Marktkorrekturen kündigen sich in aller Regel nicht frühzeitig an. Ein Blick auf die Entwicklung der Wertpapierkredite in den USA zeigt jedoch ein Muster, das Anlegern bekannt vorkommen dürfte: Sie hat ein Niveau erreicht, das vor Dotcom-Blase und Finanzkrise zu beobachten war. Dr. Thomas Neukirch erklärt, was der Indikator aussagt und warum er ein Warnsignal ist – aber kein Grund zur Panik.
15.06.2026 | 12:15 Uhr
Der Leiter Strategische Asset Allokation und Hedgefonds beim Family Office HQ Trust hat für die vergangenen 30 Jahre untersucht, ob und wie stark die Kreditaufnahme auf Wertpapiere US-amerikanischer Anleger mit großen Börsenkorrekturen zusammenhängt. Als Maßstab nutzt Dr. Thomas Neukirch den Verschuldungsgrad: das Verhältnis des Volumens aller Kredite auf Wertpapier-Marginkonten zur Geldmenge M2 in den USA. Der Verschuldungsgrad gibt damit an, wie stark die Wertpapierkäufe im Verhältnis zur verfügbaren Geldmenge kreditfinanziert sind.
· „Die größten drei Drawdowns des S&P 500 innerhalb der letzten 30 Jahre liegen im Bereich -25 Prozent bis unter -50 Prozent.“
· „Diesen Drawdowns gingen jeweils Phasen voraus, in denen die Wertpapierkreditaufnahme im Verhältnis zur verfügbaren Geldmenge erheblich angestiegen war.“
· „Interessant ist, dass vor Beginn der Aktienmarktkorrekturen jeweils schon ein Rückgang des Verschuldungsgrades eingesetzt hatte.“

Wo wir aktuell stehen – und was das für Investoren bedeutet
· „Aktuell befinden wir uns in einer Phase, die vom Verschuldungsgrad nur mit der Dotcom-Blase sowie der Zeit vor der Finanzkrise zu vergleichen ist.“
· „Dies bedeutet jedoch nicht, dass nun zwangsläufig eine Korrektur größeren Ausmaßes eintreten muss. Vielmehr deutet es darauf hin, dass im Falle einer Korrektur diese vermutlich größer ausfallen wird.
· „Die aktuelle Hausse wird zu einem Großteil von Tech- und KI-Werten getragen. Solange dort die Gewinnentwicklungsdynamik intakt bleibt, kann dies auch den gesamten Aktienmarkt weiterhin stützen.“
· „Aufgrund des erhöhten Risikos ist HQ Trust aktuell in Aktien untergewichtet und fährt innerhalb der Aktien eine Untergewichtung Nordamerika relativ zur Benchmark." (pg)
Diesen Beitrag teilen: