Zwei Fondsspezialisten haben sich unter neuem Namen zusammengeschlossen: Irivest vereint den erfolgreichen Momentum-getriebenen Aktienansatz von Chahine Capital mit der bewährten Wandelanleihen-Strategie von DYNASTY AM.
23.06.2026 | 13:30 Uhr von «Matthias von Arnim»
Irivest ist ein Name, an den man sich in der Branche erst noch gewöhnen muss – trotz der Erfahrung und der Bekanntheit der verantwortlichen Personen. Die junge Fondsboutique ist aus der Zusammenführung zweier Fondsgesellschaften entstanden, die bereits seit vielen Jahren unter dem Dach der IRIS Finance International erfolgreich am Markt präsent sind: Chahine Capital, ein Pionier der quantitativen Momentum-Aktienanlage in Europa, entwickelt seit fast dreißig Jahren konsequent systematische Strategien mit disziplinierten, regelbasierten Investmentprozessen. DYNASTY Asset Management wiederum wurde 2014 gegründet, mit Fokus auf das Thema Wandelanleihen. TiAM hat die alte junge Fondsboutique in Luxemburg besucht. Irivest-CEO Charles Lacroix, Andreas Schneeberger, zuständig für den Vertrieb in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz, sowie Fondsmanager Aymar de Léotoing lüften in dem exklusiven Gespräch die Geheimnisse der beiden Strategien – und erklären, welche Pläne Irivest nun hat.
„Die Aktienstrategie von Irivest basiert auf einem quantitativen Momentum-Ansatz, der sich in einem wichtigen Punkt von anderen Modellen im Markt unterscheidet: Bereits vor vielen Jahren haben wir Künstliche Intelligenz in den Investmentprozess integriert“, erklärt Irivest-CEO Charles Lacroix. „Das war ein Early-Mover-Vorteil", so der Irivest-Chef. Die selbst entwickelte KI sei tief eingebunden in die Prozesse. So kombiniere das Modell klassische Momentum-Signale mit KI-generierten Scores, um aus einem Universum von rund 1.500 europäischen Aktien die vielversprechendsten zu selektieren. Dabei setze Irivest auf Modelle, die für ihre Robustheit und geringe Fehlerquote bekannt seien.
„Das ist kein Black Box-Ansatz", ergänzt Portfoliomanager Aymar de Léotoing, der den Prozess der Chahine-Fonds verantwortet. „Das Modell baut auf bewährten Datenmethoden auf und ergänzt diese um eine maschinelle Intelligenz, die frei von emotionalen Verzerrungen und Home-Bias agiert“, so de Léotoing. Das zahle sich aus: In den vergangenen 27 Jahren habe die Momentum-Strategie eine jährliche Outperformance von mehr als vier Prozent erzielt. Basis für den Erfolg sei jedoch nicht, dass die Quant-Modelle grundsätzlich die richtige Aktienauswahl träfen, sondern dass die Software weniger erfolgreiche Investments konsequent aus dem Depot werfe. „Rund 60 Prozent der ausgewählten Aktien erweisen sich als keine gute Entscheidung. Aber es sind die Gewinntrades der übrigen 40 Prozent, die die Performance maßgeblich treiben“, so de Léotoing. Deshalb sei es so wichtig, dass ein Algorithmus frei von Emotionen harte Verkaufsentscheidungen treffen könne. „Die Maschine hat uns in manchen kritischen Marktphasen sehr überrascht. Am Ende hat sich dann aber herausgestellt, wie richtig diese Entscheidungen waren“, erklärt der erfahrene Portfoliomanager, der mit seinen Kollegen die Modelle ständig weiterentwickelt.
Die jüngsten Entwicklungen würden bald auch in einem neuen Fonds eingesetzt werden, dem „Shane Equity Europe", der als flexible Aktienstrategie den Investmentprozess um einen makroökonomischen Momentum-Indikator ergänzt. Ziel sei es, prozyklische und antizyklische Marktphasen besser zu erkennen und das Risiko-Rendite-Profil noch einmal zu verbessern, so de Léotoing.
