In der Reihe „Fonds versus Fonds“ stellt der Maklerpool Fonds Finanz für TiAM FundResearch zwei unterschiedliche Fonds der gleichen Kategorie gegenüber und analysiert deren Zukunftsaussichten. Diese Woche: VanEck Space Innovators ETF versus Echiquier Space.
24.06.2026 | 10:00 Uhr von «Daniel Arndt»
„Der Weltraum, unendliche Weiten." Seit den 1960ern begeistern Raumschiff Enterprise und später Star Wars Millionen Menschen. Heute aber spielt der Weltraum nicht mehr nur in der Unterhaltungsbranche, sondern zunehmend am Kapitalmarkt eine Rolle. Seit dem zweiten Halbjahr 2024 haben Investoren „Space" für sich entdeckt: einen Sektor, der künftig mehr als dreimal so schnell wachsen soll wie die Weltwirtschaft. Einer der wenigen Space-Indizes, der MarketVector Space Industry, schlug den Weltaktienmarkt über drei Jahre um über 30 Prozentpunkte pro Jahr, den Tech-Index noch um 17 Prozentpunkte.
Aus einem reinen Wissenschaftsfeld ist ein zentraler Treiber für globale Kommunikation, nationale Sicherheit und Echtzeit-Erdbeobachtung geworden. Seinen vorläufigen Höhepunkt fand der Enthusiasmus im größten Börsengang der Geschichte: Am 12. Juni 2026 ging Elon Musks SpaceX an die Börse. 75 Milliarden US-Dollar Emissionsvolumen erzielte SpaceX auf einer Bewertung von 1,8 Billionen US-Dollar. Kein anderes Unternehmen hat je mehr eingesammelt. Ihren ersten Tag an der Nasdaq verweilte SpaceX sogar auf einer 2,2 Billionen US-Dollar-Bewertung. Die Nasdaq hat ihre Aufnahmekriterien eigens für SpaceX gelockert, was den Weg frei für eine Aufnahme in die ETFs auf den Nasdaq-100 macht. Um von S&P Global in ihren Indizes, in denen über 13 Billionen US-Dollar angelegt sind, aufgenommen zu werden, muss SpaceX dagegen noch mindestens ein Jahr warten.
Doch die Weltraumökonomie ist mehr als SpaceX und soll von aktuell 600 Mrd. US-Dollar auf 1,8 Billionen US-Dollar im Jahr 2035 wachsen. Über 1.600 Firmen tummeln sich inzwischen im Markt – auch wenn nur ein Bruchteil börsennotiert und damit für Privatanleger investierbar ist. Die größten Umsatztreiber sind heute Navigation, Satellitenkommunikation, Klimaüberwachung und Verteidigung. Die Bewertung bleibt heikel: Viele Unternehmen erzielen zwar erste Umsätze, aber noch Verluste statt Gewinne.
Der eigentliche Sog kommt von einem Zukunftsversprechen, wie es kaum ein anderer Wirtschaftsbereich so verkörpert. Die Verbindung von Künstlicher Intelligenz mit Robotik, autonomen Systemen und moderner Raketentechnik lässt erstmals erahnen, was bislang nur Jules Verne zu denken wagte: Weltraumbergbau und -tourismus, interplanetare Kolonien, interstellare Reisen. Was gestern utopisch klang, klingt heute lediglich ambitioniert. Der KI-Hype liefert die nächste Vision gleich mit: Rechenzentren im Orbit – versorgt mit direkter Sonneneinstrahlung, ohne Baugenehmigung oder Anwohnerproteste. Dadurch entsteht ein neuer Infrastrukturmarkt, an dem kein Investor vorbeikommen wird.
