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Firmenpleiten erreichen höchsten Stand seit 2013

Die Zahl der Insolvenzen nimmt dramatisch zu.
Unternehmen

Creditreform: 12.900 Firmenpleiten im ersten Halbjahr 2026 – Schäden von 28,5 Milliarden Euro

23.06.2026 | 12:10 Uhr

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 erneut deutlich gestiegen. Nach aktuellen Berechnungen der Creditreform Wirtschaftsforschung meldeten von Januar bis Juni rund 12.900 Unternehmen Insolvenz an. Das entspricht einem Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und markiert den höchsten Halbjahreswert seit 2013.

Die Entwicklung zeigt, dass viele Unternehmen auch nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche weiterhin unter erheblichem Druck stehen. Belastend wirken laut der Analyse neben den Folgen der langjährigen Konjunkturflaute insbesondere die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, steigende Energiepreise sowie höhere Finanzierungskosten.

Schäden durch Firmeninsolvenzen summieren sich auf 28,5 Milliarden Euro

Die wirtschaftlichen Folgen der Insolvenzwelle bleiben erheblich. Creditreform beziffert die ausfallgefährdeten Forderungen im ersten Halbjahr auf rund 28,5 Milliarden Euro. Betroffen sind vor allem Lieferanten, Banken, Sozialversicherungsträger und weitere Gläubiger.

Zugleich stieg die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze deutlich an. Rund 165.000 Beschäftigte arbeiteten in Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten. Das sind mehr als 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Berlin bleibt Insolvenz-Hotspot

Regional zeigen sich weiterhin deutliche Unterschiede. Die höchsten Insolvenzquoten verzeichneten Berlin, Bremen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. In diesen Bundesländern kamen mehr als 100 Unternehmensinsolvenzen auf 10.000 Unternehmen.

Unterdurchschnittliche Insolvenzquoten meldete Creditreform dagegen für Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland, Bayern, Brandenburg und Sachsen.

Dienstleistungssektor treibt die Insolvenzwelle

Besonders auffällig ist die Entwicklung im Dienstleistungssektor. Hier stieg die Zahl der Insolvenzen um 12,6 Prozent auf fast 7.900 Fälle. Damit entfielen bereits mehr als 60 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen auf diesen Wirtschaftsbereich.

Als Ursachen nennt Creditreform die häufig geringe Kapitalausstattung vieler Dienstleister, die hohe Abhängigkeit von einzelnen Kunden sowie die Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auf bestehende Geschäftsmodelle.

Auch das Baugewerbe bleibt ein Krisensektor. Die Zahl der Insolvenzen stieg dort um 4,5 Prozent auf 1.860 Fälle. Die Insolvenzquote im Bau liegt mit 104 Fällen je 10.000 Unternehmen weiterhin deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

Eine Ausnahme bildet der Handel. Hier ging die Zahl der Insolvenzen leicht zurück. Creditreform sieht darin erste Anzeichen einer Marktbereinigung und einer Stabilisierung des privaten Konsums.

Großunternehmen zunehmend unter Druck

Während mehr als 80 Prozent aller Insolvenzfälle weiterhin auf kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern entfallen, zeigt die Analyse eine neue Entwicklung: Die Zahl der Insolvenzen bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten stieg um fast 29 Prozent.

Besonders betroffen sind größere Unternehmen mit Jahresumsätzen von über fünf Millionen Euro. In diesem Segment liegt die Zahl der Insolvenzen mittlerweile nahezu dreimal so hoch wie vor der Corona-Pandemie.

Zu den größten Insolvenzfällen des ersten Halbjahres zählen unter anderem die Hotelgruppe Revo Hospitality Group, die Supermarktkette Feneberg, die Baumarktkette Hellweg, der Spielwarenhändler Rofu Kinderland sowie die Handelskette Depot.

Junge Unternehmen geraten wieder stärker in Schwierigkeiten

Erstmals seit mehreren Jahren nimmt auch die Zahl der Insolvenzen junger Unternehmen wieder deutlich zu. Besonders stark betroffen sind Firmen, die höchstens zwei Jahre am Markt aktiv sind. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Insolvenzen um mehr als 25 Prozent.

Dennoch dominieren weiterhin etablierte Unternehmen das Insolvenzgeschehen. Rund 42 Prozent aller insolventen Firmen waren bereits länger als zehn Jahre am Markt tätig.

Höhere Zinsen verschärfen die Risiken

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Finanzierungssituation deutscher Unternehmen. Die Auswertung von rund 60.000 Jahresabschlüssen zeigt, dass 7,5 Prozent der Unternehmen ihre laufenden Zinszahlungen nicht mehr vollständig aus dem operativen Geschäft erwirtschaften können.

Besonders betroffen sind Dienstleistungsunternehmen, Handelsbetriebe und Großunternehmen. Die während der Inflationsbekämpfung gestiegenen Zinsen wirken sich damit zunehmend auf die Stabilität vieler Geschäftsmodelle aus.

Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die Mehrheit der Unternehmen weiterhin über eine solide Finanzierungsbasis verfügt. Mehr als 60 Prozent weisen eine komfortable Zinsdeckung auf.

Ausblick: Insolvenzen bleiben auf hohem Niveau

Die Creditreform-Studie deutet darauf hin, dass sich die Insolvenzzahlen in Deutschland kurzfristig kaum entspannen werden. Viele Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, hohen Energiepreisen, steigenden Finanzierungskosten und strukturellen Veränderungen ihrer Märkte.

Besonders die Entwicklung der Zinsbelastung könnte sich dabei als wichtiger Frühindikator erweisen. Unternehmen, die 2025 Insolvenz anmelden mussten, zeigten bereits mehrere Jahre zuvor deutlich schwächere Finanzkennzahlen als der Durchschnitt.

Damit bleibt die Stabilisierung der Unternehmenslandschaft eine der zentralen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft im weiteren Verlauf des Jahres 2026. (jk)

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