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nleger können höhere Renditen erzielen, wenn sie sich gut beraten lassen.
Anlageberatung

Klares Renditeplus: Deshalb rechnet sich Finanzberatung für Anleger

Anleger, die sich professionell beraten lassen, erzielen messbar bessere Ergebnisse. Trotzdem verlieren viele Berater ihre Mandate wieder. Der Hauptgrund: Mangelnde Kundenkommunikation.

06.03.2026 | 14:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Eine 6,4 Prozent höhere Rendite. Diese Zahl sollte eigentlich in jedem Beratungsgespräch fallen. Denn sie stammt nicht von Lobbyisten aus den Reihen der Finanzvertriebe. Sie stammt von Anlegern selbst. Die Studie „Client Connect: The Vanguard Advice Survey 2026“ hat mehr als 1.000 beratene Anleger und 203 Finanzberater in Deutschland befragt. Das Ergebnis: Wer professionelle Beratung in Anspruch nimmt, geht davon aus, jährlich 6,4 Prozent mehr zu erzielen – gemessen nach Gebühren. Fast alle Befragten, nämlich 94,6 Prozent, attestieren ihrem Berater einen positiven Beitrag zum Portfoliowachstum. Das ist mehr als ein Imagewert. Es ist ein Geschäftsargument.

Unterschiedliche Studien, ähnliche Ergebnisse

Vanguard selbst forscht seit 25 Jahren zu diesem Thema. Das hauseigene Adviser’s Alpha-Modell kommt zu einem ähnlichen, wenn auch konservativeren Ergebnis: Berater, die die Empfehlungen des Frameworks umsetzen, können ihren Kunden bis zu drei Prozent netto pro Jahr an Mehrrendite verschaffen. Morningstar hat dieselbe Frage aus einem anderen Winkel beleuchtet. Das sogenannte Gamma-Konzept, entwickelt von David Blanchett und Paul Kaplan, quantifiziert den Wert kluger Finanzplanung für Ruhestandsanleger. Das Ergebnis: Strukturierte Finanzplanung erhöht das verfügbare Renteneinkommen um bis zu 29 Prozent – was einem jährlichen Renditeäquivalent von rund 1,82 Prozent entspricht. Morningstar stellt dabei fest: Dieser Wert übersteigt bereits die typischen Beratungsgebühren. Russell Investments wiederum kommt in seinen Untersuchungen auf einen Beratungsmehrwert von bis zu 3,75 Prozent jährlich.

Bemerkenswert: Die Studien stammen aus unterschiedlichen Häusern, verwenden unterschiedliche Methoden – und landen doch alle beim selben Ergebnis: Beratung zahlt sich aus.

Gutes Anleger-Coaching einer der wichtigen Rendite-Faktoren

Die Untersuchungen der verschiedenen Institute gehen auch der Frage auf den Grund, woher der Mehrwert von Beratungen konkret herkommt: Nicht aus der Titelauswahl. Nicht aus Market Timing-Empfehlungen. Sondern ganz systematisch: günstigere Produktkosten, diszipliniertes Rebalancing, steuereffiziente Anlagestruktur und – vielleicht am wichtigsten – verhaltensorientiertes Coaching. Allein letzteres trägt laut Vanguard bis zu 150 Basispunkte pro Jahr bei. Denn der entscheidende Faktor für erfolgreiche Kapitalanlage ist offensichtlich Verhaltensdisziplin. Die Vanguard-Studie zeigt: 72,8 Prozent der Anleger schätzen es besonders, wenn ihr Berater ihnen hilft, nicht auf jede Marktbewegung zu reagieren. 61,9 Prozent begrüßen Unterstützung dabei, der Renditejagd zu widerstehen. 

Die Kosten emotionaler Fehlentscheidungen sind enorm. Anleger selbst schätzen, dass ihr Berater ihnen durchschnittliche jährliche Verluste von 10,8 Prozent erspart hat. Berater gehen sogar von 17,2 Prozent pro Jahr aus – bezogen auf die vergangenen drei Jahre. Turbulente Marktphasen verstärken den Effekt. Wer 2022 beim Einbruch verkauft hat, hat die Erholung verpasst. Wer 2020 während des Coronacrashs ausgestiegen ist, verbrachte einen der schnellsten Anstiege der Börsengeschichte am Seitenrand. Ein guter Berater ist in solchen Momenten das Gegengewicht zum emotionalen Reflex. „Behavioural Coaching wird häufig unterschätzt – dabei ist es in turbulenten Marktphasen oft der entscheidende Faktor, um langfristig erfolgreich investiert zu bleiben“, erklärt Sebastian Lewis, Senior Specialist im Vanguard Advisory Research Centre und Co-Autor der Vanguard-Studie. 

