Immer weniger Befragte sehen sich im Alter gut abgesichert. Forderung: Rentenreform braucht mehr Ehrlichkeit.
28.05.2026 | 12:15 Uhr
Das Vertrauen der Deutschen in die gesetzliche Rente ist stark abgesunken. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Altersvorsorge-Index (DIVAX-AV) des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) mit Sitz in Frankfurt. Der Abfall von 1,2 auf - 3,0 ist signifikant (der Index kann Werte zwischen -100 und +100 ausweisen), und ist damit einer der größten Abfälle seit es die Befragung gibt. Befragt werden turnusmäßig rund 2.000 Personen zu ihrer Haltung zur Altersvorsorge.

„Die Regierung steht jetzt unter enormen Handlungsbedarf,“ kommentierte der Wissen-schaftliche Direktor des DIVA, Prof. Dr. Oliver Schellenberger. „Natürlich ist die aktuel-le Energiekrise durch den Irankrieg und die allgemein schlechte Wirtschaftslage mitver-antwortlich für die negative Stimmung. Allerdings zeigt unsere Befragung ganz klar, dass sich nur noch ein Viertel der Befragten gut durch die Rentenversicherung abgesi-chert fühlt. Ein Minus von über fünf Prozentpunkten im Vergleich zur Herbstbefragung 2025. Mit diesen Ergebnissen muss sich die Rentenkommission dringend auseinandersetzen!“
Besonders die Antworten auf die Fragen nach der „Langfristigen Stabilisierung der ge-setzlichen Rente“ zeigen auf, wie wichtig es ist, unbequeme Wahrheiten über eine an-gemessene und geschlossene politische Kommunikation zu vermitteln. Gefragt nach den wichtigsten Stellschrauben wie Ausgabenentlastung bzw. Einnahmenerhöhung, scheuen die Befragten eindeutig Lösungen, die sie direkt betreffen, jedoch finanzma-thematisch die höchste Systementlastung brächten. Erhöhung der Rentenbeiträge (insg. Nur 15,3 % Zustimmung bei den Befragten), Absenkung des Rentenniveaus (Zu-stimmung bei 12,5 % der Befragten), Abschaffung der Rente mit 63 (Zustimmung bei 13,7 % der Befragten) und Erhöhung des Renteneintrittsalters (Zustimmung bei nur 10,8 % der Befragten) haben für die Bürger die geringste Priorität. „Schenken Sie den Bürgern endlich reinen Wein ein! Die Veränderung des Rentensystems kann nur gelin-gen, wenn wir an den richtigen Stellschrauben drehen. Das hört keiner gern“, fordert Martin Klein, Geschäftsführer von VOTUM, einer der Trägerverbände des DIVA.
Dass es auch anders geht, zeigen Bundesregierung und Bundestag selbst. Das gerade verabschiedete Altersvorsorgereformgesetz macht einen Schritt in die richtige Richtung. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass die Präferenzen der Bevölkerung sehr unterschiedlich sind. Ob klassische Vorsorgeprodukte, fondsgebundene Lösungen, Immobilien oder neue Anlageformen wie das Altersvorsorgedepot: Entscheidend ist, dass Bürgerinnen und Bürger Wahlmöglichkeiten erhalten, die zu ihrer persönlichen Lebenssituation passen. Hieraus sollte die Politik den notwendigen Mut schöpfen und auch in den anderen Schichten der Altersvorsorge nun handeln. (pg)
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