Die zwei ältesten und größten Produkte ermöglichen Anlegern den gezielten Einstieg, mit fundamental unterschiedlichen Ansätzen. Der VanEck Space Innovators ist die Wahl für Anleger, die maximale Partizipation am Space-Boom suchen und hohe Volatilität aushalten. Der Echiquier Space eignet sich für Investoren, die das Thema breiter und risikokontrollierter spielen wollen. Beide Fonds zusammen ergeben, wie die Zahlen zeigen, mehr als die Summe ihrer Teile.
In einem noch jungen und produktseitig überschaubaren Segment gehört der VanEck Space Innovators (ISIN: IE000YU9K6K2) bereits zu den Topstars. Der im Juni 2022 aufgelegte, thesaurierende ETF verwaltet über zwei Mrd. Euro und ist damit das mit Abstand beliebteste Raumfahrt-Investmentvehikel Europas – 46 Prozent aller Mittelzuflüsse im Segment vereinte er über zwei Jahre auf sich. Das hat seinen Grund: +47 Prozent pro Jahr seit Auflage und nie dagewesene zwischenzeitliche +243 Prozent über zwölf Monate zogen allein im Mai über 500 Millionen Euro an frischem Kapital an.
Der ETF bildet den MarketVector Global Space Index ab und bietet Zugang zur globalen Raumfahrtindustrie über 25 Aktien, die einen signifikanten Umsatzanteil im Space-Sektor aufweisen müssen. Die Kernthesen für einen strukturellen Trend: sinkende Startkosten durch wiederverwertbare Raketen, steigende Nachfrage nach Satellitendaten und Internet aus dem Orbit sowie zunehmende private und staatliche Investitionen.
Dieser spitze Themen-ETF ist – zumindest derzeit – klar auf Wachstum ausgerichtet. Das Portfolio besteht aus 25 Titel, aktuell u. a. Rocket Lab, Viasat und Planet Labs, mit einem durchschnittlichen KGV von 44. Da derzeit nur zwei Titel profitabel sind, macht das den ETF zum Highflyer in narrativgetriebenen Marktphasen, aber auch zu einem sehr volatilen Investment in Ernüchterungsphasen. Die dominierende Heimat der Aktien ist wenig überraschend die USA mit rund 67 Prozent. Immerhin 40 Prozent der Umsätze werden jedoch außerhalb der Vereinigten Staaten erwirtschaftet. Beim Echiquier-Fonds sind es mit 42 Prozent nur unwesentlich mehr. Da die Titel auf maximal 8 Prozent begrenzt und vierteljährlich rebalanciert werden, hält sich die Kopflastigkeit für eine Themen-ETF noch in Grenzen: 60 Prozent entfallen auf die zehn größten Positionen.
Nach dem Mega-IPO wird SpaceX seinen Weg in den ETF frühestens zum September-Review-Termin finden, dann auch mit dem Maximalgewicht von acht Prozent. Ob der weltweit größte Space-Konzern tatsächlich im größten Space-ETF landet, hängt unter anderem von der Nachhaltigkeits-Einschätzung der Ratingagentur ISS ESG ab. Da der Index vor allem kontroverse Umsätze und Schusswaffen ausschließt, sollte SpaceX ab Herbst im ETF vertreten sein.
Wer mit diesem Themen-ETF fliegen möchte, sollte sich gut anschnallen. Die Volatilität gehört zu den höchsten 0,5 Prozent im gesamten Fondsmarkt – im Großen und Ganzen sind nur Krypto-Fonds riskanter. Wenngleich die Sharpe Ratio über drei Jahre ebenfalls zu den besten ein Prozent zählt, ist dies dem sechst-höchsten Wertzuwachs aller Fonds von 300 Prozent geschuldet. Mit laufenden Kosten von 0,55 Prozent bleibt der ETF dabei deutlich günstiger als aktiv gemanagte Alternativen im Segment.