Wer bei der Finanzberatung spart, spart am falschen Ende

Wer ohne Berater investiert, spart zwar Kosten, landet jedoch statistisch häufig in den falschen Produkten. Die Deutsche Bundesbank hat die reale Gesamtrendite des Geldvermögens privater Haushalte in Deutschland im dritten Quartal 2025 ausgewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die vermögensärmere Hälfte der Bevölkerung erzielte eine negative Rendite. Diese Haushalte halten ihr Geldvermögen fast ausschließlich in Einlagen und Versicherungsansprüchen – risikoarm, aber real wertvernichtend. Die vermögendere Hälfte hingegen profitierte von Aktien und Investmentfonds, die maßgeblich zur Steigerung der Realrendite beitrugen. Professionelle Finanzberatung schließt genau diese Lücke. Sie lenkt Kapital aus dem Sparbuch in renditestarke Anlagen und hält Anleger auch in schwierigen Phasen investiert.

Vertrauen sichert das Mandat

Trotz überzeugender Zahlen zur Renditensteigerung durch Beratung verlassen viele Kunden ihre Berater wieder. Die Gründe liegen in der Kommunikation. Laut der Vanguard-Studie enden 67 Prozent aller Berater-Kunden-Beziehungen aus persönlichen oder servicebezogenen Gründen. Nur 26,1 Prozent enden wegen der Portfolioperformance. Der häufigste Kündigungsgrund: Der Berater hat die Beziehung vernachlässigt. Kunden, die sich nicht gesehen fühlen, wechseln. Nicht zwingend zur besseren Rendite – sondern zum besseren Gespräch. Berater unterschätzen also offensichtlich die Wünsche der Kunden nach persönlichem Austausch: Laut Studie würden 54,5 Prozent der Anleger ihren Berater gern häufiger als einmal pro Jahr persönlich treffen. Berater erfüllen diesen Wunsch laut eigener Aussage nur in 46,3 Prozent der Fälle. Diese Lücke kostet Mandate. 

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Vanguard-Studie: 92 Prozent der deutschen Anleger halten Vertrauen für einen entscheidenden Faktor ihrer Zufriedenheit. Vertrauen entsteht laut Umfrage weniger in digitalen Formaten als im persönlichen Gespräch. Das ist eine klare Botschaft an alle, die ihre Beratung zunehmend digitalisieren. 

Nachfolgeplanung: Das nächste Geschäftsfeld

Die Vanguard-Studie weist auf einen weiteren blinden Fleck hin. Partner werden laut Beratern nur in 31 Prozent der Fälle in die Finanzplanung einbezogen. Kinder sogar nur in 8 Prozent. Dabei ist Vermögenstransfer einer der kritischsten Momente im Beratungszyklus. Anleger wünschen sich zudem, dass Gespräche über Nachfolge und Familienplanung früher geführt werden. Berater zögern. Hier liegt – abseits der Rendite – ein konkretes Differenzierungsmerkmal für die Praxis. Die Studie zeigt: Berater sollten die Familie frühzeitig einbinden, um das Mandat nach dem Erbfall nicht zu verlieren. Wer sie früh einbindet, baut die nächste Beratergeneration auf. 

Fazit: Beratung ist kein Kostenfaktor – sie ist Rendite

Studien wie zuletzt von Vanguard, Morningstar oder Russell Investments zeigen: Professionelle Finanzberatung trägt messbar zur Rendite bei. Der wahrgenommene Mehrwert übertrifft in den Studien für den deutschen Markt sogar die ohnehin schon positiven internationalen Benchmarks. Für Finanzberater und Vermögensverwalter ist das jedoch kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Die Zahlen zeigen auch, wo Potenzial ungenutzt bleibt: häufigere Kontaktpunkte, frühere Gespräche über Nachfolge, klareres Behavioral Coaching in volatilen Phasen. Kunden bezahlen nicht für Performance-Versprechen. Sie bezahlen für Sicherheit, Orientierung und jemanden, der in entscheidenden Momenten da ist. Berater, die das verstehen, sichern nicht nur die Rendite ihrer Kunden – sondern auch das eigene Einkommen.

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