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Gold auf Rekordkurs: Was das Edelmetall so wertvoll macht

Gold steht wieder im Fokus der Investoren
Gold

Seit Monaten gewinnt der Goldpreis kräftig hinzu. In unserer sechsteiligen Serie gehen wir der Frage nach, inwieweit das gelbe Edelmetall vor dem Beginn einer Neubewertung steht. Teil 1: Gold folgt eigenen Gesetzen – welche Faktoren die Goldnotierung treiben und was Gold von Silber unterscheidet

19.01.2026 | 14:00 Uhr von «Tim Bröning»

Gold war nie ein gewöhnlicher Rohstoff

Gold hat in den vergangenen Jahren Preisregionen erreicht, die lange Zeit als kaum vorstellbar galten. Der bis vor zwei Jahren scheinbar unüberwindbare Widerstand von etwa 2.000 USD wurde nicht nur überwunden, sondern mit heute 4.500 USD deutlich hinter sich gelassen. Gleichzeitig wächst die Verunsicherung – selbst bei erfahrenen Marktteilnehmern: Ist das noch fundamental erklärbar? Oder sehen wir eine Übertreibung?

Goldpreis in US-Dollar je Unze:

Goldpreis in $
Goldpreis in $

Quelle: Trading Economics

Diese Anlegerserie nähert sich dem Thema Gold bewusst nicht über kurzfristige Kursziele oder Prognosen. Sie setzt früher an. Denn bevor man über Notenbanken, Geldpolitik, Goldmineninvestments oder Portfolios spricht, lohnt sich ein Schritt zurück. Was ist Gold ökonomisch überhaupt – und was ist es nicht?

Der Einstieg beginnt deshalb mit einer Unterscheidung, die banal klingt, aber weitreichende Folgen hat: Gold war nie ein gewöhnlicher Rohstoff. Und genau darin liegt der Schlüssel zum Verständnis seiner Preisentwicklung.

Zwei Metalle, zwei ökonomische Welten

Gold und Silber werden häufig in einem Atemzug genannt. Beide sind Edelmetalle, beide haben eine lange monetäre Geschichte. Doch ökonomisch funktionieren sie grundlegend verschieden.

Silber ist heute vor allem ein industrieller Werkstoff. Es wird in Elektronik, Photovoltaik, Medizintechnik und zahlreichen technischen Anwendungen eingesetzt. Ein Teil wird recycelt, vieles aber verschwindet dauerhaft in Produkten. Hinzu kommt: Ein großer Teil der Silberförderung entsteht als Nebenprodukt anderer Metalle. Das Angebot reagiert damit vergleichsweise stark auf Konjunktur- und Investitionszyklen. (siehe auch https://www.fundresearch.de/silber/silber-anpfiff-zur-zweiten-halbzeit.php)

Gold folgt einer ganz anderen Logik. Es wird kaum verbraucht. Es rostet nicht, altert nicht und verliert seine Substanz nicht. Was einmal gefördert wurde, bleibt – in Form von Barren, Münzen, Schmuck oder in Tresoren. Gold ist damit kein Verbrauchswert, sondern ein Bestandswert.

Diese Unterscheidung ist zentral. Denn sie erklärt, warum Angebot, Nachfrage und Preisbildung bei Gold anders funktionieren als bei fast allen anderen Rohstoffen.

Alles Gold der Welt

Wie überschaubar dieser Bestand tatsächlich ist, lässt sich eindrucksvoll visualisieren. Nach Daten des World Gold Council wurden bis Ende 2024 weltweit rund 216.000 Tonnen Gold gefördert. Würde man alles jemals geförderte Gold einschmelzen und zu einem einzigen Würfel formen, hätte dieser eine Kantenlänge von etwa 22 Metern.

Das Bild irritiert. Jahrtausende von Bergbau, Goldrausch und Währungsgeschichte lassen andere Dimensionen erwarten und nicht einen Würfel von der Größe eines kleineren Bürogebäudes. Gerade diese Begrenztheit erklärt, warum Gold seit Jahrtausenden als Wertmaßstab funktioniert.

Jährlich kommen durch die Minenförderung etwa 3.500 bis 3.700 Tonnen hinzu. Bezogen auf den bestehenden Bestand entspricht das einem Wachstum von lediglich rund 1,5 bis 1,7 Prozent pro Jahr. Dieses Wachstum ist bemerkenswert stabil – unabhängig davon, ob der Goldpreis steigt oder fällt.

