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Systematisch gegen den Mainstream

Jeffrey D. Morrison
Aktienfonds

Der MFS Blended Research European Equity Fund setzt auf die Kombination aus Fundamentalanalyse, Quant-Modellen und KI-Unterstützung – und erzielt damit seit Jahren eine stabile Outperformance gegenüber dem MSCI Europe. Warum der Fonds trotz benchmarknaher Strategie zu den interessantesten europäischen Aktienfonds zählt.

01.05.2026 | 11:44 Uhr von «Jörn Kränicke»

Fondsmanager

Jeffrey D. Morrison ist Investment Officer und quantitativer institutioneller Portfolio Manager bei MFS Investment Management. Er ist Teil des Teams, das dort insbesondere die Blended-Research-Strategien wie den MFS Meridian Blended Research European Equity Fund verantwortet. Der Fonds, wie weitere Blended Research Strategien, verbindet quantitative Modelle mit fundamentaler Analyse. Zudem ist er Co-Portfoliomanager der kanadischen Balanced-Portfolios von MFS. Morrison arbeitet mit George Fontaine, ebenfalls ein quantitativer institutioneller Portfoliomanager, sowie Jed Stocks, der leitende Portfoliomanager des Fonds und weiteren vier Co-Portfoliomanagern zusammen.

Morrison ist bereits 20 Jahre bei MFS

Morrison kam 2006 als Portfolio Manager für institutionelle Kunden zu MFS und wechselte 2007 zum Blended-Research-Team. Von 2012 bis 2016 verwaltete er kanadische Portfolios, bevor er 2017 zum Blended-Research-Team zurückkehrte. Vor seinem Wechsel zu MFS war er acht Jahre bei Franklin Templeton Investments tätig, darunter bei Bissett Investment Management. Weitere Stationen führten ihn zu Mulvihill Capital Management als US-Aktienanalyst und Portfoliomanager sowie zu CT Investment Counsel, wo er als Kapitalmarktanalyst sowie im Anleihe- und Geldmarkthandel tätig war.

Strategie

In einer Zeit geopolitischer Spannungen, hartnäckiger Inflation und zunehmender Marktrotation setzen viele aktive Fondsmanager wieder auf ihre Kernbotschaft: Alpha durch Stockpicking. Doch nur wenige Häuser versuchen dabei, klassische Fundamentalanalyse und quantitative Modelle so konsequent miteinander zu verbinden wie es MFS Investment Management beim MFS Meridian Funds – Blended Research European Equity Fund umsetzt.

Der Fonds verfolgt einen besonderen Ansatz: ein systematisches Aktienportfolio, gespeist aus zwei unabhängigen Welten – klassischer Fundamentalanalyse und datengetriebener Quantanalyse. Das Ziel: „differenziertes Alpha“ bei gleichzeitig kontrolliertem Risiko.

Zwei Welten, ein Score

Die Grundidee hinter dem Fonds ist schnell erklärt: Fundamentale Analysten bewerten europäische Unternehmen qualitativ – etwa hinsichtlich Geschäftsmodell, Profitabilität oder langfristiger Wettbewerbsvorteile. Parallel analysieren quantitative Modelle Faktoren wie Bewertung, Momentum, Qualität und Sentiment. Beide Signale werden kombiniert und fließen in eine Punktzahl ein, um einen gemeinsamen ausgewogenen „Blended-Research-Score“ zu bilden. Der Portfolio Manager nutzt diesen Score, um attraktive Chancen im gesamten Anlageuniversum zu identifizieren, wobei Aktien mit höheren Scores besonders bevorzugt werden.

Damit versucht MFS, die jeweiligen Schwächen der beiden Ansätze auszugleichen. Während Fundamentalanalyse häufig unter subjektiven Verzerrungen und begrenzter Skalierbarkeit leidet, arbeiten quantitative Modelle dagegen konsistent, transparent und skalierbar – laufen jedoch Gefahr, Scheinkorrelationen zu folgen oder strukturelle Brüche zu übersehen. Die These von MFS für die Blended Research Strategien lautet deshalb: Erst die Kombination beider Methoden schafft einen robusteren Investmentprozess für ihren risikobereinigten Ansatz.

Europäische Aktien – aber mit engem Risikokorsett

Bemerkenswert ist dabei weniger die Aktienauswahl des Fondsmanagement-Teams als die Art der Portfoliokonstruktion. Der Fonds ist kein „High-Conviction“-Produkt, sondern bleibt bewusst benchmarknah. Der erwartete Tracking Error liegt bei lediglich rund zwei Prozent, das Beta bei etwa eins. Einzelwerte und Sektoren dürfen typischerweise nur um maximal zwei Prozentpunkte von der Benchmark abweichen. Praktisch sind es eher plus/minus 1,5 Prozent gegenüber der Benchmark. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das europäische Standardwerte gezielt über- oder untergewichtet. Große Benchmarktitel wie ASML, Roche oder Novartis bleiben selbst bei negativer Einschätzung meist im Portfolio vertreten – allerdings mit reduzierter Gewichtung. „Wenn ASML beispielsweise vier Prozent der Benchmark ausmacht und beide Teams ASML sehr mögen, dann halten wir etwa 5,5 Prozent in der Aktie. Wenn beide Teams ASML nicht mögen, liegen wir vielleicht bei 2,5 Prozent. Wir sind also sehr diszipliniert im Hinblick auf die Gewichtung relativ zur Benchmark, weil wir nicht wollen, dass einzelne Schwergewichte das Portfolio zu stark dominieren.“, verdeutlicht Morrison.

