Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sieht in den Empfehlungen der Rentenkommission wichtige Ansatzpunkte für eine grundlegende Reform der Alterssicherung in Deutschland. Nach Einschätzung des Bankenverbands könnten zahlreiche Vorschläge dazu beitragen, die finanzielle Belastung der Beitragszahler langfristig zu begrenzen und die gesetzliche Rentenversicherung zukunftsfest aufzustellen.
23.06.2026 | 12:45 Uhr
„Die Rentenkommission setzt wichtige Impulse und zeigt der Politik eine klare Richtung: Deutschland braucht eine Abkehr von immer höheren Beiträgen hin zu einer transparenten, generationengerechten und langfristig tragfähigen Gesamtstrategie. Dazu gehören eine stabile gesetzliche Rente, eine leistungsfähige betriebliche Vorsorge und die konsequente, praxistaugliche Umsetzung der bereits beschlossenen Reform der privaten Altersvorsorge“, erklärt BVR-Präsidentin Marija Kolak.
Der BVR begrüßt insbesondere, dass die Kommission die demografischen Herausforderungen in den Mittelpunkt ihrer Analyse stellt. Die steigende Lebenserwartung, der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge sowie die wachsende Belastung von Beitragszahlern und Bundeshaushalt machten strukturelle Reformen unvermeidbar.
Nach Ansicht des Verbands könnten eine stärkere Orientierung des Renteneintrittsalters an der Lebenserwartung sowie der Abbau von Fehlanreizen für Frühverrentungen die Finanzierungsbasis der gesetzlichen Rentenversicherung stabilisieren. Gleichzeitig würde dies dazu beitragen, dringend benötigte Fachkräfte länger im Arbeitsmarkt zu halten.
Voraussetzung dafür seien jedoch bessere Rahmenbedingungen für längere Erwerbsbiografien. Der BVR nennt dabei insbesondere Weiterbildungsangebote, altersgerechte Arbeitsplätze sowie flexible Übergänge in den Ruhestand.
Positiv bewertet der Verband, dass die Rentenkommission kapitalgedeckte Vorsorgeelemente stärker berücksichtigt. Die vorgeschlagenen Modelle für eine gesetzliche Kapitalrente seien jedoch aus Sicht des BVR noch nicht ausreichend ausgearbeitet.
Offen sei insbesondere die Frage, wie ein langfristiger Kapitalstock aufgebaut werden könne, ohne die Beitragssätze weiter zu erhöhen. Angesichts bereits hoher Lohnnebenkosten dürften zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Beschäftigte nicht außer Acht gelassen werden.
Zudem fordert der Verband Klarheit darüber, welche Rolle private Anbieter bei der Kapitalmarktanlage spielen sollen und wie ein fairer Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Vorsorgelösungen sichergestellt werden kann.
Mit dem Bericht der Rentenkommission liege nun eine solide Grundlage für politische Entscheidungen vor, so der BVR. Die Bundesregierung sei gefordert, die Vorschläge zeitnah zu prüfen und in ein schlüssiges Reformpaket zu überführen.
„Entscheidend ist, dass die Politik den Mut zu strukturellen Entscheidungen aufbringt. Je länger Reformen aufgeschoben werden, desto teurer werden sie für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler von morgen“, betont BVR-Präsidentin Kolak.
Aus Sicht des BVR sollte sich die Reform der Alterssicherung an drei zentralen Leitlinien orientieren:
Die gesetzliche Rente muss dauerhaft finanzierbar bleiben.
Private Altersvorsorge und Vermögensbildung müssen bürgernah, praktikabel und konsequent gefördert werden.
Klare, verständliche und verlässliche Rahmenbedingungen sollen das Vertrauen der Bürger in langfristige Vorsorgeentscheidungen stärken.
Die Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Rente, die private Altersvorsorge und eine mögliche Kapitalrente dürfte damit in den kommenden Monaten weiter an Bedeutung gewinnen. (jk)
Diesen Beitrag teilen: