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Trinity-Studie: Die 4-Prozent-Regel für den Ruhestand

Die Trinity-Studie liefert Erkenntnisse darüber, wieviel Geld man ohne Kapitalverzehr aus dem Portfolio entnehmen kann.
Altersvorsorge

Wie viel Geld kann man im Ruhestand jährlich aus seinem Portfolio entnehmen, ohne das Vermögen aufzubrauchen? Eine bekannte Finanzstudie liefert darauf eine überraschend einfache Antwort.

18.03.2026 | 15:00 Uhr

Der Übergang in den Ruhestand stellt viele Anleger vor eine zentrale Frage: Wie lässt sich Vermögen nutzen, ohne dass es irgendwann vollständig aufgebraucht ist? Während in der Ansparphase Kursschwankungen oft gelassen gesehen werden können, verändert sich die Perspektive im Ruhestand deutlich.

Marko Behring, Bereichsleiter Asset Management bei der Fürst Fugger Privatbank, beschreibt im Podcast „Finance Talk“, dass sich die Logik der Geldanlage in dieser Phase umkehrt. In der Sparphase könnten Rücksetzer an den Märkten sogar hilfreich sein, weil Anleger günstiger nachkaufen können. In der Entnahmephase hingegen werde Rendite unmittelbar zur Lebensqualität, während Volatilität vor allem Unsicherheit bedeute. „Performance bleibt wichtig, aber in der Entnahmephase geht es vor allem um Struktur und Planbarkeit“, erklärt Behring.

Die Trinity-Studie: Die 4-Prozent-Regel für den Ruhestand

Eine häufig zitierte wissenschaftliche Grundlage für Entnahmestrategien ist die sogenannte Trinity-Studie der Trinity University in Texas. Die Untersuchung analysiert historische Kapitalmarktdaten und beantwortet eine zentrale Frage: Wie viel Geld kann ein Anleger jährlich entnehmen, ohne dass das Depot nach 30 Jahren leer ist?

Der Studie zufolge können Anleger jährlich rund vier Prozent ihres ursprünglichen Vermögens entnehmen, ohne dass das Kapital innerhalb von 30 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit vollständig aufgebraucht wird.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit hängt allerdings stark von der Portfoliozusammensetzung ab. Bei einer Aktienquote von 75 Prozent lag die Wahrscheinlichkeit, dass nach 30 Jahren noch Vermögen vorhanden war, bei 98 Prozent. Bei einer Aktienquote von 50 Prozent betrug sie immer noch 95 Prozent. Damit zeigt die Analyse, dass Aktien auch im Ruhestand eine wichtige Rolle spielen können.

Rechenbeispiel: Entnahmen aus einem Millionenportfolio

Wie diese Regel praktisch funktioniert, lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen. Wer mit einem Startvermögen von 1 Million Euro in den Ruhestand geht und im ersten Jahr vier Prozent entnimmt, würde 40.000 Euro erhalten. Über einen Zeitraum von 30 Jahren summieren sich diese Entnahmen auf 1,2 Millionen Euro.

Bemerkenswert ist das Ergebnis der historischen Simulation: Im Median wäre das ursprüngliche Vermögen trotz der regelmäßigen Entnahmen sogar auf rund 8 Millionen Euro angewachsen.

Auch bei kleineren Vermögen lässt sich die Logik übertragen:

  • 500.000 Euro Startvermögen → etwa 20.000 Euro Entnahme pro Jahr
  • 250.000 Euro Startvermögen → etwa 10.000 Euro Entnahme pro Jahr

Warum zu viele Anleihen problematisch sein können

Eine verbreitete Annahme lautet, dass ein besonders defensives Portfolio im Ruhestand sicherer sei. Die Ergebnisse der Trinity-Studie sprechen jedoch teilweise dagegen.

Ein reines Rentenportfolio hätte historisch eine deutlich geringere Erfolgswahrscheinlichkeit aufgewiesen. Wenn Anleger daraus jährlich vier Prozent entnommen hätten, wäre laut Studie nur in etwa 20 Prozent der Fälle nach 30 Jahren noch Vermögen vorhanden gewesen. In 80 Prozent der Fälle wäre das Kapital vollständig aufgebraucht gewesen.

Ideal ist eine Aktienquote von 50 bis 75 Prozent

Die höchsten Erfolgswahrscheinlichkeiten ergaben sich dagegen bei einer Aktienquote zwischen 50 und 75 Prozent. In diesem Bereich – oft als „Sweet Spot“ bezeichnet – sei die Balance zwischen Wachstum und Stabilität am günstigsten.

Funktioniert die 4-Prozent-Regel auch in Deutschland?

Nach Einschätzung von Marko Behring lassen sich die Grundprinzipien der Trinity-Studie grundsätzlich auch auf europäische oder deutsche Verhältnisse übertragen.

In der Beratung werde allerdings ein zusätzlicher Sicherheitspuffer berücksichtigt. Die Fürst Fugger Privatbank empfehle deshalb eine jährliche Entnahmerate zwischen drei und 3,5 Prozent des ursprünglichen Vermögens.

Mit diesem Korridor hätte ein Portfolio historisch selbst unter Berücksichtigung der Abgeltungssteuer über einen Zeitraum von 30 Jahren eine vollständige Erfolgswahrscheinlichkeit erreicht.

Ein Beispiel: Bei einem Startvermögen von 1 Million Euro, einer Aktienquote von 75 Prozent und einer jährlichen Entnahme von 3,5 Prozent hätte das Vermögen nach 30 Jahren im Median noch etwa 3 Millionen Euro betragen.

Das größte Risiko im Ruhestand: die Reihenfolge der Renditen

Eine zentrale Herausforderung für Anleger in der Entnahmephase ist das sogenannte Sequenzrisiko.

Dabei geht es um die Reihenfolge der Renditen. Während in der Ansparphase schwächere Jahre relativ unproblematisch sind, können negative Marktphasen zu Beginn der Entnahmephase gravierende Auswirkungen haben.

Fallen die Märkte direkt nach Renteneintritt deutlich, wirkt sich dies doppelt aus: Das Portfolio verliert durch Kursrückgänge an Wert, während gleichzeitig Kapital entnommen wird.

Verlaufen dagegen die ersten drei bis fünf Jahre positiv, wird das Portfolio deutlich stabiler. Behring beschreibt solche Depots dann als „sehr robust, fast unzerstörbar“.

Fazit: Nachhaltige Entnahmen brauchen Struktur

Die Analyse der Trinity-Studie zeigt, dass Anleger auch im Ruhestand weiterhin auf eine ausgewogene Aktienquote setzen sollten. Historisch ließ sich bei einer Aktienquote zwischen 50 und 75 Prozent über einen Zeitraum von 30 Jahren jährlich etwa drei bis vier Prozent des ursprünglichen Vermögens entnehmen, ohne dass das Kapital vollständig aufgebraucht wurde. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Rendite, sondern vor allem die Struktur des Portfolios.

Um mögliche Marktverluste zu Beginn des Ruhestands abzufedern, sollten Anleger ausreichend Liquiditätsreserven einplanen und ihr Portfolio entsprechend stabil aufstellen. Denn in der Entnahmephase gilt mehr denn je: Planbarkeit und Risikomanagement sind entscheidend für finanzielle Sicherheit im Ruhestand. (jk)

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