Seit Monaten gewinnt der Goldpreis kräftig hinzu. In unserer sechsteiligen Serie gehen wir der Frage nach, inwieweit das gelbe Edelmetall vor dem Beginn einer Neubewertung steht. Teil 6: Was verändert Gold strukturell im Gesamtportfolio – und wie viel davon ist sinnvoll?
23.02.2026 | 14:00 Uhr von «Tim Bröning»
Nach fünf Folgen Analyse von Geldsystem, Goldpreis und Minenökonomie endet diese Serie dort, wo sie für Anleger am wichtigsten ist - im Portfolio. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Gold steigt oder fällt. Sie lautet: Was verändert Gold strukturell im Gesamtportfolio – und wie viel davon ist sinnvoll?
Die empirische Basis ist klar. Studien des World Gold Council zeigen in wiederholten Portfoliooptimierungen, dass eine Beimischung von Gold im Bereich von etwa 2 bis 10 Prozent – abhängig vom Risikoprofil – die Effizienz eines Multi-Asset-Portfolios verbessert.
Besonders eindrucksvoll ist die in der Grafik unten dargestellte 20-Jahres-Analyse (31.12.2005–31.12.2025). Bereits eine 5-prozentige Goldbeimischung führte zu

Gold steigert also die Stabilität und verbessert das Verhältnis von Risiko zu Ertrag. Das ist der Kern der strategischen Argumentation.Gold muss nicht wie in den letzten Monaten outperformen. Es genügt, wenn es das Gesamtrisiko effizienter „organisiert“.
Effizienz statt Emotion
Die Effizienzmarktlinie visualisiert genau diesen Effekt. Mit Gold verschiebt sich die Kurve nach oben. Für dasselbe Risiko ist mehr Rendite möglich – oder für dieselbe Rendite weniger Schwankung.

Das World Gold Council betont diesen Punkt seit Jahren in seinen strategischen Allokationsstudien. Auch Analysen von S&P Dow Jones Indices bestätigen, dass Gold in Stressphasen anders reagiert als klassische Risikoassets.
Es geht nicht um kurzfristige Korrelationen, sondern um Regimeverhalten. Gold wirkt normalerweise nicht permanent spektakulär, so wie in den letzten Monaten. Es wirkt in der Regel dann, wenn andere Segmente strukturell unter Druck geraten.
Die Grafik unten zeigt die Entwicklung von Gold und Aktien in ausgewählten Stressphasen. Während der Finanzkrise 2007–2009 verlor der S&P 500 z.B. rund 54 Prozent. Gold legte im selben Zeitraum etwa 26 Prozent zu. In der Dotcom-Krise zeigte sich ein ähnliches Muster. Auch 2020 stabilisierte Gold das Portfolio nach der ersten Liquiditätsphase.

Gold ist kein perfekter Hedge für jede Woche. Aber es ist ein systemischer Hedge gegen Vertrauens- und Liquiditätskrisen. Genau deshalb verbessert es langfristig die Struktur des Gesamtportfolios.
Ein besonders wichtiger Gedanke wird häufig missverstanden. Wenn Studien zeigen, dass offensivere Portfolios tendenziell höhere Goldquoten vertragen – etwa im Bereich von 8 bis 12 Prozent – bedeutet das nicht, dass Gold riskanter wäre. Im Gegenteil.
Ein Anleger mit hoher Aktienquote, starken Wachstumswerten oder konzentrierten Positionen trägt strukturell mehr Marktrisiko. Ein höherer Goldanteil dient hier als Gegenpol. Er gleicht das spekulativere Grundgerüst aus.
Je spekulativer der Kern, desto wichtiger wird der stabilisierende Anker. Gold ist dabei nicht der aggressive Baustein – sondern die strukturelle Balance.
Der durchschnittliche Goldanteil in institutionellen Portfolios liegt häufig im Bereich von nur 1 bis 3 Prozent. Eine etwas ältere Auswertung zeigt, dass dieser Anteil Ende 2022 nur etwa 1 Prozent betrug. Experten schätzen diesen Anteil heute nicht viel höher ein. Angesichts steigender Staatsverschuldung, expansiver Geldpolitik und geopolitischer Unsicherheit ist das bemerkenswert niedrig. Der strukturelle Spielraum für höhere Allokationen ist vorhanden. Bereits moderate Umschichtungen können relevante Kapitalströme auslösen.

Goldminen erfüllen eine andere Funktion als physisches Gold. Sie sind Unternehmen. Ihre Erträge hängen von Margen, Kosten, Managementqualität und Kapitaldisziplin ab. Ihre Volatilität ist deutlich höher. Gerade deshalb passen sie in Portfolios, deren Anleger bewusst risikoreicher investieren. Wer ohnehin wachstumsorientiert oder zyklisch unterwegs ist, kann Goldproduzenten als Cashflow-Hebel nutzen.
Die Rollenverteilung ist entscheidend: Gold stabilisiert. Goldminen hebeln.
Eine sinnvolle Struktur könnte so aussehen:
Konservativ
Ausgewogen
Offensiv
Wird der Minenanteil zu groß, dominiert wieder das Aktienrisiko – und der Diversifikationseffekt geht verloren. Die oben dargestellte Effizienzkurve zeigt klar: Gold allein verschiebt die Kurve strukturell nach oben. Minen erhöhen das Renditepotenzial, aber auch die Schwankung.
Gold ist kein Ersatz für Aktien. Kein Allheilmittel. Kein Spekulationsobjekt. Es ist ein Strukturbaustein. Die Daten zeigen: geringere Drawdowns, bessere Sharpe Ratios, effizientere Risiko-Rendite-Profile und eine Stabilisierung in monetären Stressregimen
Goldminen sind die unternehmerische Verlängerung dieses Gedankens – mit höherem Risiko und höherem Potenzial. Und damit schließt sich der Kreis dieser Serie:
Gold folgt eigenen Gesetzen. Am Anfang dieser Serie war es der stille Maßstab des Geldsystems. Am Ende ist es der stabile Maßstab im Portfolio – nicht als Spekulation, sondern als strategisches Fundament.
Hier lesen Sie den ersten Teil der TiAM FundResearch-Serie: „Gold auf Rekordkurs: Was das Edelmetall so wertvoll macht“
Hier lesen Sie den zweiten Teil der TiAM FundResearch-Serie: „Gold auf Rekordkurs: Welche Faktoren den Preis wirklich treiben"
Zum Autor: Tim Bröning ist Diplom-Ökonom und Betriebswirt und bereits seit über 30 Jahren an der Börse und im Finanzmarkt aktiv. Er arbeitete viele Jahre bei der Siemens AG sowohl im Energiebereich als auch für den Zentralvorstand in der Strategie- sowie M&A-Abteilung, wo er sich früh mit Marktanalysen, strategischer Ausrichtung und Unternehmensbewertung beschäftigte. Die letzten 15 Jahre war er ausschließlich in hohen Führungspositionen im Finanzdienstleistermarkt tätig, wo er sich u.a. auf makroökonomische Fragestellungen, die Fondsanalyse und die Fondsauswahl fokussierte. Ein besonderer Fokus gilt seit Jahren dem Rohstoffmarkt. Tim Bröning ist heute selbstständig. Mehr unter www.broening-investment.de.
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