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Aus dem Schatten

Value-Aktien könnten dank vergleichsweise günstiger Bewertungen eine Renaissance erleben. Analysten rücken dabei eine Branche in den Fokus, die viele Anleger derzeit so gar nicht mögen.

26.11.2019 | 15:20 Uhr von «André Schmidt-Carré»

Value-Investoren hatten es in dem seit Jahren anhaltenden Aufwärtstrend an den Aktienmärkten nicht leicht, Unternehmen mit hohem Substanzwert waren bei Anlegern weniger gefragt als Wachstumswerte. „Value hatte zwar gute Argumente, Growth aber die weitaus bessere Performance“, sagt Marcel Müller, Chef des Portfoliomanagements bei HQ Trust. Mit Argumenten meint er vor allem die Gewinne der Unternehmen, denn die haben sich auch bei Value-Titeln durchaus gut entwickelt. „In allen Regionen kommt der größte Anteil des Performanceunterschieds aus Bewertungsveränderungen.“ Bedeutet: Value-Titel sind im Vergleich günstiger geworden und Growth-Aktien teurer.

Zuletzt haben sich deshalb die Stimmen gemehrt, dass Value bald wieder „in“ werden könnte. „Wir stellen das Value-Segment deutlich stärker als sonst in den Vordergrund“, sagt etwa Alain Bokobza, Head of Global Asset Allocation bei Societe Generale. Auch andere Experten brechen eine Lanze für Substanzwerte: „Die Entwicklungen im Value-Investitionsumfeld sehen derzeit erfreulich aus“, sagt Goran Vasiljevic, Chefanlagestratege bei Lingohr & Partner Asset Management. „Während in den letzten Jahren irrational und emotional getriebene Märkte zu erheblichen Fehlbewertungen geführt haben, steht eine mögliche Trendwende bevor.“

Banken: So günstig wie noch nie

Der Lingohr-Chefinvestor hat dabei eine Branche im Blick, die viele Anleger lange Zeit gemieden haben: Banken. Gerade bei europäischen Kreditinstituten sehe man angesichts der niedrigen Bewertungen klare Kaufsignale: „Europäische Banken waren tendenziell noch nie so günstig“, sagt Vasiljevic mit Blick auf Ertrags- und Dividendenrendite. Angesichts der Nullzinspolitik sei die Rentabilität der Banken zwar vorübergehend eingebrochen. Seit dem Tief nach der Eurokrise im Jahre 2012 hätten Banken allerdings die Eigenkapitalrendite von vier Prozent kontinuierlich auf heute wieder zwölf Prozent steigern können. „Somit sind sie auch profitabler als andere Sektoren“, sagt Vasiljevic. Zudem seien Banken aktuell deutlich stabiler als zu den Hochzeiten der Finanz- und Eurokrise: Damals habe man einen Zusammenbruch des gesamten Bankensystems oder den der Eurozone befürchtet. „Davon sind wir weit entfernt. Die Wirtschaft wächst nach wie vor, die Arbeitslosenquote befindet sich auf historisch niedrigem Niveau und die Kreditvergabe zieht seit 2014 kontinuierlich wieder an“, sagt Vasiljevic. „Die Banken haben sich angepasst. Investoren müssen diesen Schritt aber noch nachvollziehen.“

Wer sich angesichts der Diskussionen um die Rentabilität deutscher Banken über so viel Zuversicht wundert, findet des Rätsels Lösung beim Blick über den Tellerrand: Vasiljevic investiert breit gestreut in europäische Banken aus Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz - unterrepräsentiert ist lediglich Deutschland.

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