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Union Investment startet neue Altervorsorgeprodukte

Jochen Wiesbach, Geschäftsführer bei Union Investment.
Altersvorsorge

Nach der Reform der privaten Altersvorsorge bringt Union Investment neue Vorsorgeprodukte mit und ohne Garantie auf den Markt. Der größte Riester-Anbieter Deutschlands setzt dabei auf aktive ETFs, flexible Auszahlmodelle und unterschiedliche Sicherheitsprofile.

11.05.2026 | 11:25 Uhr

Die Reform der privaten Altersvorsorge eröffnet der Fondsbranche einen milliardenschweren Neustart – und Union Investment will dabei eine zentrale Rolle spielen. Kurz nach der Verabschiedung des Reformgesetzes durch den Bundesrat hat der größte Riester-Anbieter Deutschlands erste Details seiner künftigen Produktpalette vorgestellt. Geplant sind mehrere Vorsorgelösungen unter dem Label „UniVorsorge“, die ab 2027 exklusiv über die genossenschaftlichen Banken vertrieben werden sollen.

Im Mittelpunkt stehen zwei aktiv gemanagte Vorsorgeprodukte: eine chancenorientierte Variante ohne Garantie sowie ein Modell mit vollständiger Beitragsgarantie zum Ende der Ansparphase. Ergänzt wird das Angebot durch ein gesetzlich vorgesehenes Standardprodukt auf Basis aktiver ETFs.

„Bei der Gestaltung unserer neuen Produkte zur privaten Altersvorsorge haben wir auf unsere langjährigen Erfahrungen als Marktführer in der Riester-Rente aufgebaut“, sagt Jochen Wiesbach, Geschäftsführer bei Union Investment. Dadurch habe man in kurzer Zeit Lösungen sowohl für sicherheitsorientierte als auch für renditeorientierte Anleger entwickeln können.

Mehr Renditechancen durch aktive Steuerung

Die neue Produktgeneration markiert zugleich einen Strategiewechsel. Während klassische Riester-Produkte in den vergangenen Jahren stark unter den regulatorischen Garantievorgaben litten, setzt Union Investment nun auf flexiblere Modelle mit höherer Aktienquote.

Bei der Variante ohne Garantie fließen die Sparbeiträge in einen weltweit investierenden Aktienfonds, der sich am MSCI All Countries World orientiert. Anders als ein klassischer Indexfonds soll das Portfolio jedoch aktiv gesteuert werden. Strategische und taktische Anpassungen sollen dabei bewusst größere Abweichungen vom Referenzindex ermöglichen, um zusätzliche Renditechancen zu erschließen.

Zum Ende der Ansparphase greift ein Lebenszyklusmodell, das die Aktienquote schrittweise reduziert. „Dazu wird das Vermögen abhängig von der Restlaufzeit anteilig in einen europäischen Rentenfonds umgeschichtet“, erläutert Wiesbach.

Parallel dazu bietet Union Investment weiterhin ein Modell mit vollständiger Kapitalgarantie an. Hintergrund sei, dass viele Sparer trotz höherer Renditechancen weiterhin großen Wert auf Sicherheit legten. Die Absicherung erfolgt – ähnlich wie bei der bisherigen „UniProfiRente Select“ – über ein CPPI-Modell, bei dem Vermögen bei stärkeren Kursverlusten schrittweise in Rentenanlagen umgeschichtet wird.

Aktive ETFs als Kern des Standardprodukts

Bemerkenswert ist vor allem die Konstruktion des neuen Standardprodukts. Anders als klassische passive ETFs sollen hier aktive ETFs zum Einsatz kommen. Dabei orientiert sich das Fondsmanagement zwar an einem Index, versucht jedoch durch aktive Steuerung eine bessere Wertentwicklung zu erzielen.

Union Investment plant hierfür gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Quoniam die Auflage eines globalen Aktien-ETFs sowie eines Euro-Renten-ETFs.

Im Standardmodell werden die Beiträge zunächst vollständig in Aktien investiert. Erst fünf Jahre vor Rentenbeginn reduziert sich die Aktienquote automatisch auf 50 Prozent, zwei Jahre vorher auf 30 Prozent. Anleger können die Gewichtung zwischen Aktien und Renten allerdings auch individuell steuern.

Damit reagiert die Branche auf einen der zentralen Kritikpunkte der alten Riester-Welt: zu geringe Aktienquoten und damit begrenzte Renditechancen in der Ansparphase.

Reform bringt neue Entscheidungsprobleme für Riester-Sparer

Mit der Reform steigt allerdings auch die Komplexität für Bestandskunden. Nach Angaben von Union Investment haben Sparer mit bestehendem Riester-Vertrag künftig fünf unterschiedliche Möglichkeiten, ihre Altersvorsorge anzupassen – vom unveränderten Fortführen des Altvertrags bis hin zum Wechsel in die neue Förderlogik.

„Die Auswahl ist allerdings nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint“, warnt Wiesbach. Welche Option sinnvoll sei, hänge stark von Einkommen, Familienstand und dem bestehenden Vertrag ab.

Vor allem Familien mit geringem Einkommen könnten im alten Fördersystem teilweise besser gestellt bleiben. Gleichzeitig kann die neue beitragsabhängige Förderung für andere Sparer deutlich attraktiver sein.

Neue Chancen für die Branche

Die Reform dürfte deshalb nicht nur den Wettbewerb unter den Anbietern neu beleben, sondern auch eine intensive Beratungsphase auslösen. Für die Fondsbranche eröffnet sich damit die Chance, die private Altersvorsorge nach Jahren der Stagnation neu zu positionieren – diesmal stärker kapitalmarktorientiert und mit deutlich mehr Flexibilität für Anleger. (jk)

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