Gold: Förderrmengen und Einsatz

Goldförderung historisch
Goldförderung historisch

Warum Gold anders bepreist wird

Aus dieser Struktur folgt eine entscheidende Konsequenz. Der Goldpreis wird nicht primär durch das laufende Angebot bestimmt.

Bei Rohstoffen wie Öl, Kupfer oder Silber können Angebotsengpässe oder Überproduktionen den Preis kurzfristig stark bewegen. Bei Gold ist der jährliche Zufluss schlicht zu klein, um den bestehenden Bestand spürbar zu verändern. Selbst deutliche Veränderungen in der Förderung wirken nur marginal.

Der Goldpreis reagiert daher weniger auf Produktionszahlen als auf Bewertungen:
Wie attraktiv ist Geld im Vergleich zu einem knappen, nicht beliebig vermehrbaren Gut?
Wie hoch ist das Vertrauen in Währungen, Staatsfinanzen und Finanzsysteme?

Gold verhält sich damit weniger wie ein klassischer Rohstoff – und eher wie ein monetärer Spiegel.

Goldpreis und Gelemengenwachstum:

Goldpreisentwicklung
Goldpreisentwicklung

Gold misst Kaufkraft

Gold wird nicht gekauft, um konsumiert zu werden. Es wird gekauft, um Kaufkraft zu bewahren. Was abstrakt klingt, lässt sich erstaunlich gut veranschaulichen.

Historische Quellen zeigen, dass sich mit einer Unze Gold bereits vor über zweitausend Jahren mehrere hundert Laibe Brot kaufen ließen. Und auch heute reicht eine Unze Gold aus, um eine vergleichbare Menge Brot zu erwerben. Die Preise gemessen in Münzen, Scheinen oder digitalen Zahlen haben sich über die Jahrhunderte vervielfacht. Der reale Tauschwert von Gold hingegen nicht. Ähnliches gilt für Kleidung oder einfache Gebrauchsgegenstände. Hier gibt es zahlreiche Darstellungen von Mass Bier auf der Wies‘n oder Kleinwagen heute und vor 50 Jahren. Gold schwankt kurzfristig, teilweise erheblich. Über lange Zeiträume jedoch bleibt seine reale Kaufkraft erstaunlich konstant.

Der Grund ist nicht mystisch, sondern strukturell: Die Goldmenge wächst langsam und berechenbar. Fiat-Geldmengen wachsen deutlich schneller – insbesondere in Phasen hoher Verschuldung und politischer Interventionen. Gold misst damit weniger seinen eigenen Wert als den Wertverlust des Geldes, in dem es notiert wird.

Was bleibt – und warum die nächste Frage unausweichlich ist

In dieser ersten Folge geht es nicht um Kursziele oder Timing, sondern um ein strukturelles Verständnis:

  • Gold ist kein gewöhnlicher Rohstoff.
  • Fast alles Gold, das je gefördert wurde, existiert noch.
  • Das Angebot wächst langsam und berechenbar.
  • Gold wird strukturell gekauft, um Kaufkraft zu erhalten.

Damit ist das Fundament gelegt. Doch eine entscheidende Frage bleibt offen:

Wenn Gold ein monetärer Bestandswert ist – wer bestimmt dann eigentlich seinen Preis?

Genau dieser Frage widmet sich Folge 2 am kommenden Montag (26.1.2026), in der wir uns mit Geldmengen, Realzinsen, Währungen und der Rolle der Notenbanken beschäftigen – also mit jenen Kräften, die den Goldpreis tatsächlich bewegen.


Zum Autor: Tim Bröning ist Diplom-Ökonom und Betriebswirt und bereits seit über 30 Jahren an der Börse und im Finanzmarkt aktiv. Er arbeitete viele Jahre bei der Siemens AG sowohl im Energiebereich als auch für den Zentralvorstand in der Strategie- sowie M&A-Abteilung, wo er sich früh mit Marktanalysen, strategischer Ausrichtung und Unternehmensbewertung beschäftigte. Die letzten 15 Jahre war er ausschließlich in hohen Führungspositionen im Finanzdienstleistermarkt tätig, wo er sich u.a. auf makroökonomische Fragestellungen, die Fondsanalyse und die Fondsauswahl fokussierte. Ein besonderer Fokus gilt seit Jahren dem Rohstoffmarkt. Tim Bröning ist heute selbstständig. Mehr unter www.broening-investment.de.

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