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Grönlandstreit: Weiterer nordischer Fonds wirft US-Staatsanleihen auf den Markt

Alceta mit Sitz Stockholm
Staatsanleihen

Mehrere große Pensionsfonds in Nordeuropa reduzieren ihr Engagement in US-Staatsanleihen. Nach dem dänischen Fonds AkademikerPension hat nun auch der schwedische Vermögensverwalter Alecta erhebliche Bestände veräußert.

21.01.2026 | 15:15 Uhr von «Peter Gewalt»

Die anhaltenden politischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa sowie die zunehmend unberechenbare Finanzpolitik in Washington veranlassen mehrere große nordische Pensionsfonds, ihre Bestände an US-Staatsanleihen deutlich zu reduzieren. Nach dem dänischen Pensionsfonds AkademikerPension hat nun auch der schwedische Vermögensverwalter Alecta umfangreiche Verkäufe vorgenommen.

AkademikerPension bestätigte auf Anfrage, US-Staatsanleihen im Wert von rund 100 Millionen Dollar abgestoßen zu haben. Als Grund nannte der dänische Fonds insbesondere die angespannte Haushaltslage der amerikanischen Regierung. Ein direkter Zusammenhang mit dem jüngsten Konflikt zwischen den USA und Dänemark um Grönland bestehe nicht, erklärte Investment-Direktor Anders Schelde, räumte jedoch ein, dass die politische Lage die Entscheidung nicht erschwert habe. AkademikerPension verwaltet für etwa 175.000 Mitglieder ein Vermögen von gut 25,7 Milliarden Dollar.

Noch deutlicher fiel der Schritt von Alecta aus. Der schwedische Pensionsfonds veräußerte eigenen Angaben zufolge US-Staatspapiere im Umfang von 70 bis 80 Milliarden schwedischen Kronen, was zwischen 7,7 und 8,8 Milliarden Dollar entspricht. Das Unternehmen begründete den Rückzug mit einer Zunahme politischer Risiken und der wachsenden Unvorhersehbarkeit der amerikanischen Politik. Die Entscheidung sei Teil einer umfassenderen Neubewertung internationaler Anleiheportfolios, berichtete die Wirtschaftszeitung Dagens Industri.

Nervosität unter institutionellen investoren wächst

Der schwedische Schritt folgt damit zeitlich unmittelbar auf die dänische Entscheidung und lässt auf eine gewisse Nervosität unter institutionellen Investoren in Nordeuropa schließen. Die transatlantischen Beziehungen stehen seit Wochen unter zusätzlichem Druck, nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, ab dem 1. Februar Strafzölle auf Waren europäischer NATO-Partner zu erheben. Hintergrund ist der anhaltende Streit um die amerikanischen Pläne, Grönland zu erwerben. Dänemark und die grönländische Regierung hatten entsprechende Vorstöße aus Washington strikt zurückgewiesen.

Mit den jüngsten Verkäufen geraten US-Staatsanleihen erneut in den Fokus internationaler Investoren, die sie traditionell als sichere Anlage betrachten. Ob die Entscheidungen der beiden nordischen Fonds Signalwirkung für andere große Marktteilnehmer haben werden, bleibt vorerst offen. Das ungewöhnliche politische Umfeld in den USA dürfte jedoch dazu beitragen, dass die Entwicklung aufmerksam verfolgt wird.

Insbesondere, da ein verstärkter Verkauf von US‑Staatsanleihen in der Regel die Kurse der Treasuries drückt und die Renditen steigen lässt, weil ein größeres Angebot niedrigere Preise zur Folge hat und höhere Zinsen nötig werden, um Käufer zu finden. Steigende Renditen verteuern zugleich die Kreditkonditionen in den USA und erhöhen die Finanzierungskosten für Staat und Verbraucher. Parallel kann der US‑Dollar unter Druck geraten, wenn sinkende Nachfrage nach US‑Schuldtiteln als Vertrauenssignal gewertet wird. Einige Analysen weisen darauf hin, dass ein breiter Rückzug die Dollar‑Attraktivität kurzfristig schwächen könnte, auch wenn die strukturell hohe globale Dollarnachfrage den Effekt begrenzt.

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