich Urbahn ein, Leiter Portfoliomanagement Alternatives & Leiter Multi Asset Strategy & Research bei Berenberg. Er verweist darauf, dass Öl bereits vor den Angriffen auf 70–80 US‑Dollar geklettert sei – ein Anstieg von mehr als 20 Prozent seit Jahresbeginn. Historisch folgten auf geopolitische Spannungen häufig kurzfristige Preisspitzen und anschließende Korrekturen. Diesmal jedoch könne Hormus ein struktureller Wendepunkt werden. Ein geschlossenes oder dauerhaft gefährdetes Nadelöhr würde Brent laut Urbahn schnell dreistellig machen, was Aktien belasten und sichere Häfen stärken dürfte. Zugleich seien Staatsanleihen im Falle eines Inflationsschubs nicht automatisch Schutzinstrumente, während Gold traditionell stark performe. Höhere Energiepreise träfen besonders Europa: Ein 10‑prozentiger Ölpreisanstieg erhöhe die Inflation im Euroraum im Schnitt um 0,2 Prozentpunkte und schwäche das Wachstum

Auch die globalen Gasmärkte könnten stärker in Bewegung geraten, als es der erste Blick vermuten lässt. Zwar sei LNG nicht unmittelbar betroffen, heißt es in den Analysen, doch der Iran verknüpfe seine Reaktionen ausdrücklich mit „regionalem Widerstand“, und die Positionen Chinas und Russlands seien unklar. Damit steigen die Extremrisiken für Gaspreise – nicht als Basisszenario, aber als mögliche Reaktion auf weitere Eskalationsschritte.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die zunehmende Flucht in sichere Häfen. Gold, der Schweizer Franken und defensive Qualitätsaktien gelten als bevorzugte Rückzugsorte, während US‑Staatsanleihen aufgrund der unklaren Dollar‑Rolle weniger eindeutig profitieren könnten. Aktien dagegen könnten zwar heftig, aber nur kurzzeitig korrigieren – ein Muster, das frühere US‑Militäreinsätze ebenfalls gezeigt hätten. Entscheidend bleibe, ob die Energiepreise schnell zurückfallen oder ob sich die Risiken im Nahen Osten verfestigen.

Quelle: Trading Economics

Am Markt wird daneben auch die taktische Perspektive wichtiger. Andreas Wex und Alexander Krämer (Commerzbank) betonen, dass die Wirkung stark von der Dauer einer möglichen Hormus‑Schließung abhängt. In ihrem Basisszenario erwarten sie nur geringe konjunkturelle Einbußen und halten deshalb an einer konstruktiven Haltung mit Aktienübergewicht fest. Gold bleibe zentral, und ein höheres Engagement im Energiesektor wirke als kurzfristige Diversifikation, sollte die Blockade länger andauern.

Auch Daniel Kerbach von BayernInvest sieht zunächst ein klassisches Risk‑off‑Muster mit höherer Vorsicht und steigenden Fluchtwährungen. Eine Eskalation könnte bis zu ein Fünftel des globalen LNG‑Angebots beeinträchtigen, während OPEC+‑Ausweitungen den Schock teilweise dämpfen könnten. Kerbach betont, dass die Volatilität nur anhält, wenn der Nachrichtenfluss negativ bleibt – erste Signale aus Asien deuteten bereits auf eine mildernde Marktreaktion hin.

Ölpreis (Brent) in US-Dollar

Brent-Ölpreis 1 Woche
Brent-Ölpreis 1 Woche

Auch aus Sicht weiterer Häuser bleiben Energiemärkte und Konfliktdauer die entscheidenden Variablen. Reinhard Pfingsten, CIO der apoBank, betont, dass die Weltwirtschaft nur dann stärker belastet werde, wenn sich der Krieg über Monate ziehe und die Straße von Hormus tatsächlich länger blockiert bleibe. In einem kurzen Szenario seien die Auswirkungen moderat, während ein langes Ringen Inflation und Wachstum dämpfen könnte. Pfingsten hält daher an einer vorsichtigeren Allokation fest, bleibt in Aktien neutral gewichtet, favorisiert Schwellenländer und setzt weiterhin auf Gold als stabilisierenden Baustein.

Schließlich warnt Vincenzo Vedda, Global CIO, dass der Markt vor allem auf die Dynamik der Ölpreise reagieren werde. Rohstoffpreise dürften nach den Angriffen zunächst kräftig steigen, eine anschließende Erholung hänge jedoch vom Ausmaß der tatsächlichen Versorgungsstörungen ab. Gleichzeitig erwartet er eine klare Flucht in sichere Anlagen, während Risikoassets kurzfristig unter dem Anstieg der Risikoprämien leiden dürften.

DAX 1 Woche
DAX 1 Woche

Auch Naomi Fink, Chief Global Strategist bei Amova Asset Management, sieht eine nur scheinbare Beruhigung: Die Märkte hätten zunächst einen begrenzten Konflikt eingepreist, doch die Kombination aus steigenden Ölpreisen, höheren VIX‑Notierungen und globaler Unsicherheit könne jederzeit in neue Volatilität umschlagen. Auffällig sei zudem, dass der Yen trotz geopolitischer Spannungen kaum reagiert habe, was Fink auf wechselnde Zinserwartungen in Japan und strukturelle Faktoren zurückführt. Sie warnt davor, die potenziellen Folgewirkungen auf Risikoanlagen zu unterschätzen, da politische Unsicherheit erfahrungsgemäß mit Verzögerung in höhere Inflation münden könne.

Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG, wirft einen Blick auf die Immobilienmärkte: Die Eskalation im Nahen Osten ist ein akuter Stressfaktor für die Immobilienwirtschaft, auch in Deutschland. Schlagartig hat sich das Risiko für gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise und Inflationsraten erhöht. Die Immobilienbranche trifft das gleich doppelt: über höhere Zinsen bzw. Credit-Spreads in der Finanzierung sowie über steigende Betriebs- und Baukosten. Das bremst die ohnehin fragile Markterholung und verschärft die Selektivität: Cashflow-starke, energieeffiziente Objekte werden relativ robust bleiben, während Capex-intensive Bestände und refinanzierungsanfällige Portfolios stärker unter Druck geraten.“

Quelle: Trading Economics

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