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Gute News sind kein Kaufsignal

Auch Fondsmanager schätzen Unternehmensnachrichten falsch ein
Studie

Gute Unternehmensnachrichten gelten vielen Anlegern als Kaufsignal. Eine Studie von ECONtribute zeigt jedoch, dass selbst Fondsmanager und Finanzberater die Auswirkungen längst bekannter Nachrichten auf Aktienrenditen teilweise überschätzen. Entscheidend sind unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie effizient die Märkte Informationen verarbeiten.

31.08.2026 | 12:15 Uhr

Unternehmensnachrichten beeinflussen die Einschätzung von Aktien und deren Renditechancen. Doch wie Anleger eine Nachricht bewerten, hängt offenbar stark davon ab, welches Verständnis sie von den Finanzmärkten haben. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung des Exzellenzclusters ECONtribute der Universitäten Bonn und Köln. Die Untersuchung mit dem Titel „Mental Models of the Stock Market“ wurde im renommierten Fachjournal The Quarterly Journal of Economics veröffentlicht.

Gute Nachricht bedeutet nicht automatisch höhere Rendite 

Die Forscher verdeutlichen das Problem anhand eines einfachen Beispiels: Ein Unternehmen kündigt an, seine Produktionskosten künftig um 20 Prozent senken zu können. Die Nachricht ist bereits vier Wochen alt. Ein Anleger könnte daraus schließen, dass das Unternehmen künftig höhere Gewinne erzielt und deshalb auch die Aktie weiter steigen dürfte. Aus Sicht der Finanzökonomik greift diese Überlegung allerdings zu kurz. Denn der Aktienkurs reagiert normalerweise bereits auf neue Informationen. Sobald die Nachricht am Markt bekannt ist, wird sie in die Bewertung der Aktie eingepreist. Vier Wochen später kann der Kurs deshalb bereits das erwartete Gewinnpotenzial widerspiegeln. Wer erst dann kauft, wenn die Nachricht längst bekannt ist, erwirbt die Aktie somit möglicherweise zu einem höheren Preis. Die ursprüngliche positive Nachricht allein liefert zu diesem Zeitpunkt keinen Grund für zusätzliche Renditen. „Wenn ein Unternehmen gute Nachrichten verkündet, sehen viele Menschen vor allem die verbesserten Gewinnaussichten“, erklärt ein an der Studie beteiligter Professor der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und Mitglied im Exzellenzcluster ECONtribute. Häufig werde dabei übersehen, dass auch andere Marktteilnehmer die Information kennen und der Aktienkurs bereits darauf reagiert habe. 

Mehr als 7.000 Menschen befragt 

Für die Studie befragten die Ökonomen mehr als 7.000 Menschen in Deutschland und den USA. Die Teilnehmer kamen aus unterschiedlichen Gruppen: Neben der allgemeinen Bevölkerung und Privatanlegern wurden auch Finanzberater, Fondsmanager und Finanzmarktforscher einbezogen. Die Teilnehmer sollten in einem Gedankenexperiment beurteilen, wie sich die Rendite einer Aktie nach einer bereits vier Wochen zurückliegenden Unternehmensnachricht entwickeln würde. Dabei wurden zwei Szenarien gegenübergestellt. Im ersten Fall kündigte ein Unternehmen eine Senkung seiner Produktionskosten an. Im zweiten Szenario war die Nachricht neutral formuliert: Das Unternehmen setzt seine Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten fort. Entscheidend war in beiden Fällen, dass die Nachricht bereits vier Wochen alt war.

Fondsmanager und Finanzberater liegen teilweise auf Linie mit Privatanlegern

Die Antworten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen. Rund 60 Prozent der Befragten aus der allgemeinen deutschen Bevölkerung erwarteten auch Wochen nach der positiven Nachricht noch höhere Renditen. Bei den deutschen Privatanlegern waren es sogar 74 Prozent. Auch professionelle Marktteilnehmer erwarteten teilweise einen positiven Effekt. Unter den Fondsmanagern rechneten 58 Prozent und unter den Finanzberatern 63 Prozent mit höheren Renditen. Deutlich anders fiel die Einschätzung der Finanzmarktforscher aus. Hier gingen 67 Prozent davon aus, dass sich die Renditen nach der bereits bekannten Nachricht nicht verändern. Damit zeigt die Untersuchung: Auch professionelle Anleger und Finanzberater ziehen aus einer längst bekannten positiven Unternehmensnachricht teilweise andere Schlüsse, als es Modelle der Finanzökonomie nahelegen. 

Mentale Modelle beeinflussen Anlageentscheidungen 

Die Wissenschaftler führen die unterschiedlichen Einschätzungen auf sogenannte mentale Modelle des Aktienmarktes zurück. Gemeint sind Vorstellungen darüber, wie Märkte funktionieren und wie Informationen die Kurse beeinflussen. Finanzmarktforscher orientieren sich stärker am Konzept effizienter Märkte. Sie berücksichtigen nicht nur die Auswirkungen einer Nachricht auf die künftigen Gewinne eines Unternehmens, sondern auch den aktuellen Aktienkurs. Ist eine Information bereits bekannt, sollte sie demnach grundsätzlich bereits in der Bewertung berücksichtigt sein. Privatanleger konzentrieren sich dagegen häufiger auf die erwartete Entwicklung der Unternehmensgewinne. Der bereits gestiegene Aktienkurs wird bei dieser Betrachtung weniger stark berücksichtigt. „Private Anleger argumentieren, dass die Renditen steigen, weil das Unternehmen seine Gewinne weiter steigern und damit den Wert der Aktie erhöhen kann“, erklärt ein im Rahmen des Young ECONtribute Programms an der Universität Bonn promovierender Forscher. „Was dabei außen vor bleibt, sind die Kosten für die Aktien, die ebenfalls gestiegen sind.“ 

Was Anleger aus der Studie lernen können 

Die Ergebnisse haben eine praktische Bedeutung für die Geldanlage. Eine positive Unternehmensnachricht ist nicht automatisch ein Kaufsignal. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob die Information bereits vom Markt verarbeitet und im Aktienkurs berücksichtigt wurde. Für Anleger bedeutet das: Wer aus einer Unternehmensmeldung eine mögliche Kurschance ableiten will, sollte nicht nur auf die Auswirkungen der Nachricht auf Umsatz und Gewinn schauen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Erwartungen bereits im Aktienkurs enthalten sind und ob die Nachricht tatsächlich neue Informationen für den Markt enthält. 

Die Studie macht damit einen zentralen Unterschied deutlich: Eine gute Nachricht kann den Wert eines Unternehmens erhöhen, ohne dass die Aktie deshalb nach Bekanntwerden der Nachricht automatisch eine überdurchschnittliche Rendite erzielt. Entscheidend ist nicht allein, wie gut eine Nachricht ist, sondern wie stark sie von den bisherigen Erwartungen des Marktes abweicht. (jk)

Die komplette Studie finden Sie hier

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