Die zweite Säule von Irivest ist die Wandelanleihen-Strategie. Die auch Convertible Bonds genannten Instrumente gelten in der Anlagelandschaft als anspruchsvoll. Sie erfordern tiefes Verständnis sowohl für Anleihe- als auch für Aktienmärkte. Genau das ist die Stärke der bisher von DYNASTY verantworteten Fonds. Deren Senior-Portfoliomanager Cristina Jarrin und Mikael Dauvert sowie Junior Portfoliomanager Romain Mizrahi selektieren aus einem etwa 300 Titel umfassenden Universum 50 bis 60 Wandelanleihen – eine handverlesene Auswahl mit Pfiff: „Wir kombinieren sehr defensive und sehr offensive Wandelanleihen, um ein Profil zu erreichen, das sich von einer klassischen 50/50-Aktien-Anleihen-Allokation deutlich unterscheidet“, erklärt Charles Lacroix. Das Ziel sei ein Delta von rund 40 Prozent – also eine moderate Sensitivität gegenüber Aktienkursbewegungen, die weder zu konservativ noch zu aggressiv sei.
Zum Vergleich: Viele klassische Aktien-Anleihe-Portfolios weisen ein Delta von 70 bis 80 Prozent auf. Das heißt, sie verhalten sich so wie ein Mischportfolio, dass zu 70 oder 80 Prozent aus Aktien besteht – was unterm Strich ein höheres Risiko bedeutet, als es bei den Irivest Convertible-Fonds der Fall ist.
Nachhaltig aus Überzeugung ESG-Integration wird bei Irivest großgeschrieben. Zum einen aus innerer Überzeugung heraus, aber auch, um das Portfolio zu stabilisieren. Die Fondsboutique arbeitet mit Sustainalytics und dem Anbieter RedRisk zusammen, um Nachhaltigkeitsrisiken systematisch zu überwachen. Insbesondere RedRisk hat sich dabei als besonders kompatibel mit dem Momentum-Ansatz erwiesen: Das System identifiziert Unternehmen mit Reputationsrisiken frühzeitig – und schützt so das Portfolio vor Titeln, die kurz vor negativen ESG-Ereignissen stehen.
Im Juli werden 20 der insgesamt 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihr neues Büro in Luxemburg umgezogen sein. Die Key Account-Manager aus dem Vertrieb bleiben an ihren Standorten in Europa tätig wie bisher. Damit bleibt Irivest eine Boutique mit bewusst überschaubarer Größe. „In einem kleinen Team trifft man Entscheidungen schneller und kommuniziert besser", sagt Charles Lacroix, der früher für große, internationale Unternehmen gearbeitet hat. „Die spontane Abstimmung, der kurze Draht, das gemeinsame Feilen an einer Idee ist wesentlich effektiver, wenn man sich nicht über viele Managementebenen hinweg abstimmen muss“, so Lacroix.
Wenn Irivest endgültig in das neue Büro an der Avenue de la Liberté umgezogen sein wird, soll sich nicht nur die Adresse ändern, sondern auch die Perspektive: Die Kundschaft beider Häuser rekrutiert sich bisher ausschließlich aus den Reihen großer Banken und Versicherer. Unter dem neuen Dach will das Unternehmen nun weitere Kundengruppen erschließen. „Irivest möchte jetzt auch in Richtung Vermögensverwalter und Finanzvermittler wachsen – Zielgruppen, bei denen das Haus noch vergleichsweise unbekannt ist", sagt Andreas Schneeberger, der früher auch selbst Portfoliomanager war. Seine Kunden profitieren von seiner Erfahrung und seinem direkten Draht zum Fondsmanagement in Luxemburg. Sein Ziel für die kommenden Monate hat er klar vor Augen. „Die Produkte sind bereits über Banken, Broker-Plattformen und andere Distributionspartner zugänglich. Jetzt möchten wir kleinere und wachsende Investorengruppen von unseren Strategien überzeugen“, so Schneeberger. Läuft es nach Plan, wird man sich an den Namen Irivest in der Branche bald gewöhnt haben.
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