KI als Werkzeug – nicht als Ersatz

Die MFS Blended Research Strategien integrieren inzwischen künstliche Intelligenz in den Investmentprozess. KI-gestützte Systeme analysieren interne fundamentale Notizen, vergleichen Sprachmuster historischer Einschätzungen und übersetzen diese in Signale, um die Fundamentaldaten einzelner Aktien besser einzuschätzen. Zudem laufen Forschungsprojekte mit GPT-gestützten Analysen und maschinellem Lernen, was sowohl das quantitative als auch das fundamentale Research unterstützen soll. Damit bewegt sich MFS in einem Bereich, den viele Asset Manager derzeit erst vorsichtig testen. Das MFS Blended Research Team führt Forschungsprojekte durch, um herauszufinden, wie KI effizienter in den Prozessen eingesetzt werden können. „Ich denke, wir stehen da noch ganz am Anfang. Im Moment hat das noch keinen großen Einfluss auf unseren Prozess“, so Morrison. Daher geht er auch nicht davon aus, dass KI in absehbarer Zeit das Ruder komplett übernimmt. „Ich denke, bis zu einem gewissen Grad braucht man menschliches Urteilsvermögen. Natürlich entwickeln sich Modelle sehr schnell, deshalb wird es sicherlich Einsatzmöglichkeiten für KI-Modelle geben. Aber aus unserer Sicht erwarten wir nicht, dass sie Fondsmanager vollständig ersetzen werden.“ Das entspricht auch der Grundphilosophie von MFS: Technologie soll menschliche Analyse ergänzen – nicht ersetzen.

Portfolio & Performance

Der Fonds unterscheidet sich damit sowohl von klassischen Quant-Portfolios mit hunderten Positionen als auch von konzentrierten Stockpicker-Strategien. Typischerweise hält der Fonds zwischen 60 und 100 Aktien (aktuell 85 Titel) und weist einen vergleichsweise moderaten jährlichen Turnover von rund 45 bis 65 Prozent auf. Die Sektorgewichtungen orientieren sich klar an der Benchmark. Sie weichen zwischen +0,7 und -0,9 Prozentpunkten vom MSCI Europe Index ab, wobei die Abweichung vom Referenzindex nicht mehr als zwei Prozent betragen darf. Bei den Ländergewichtungen ist der Fonds hingegen aktiver positioniert, aber trotzdem risiko-adjustiert. „Aktuell sind wir zum Beispiel in der Schweiz, Finnland und Dänemark eher untergewichtet. Aber das ist keine Top-down-Meinung zu diesen Ländern. Das ergibt sich aus unserem Bottom-up-Prozess. Dort, wo wir Überschneidungen zwischen unseren Fundamental- und Quant-Signalen sehen, neigen wir dazu, diese Aktien höher zu gewichten. Wo es wenig Überschneidungen gibt, sind wir eher untergewichtet. Momentan sind wir beispielsweise in Schweden und Finnland leicht untergewichtet. Zurzeit sehen wir etwas bessere Chancen in Frankreich, Großbritannien und Irland – aber die Unterschiede bei den Exposures sind insgesamt eher gering“, erklärt Morrison. Frankreich ist mit 3,3 Prozent übergewichtet und Dänemark mit 2,3 Prozent untergewichtet. Die fundamentalen Kennzahlen wie KGV, KBV, Gewinnwachstum oder Dividendenrendite sind denen des MSCI Europe sehr ähnlich.

Trotz niedrigem Active Share hohe Outperformance

Auch der Active Share ist mit 60 Prozent nicht sehr hoch, was deutlich unter rein fundamentalen Ansätzen liegt. Der Fonds erzielt die Outperformance daher vor allem durch die Übergewichtung aussichtsreicher Indexschwergewichte und das Untergewichten bzw. das Vermeiden von Underperformern. Deutlich übergewichtet waren zuletzt hingegen Titel wie ASML, Novartis, Roche, Total, BAT oder auch Rio Tinto. So haben Morrison und das Team auf 10-Jahressicht den MSCI Europe um etwa zwei Prozentpunkte pro Jahr outperformt. Überzeugend ist auch die Tatsache, dass der Fonds in der Vergangenheit in Markaufschwüngen sich stets besser als der Index entwickelt und in fallenden Märkten weniger verloren hat als der MSCI Europe.

Fazit

Der MFS Blended Research European Equity Fund ist ein verlässlicher Outperformer, bei dem die Manager keine großen Risiken zur Benchmark eingehen. Daher ist er ein gutes Basisinvestment. Die Strategie passt in ein Marktumfeld, das aktiven Managern wieder stärker entgegenkommen könnte. Nach Jahren ultralockerer Geldpolitik und stark korrelierter Märkte sorgen geopolitische Risiken, höhere Zinsen und zunehmende Unterschiede zwischen Unternehmen wieder für größere Streuungen bei Bewertungen und Renditen.

Fondsdaten

Fondsname MFS Blended Research European Equity Fund
Assetklasse: Aktien Europa
Fondsvolumen 915,3 Mio. Euro
TER: 1,45%
Perf. Fee keine
WKN: A1JCY5
ISIN: LU0648597655
Auflagedatum: 22.08.2011
Perf. laufendes Jahr 5,40%
1 Jahr 18,40%
3 Jahre 48,80%
Vola 3 Jahre 10,30%
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