Langfristiger Anlageerfolg entsteht nicht durch Timing, sondern durch Disziplin und Qualität. BlackPoint-Fondsmanager Alexander Pirpamer erklärt im Interview, warum robuste Geschäftsmodelle, intelligente Diversifikation und eine stärkere Ausrichtung auf die Realwirtschaft aktuell entscheidend sind
22.06.2026 | 14:00 Uhr von «Wilhelm Nordhaus»
TiAM: Herr Pirpamer, wie würden Sie Ihren Investmentansatz in einem Satz beschreiben?
Pirpamer: Unser Leitmotiv lautet: „Die Kraft von Zeit und Qualität – jenseits des Lärms der Märkte.“ Wir sind überzeugt, dass ein langfristiger Anlageerfolg weniger aus Timing-Entscheidungen resultiert, sondern aus einem disziplinierten, qualitativ ausgerichteten Investmentprozess. Wer versucht, Wendepunkte präzise zu antizipieren, läuft Gefahr, durch Fehlallokationen dauerhaft Rendite zu verlieren. Unser Fokus liegt daher auf robusten Strategien, die über Marktzyklen hinweg konsistent Mehrwert generieren.
TiAM: Wie setzen Sie dieses Qualitätsverständnis konkret in ihrem Fonds um?
Pirpamer: Wir investieren gezielt in Unternehmen mit nachhaltig hohen Kapitalrenditen, resilienten Geschäftsmodellen und klarer Kapitalallokationsdisziplin. Entscheidend ist für uns nicht kurzfristiges Wachstum, sondern die Fähigkeit, über den Zyklus hinweg ökonomischen Mehrwert zu schaffen. Qualität zeigt sich insbesondere in der Stabilität von Cashflows, der Preissetzungsmacht und einer effizienten Verwendung des eingesetzten Kapitals. Der BlackPoint Evolution Fund verankert diesen Ansatz konsequent im Portfolio – mit dem Ziel, langfristig überdurchschnittliche risikoadjustierte Renditen zu erzielen.
TiAM: Was verstehen Sie unter moderner Diversifikation – und welche Rolle spielt sie konkret in der Strategie des BlackPoint Evolution Fund?
Pirpamer: Diversifikation ist für uns weit mehr als eine klassische Streuung über Regionen oder Sektoren. Wir verfolgen ein mehrdimensionales Konzept: Auf der ersten Ebene kombinieren wir liquide Kernanlagen mit bewusst gewählten, weniger korrelierten Bausteinen. Auf der zweiten Ebene nutzen wir innerhalb einzelner Anlageklassen gezielt Opportunitäten – etwa im Anleihebereich durch die flexible Beimischung von High Yield, Nachrang- oder Schwellenländeranleihen. Die dritte Ebene ist struktureller Natur: Mittels Clusteranalysen, beispielsweise durch Dendrogramme, identifizieren wir fundamentale Ähnlichkeiten zwischen Unternehmen und vermeiden dadurch versteckte Klumpenrisiken. Ziel ist ein Portfolio, das nicht nur breit, sondern vor allem intelligent diversifiziert ist.
TiAM: In den vergangenen Jahren konnte der BlackPoint Evolution Fund sowohl absolut als auch relativ überzeugen. Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie derzeit in der Vermögensallokation Ihres Portfolios?
Pirpamer: Die strategische Asset-Allokation definiert unseren langfristigen Rahmen, während die taktische Allokation gezielt Anpassungen an veränderte Marktbedingungen ermöglicht. Nach einer Phase außergewöhnlich starker Performance – sowohl absolut als auch relativ (s. Grafik unten) – sehen wir uns aktuell mit einem veränderten Marktregime konfrontiert und beobachten eine strukturelle Verschiebung: Kapital beginnt sich von der stark bewerteten, überwiegend digitalen beziehungsweise „virtuellen“ Ökonomie hin zu stärker substanzgetriebenen Bereichen der realen Wirtschaft zu verlagern. Diese Entwicklung verlangt eine differenzierte und aktive Steuerung der Allokation.
TiAM: Und das bedeutet?
Pirpamer: Wir justieren unsere taktische Allokation derzeit ganz bewusst in Richtung der realwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Konkret heißt das: Wir reduzieren schrittweise Übergewichtungen in klassischen Dienstleistungssegmenten – insbesondere in Teilen des Technologie- und Telekommunikationssektors, wo Bewertungen und Margenerwartungen zunehmend ambitioniert erscheinen. Gleichzeitig bauen wir gezielt Engagements in Bereichen auf, die stärker von physischen Investitionszyklen profitieren – etwa Industrie, Infrastruktur, ausgewählte Rohstoffsegmente oder energiebezogene Wertschöpfung. Diese Sektoren bieten aus unserer Sicht nicht nur deutlich attraktivere Bewertungsniveaus, sondern auch eine höhere Sensitivität gegenüber realwirtschaftlicher Nachfrage, fiskalischen Impulsen und strukturellen Trends wie Reindustrialisierung oder geopolitisch motivierten Lieferkettenanpassungen.
TiAM: Das heißt also, dass Technologie bei Ihnen nun keine so große Rolle mehr spielt?
Pirpamer: Kurz gesagt, wir verschieben den Schwerpunkt von „Asset-light“ hin zu „Asset-backed“. Dabei geht es nicht um eine Abkehr von Technologie, sondern um eine ausgewogenere Balance – zugunsten von Geschäftsmodellen, deren Wertschöpfung stärker an reale Kapitalbindung, Produktionskapazitäten und physische Nachfrage gekoppelt ist. Diese Rotation verstehen wir als taktische Antwort auf ein sich veränderndes makroökonomisches Regime.

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