Der VanEck Space Innovators ist der Raketenstart des Segments: maximaler Schub und nichts für Anleger, die einen ruhigen Ritt suchen. Gerade weil die Mehrheit der Investments heute noch unprofitabel ist, wird der ETF immer wieder die G-Kräfte der Finanzmärkte zu spüren bekommen. Geht die Vision eines Elon Musk jedoch auf, stehen diesem ETF galaktische Möglichkeiten bevor; auch weil VanEck zu den erfahrensten thematischen ETF-Managern zählt.
Der aktiv verwaltete Echiquier Space von La Financière de l'Echiquier (ISIN: LU2466448532) ist der älteste Raumfahrt-Aktienfonds in Deutschland, aber mit 600 Millionen uro kleiner als der ETF. 2021 in Frankreich aufgelegt und 2022 nach Luxemburg überführt, versteht er Raumfahrt als Ökosystem, weit über Raketen hinaus. Das Portfolio reicht von Unternehmen im Orbit (25 Prozent) über Raketenbauer (10 Prozent) und Zuliefertechnologien (20 Prozent) bis zu Firmen, die Raumfahrtdaten auf der Erde nutzen (45 Prozent). Diese breite Interpretation macht den Fonds vergleichsweise risikoärmer. 35 Titel, Top 10 bei rund 50 Prozent Gewicht, größte Positionen: Intuitive Machines und Rocket Lab mit je 7 Prozent.
Eine Besonderheit ist die gezielte Integration des Verteidigungssektors als Wachstumstreiber und Diversifikator. Zu den größten Positionen zählen hier L3Harris Technologies und RTX – Profiteure steigender globaler Rüstungsbudgets.
Seit 2022 erzielte die Space-Defense-Kombination +237 Prozent bzw. rund 42 Prozent pro Jahr. Dennoch musste sich der Fonds dem spitzeren VanEck Space Innovators ETF mit rund 57 Prozent pro Jahr deutlich geschlagen geben. Die geringere Performance ist dabei weniger Bug als Feature: Der thesaurierende Fonds investiert ausschließlich in profitable Unternehmen, weist ein Beta von nur 0,4 zum Space-Index auf, und der maximale Verlust lag 25 Prozent unter der Benchmark. Risikoadjustiert überzeugt er mit einer Sharpe Ratio von 2,0 gegenüber 1,46 beim ETF. In rund 50 Prozent aller rollierenden Ein‑Jahres-Zeiträume hätten Anleger sogar eine höhere Performance als mit dem ETF erzielt, auch wenn der Fonds mit dem steilen ETF-Anstieg der letzten 16 Monate nicht mithalten konnte.
Spannend ist das Zusammenspiel beider Vehikel im Portfolio: Eine jährlich rebalancierte Fonds-ETF-Mischung brachte nur zehn Prozent bzw. fünf Prozentpunkte weniger Rendite pro Jahr, aber eine bessere Sharpe Ratio bei 20 Prozent geringerer Schwankung. Die Überschneidung mit dem VanEck ETF liegt bei gut 50 Prozent, der Defense-Anteil liegt jedoch doppelt so hoch wie beim ETF. Ein Beleg für die enge Verzahnung beider Sektoren. Die Kosten inklusive Beratervergütung von 1,84 Prozent liegen über ETF-Niveau, aber im Rahmen aktiver Fonds. Dafür erhält man einen wandelbaren, risikokontrollierten Zugang zur Space-Ökonomie. Seit 2024 managt ein dreiköpfiges Team den Fonds, das auch den Echiquier AI sowie Global Tech verantwortet und damit das gesamte Tech-Spektrum abdeckt. Ob Platzhirsch SpaceX ins Portfolio kommt, hängt weniger von der IPO-Zuteilung als von der Bewertung des mit dem über 90-fachen des Umsatzes gepreisten Unternehmens ab.
Der Echiquier Space ist kein Highspeed-Raketenstart, sondern ein stabiler Orbitalflug. Weniger spektakulär, dafür mit geringeren Turbulenzen und breiterer Abdeckung des Space-Defense-Universums.
Alle Performancedaten zum 12.06.2026.
Diesen Beitrag teilen: