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Studie: Warum höhere Verteidigungsausgaben kein Wachstumsmotor sind

Rüstungsausgaben sorgen nicht für Wachstum
Konjunktur

Deutschland will seine Verteidigungsausgaben bis 2030 massiv erhöhen. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt jedoch: Der wirtschaftliche Wachstumseffekt bleibt begrenzt, während die Staatsverschuldung deutlich steigt. Die Autoren warnen davor, die Rüstungsindustrie zum neuen Wachstumsmotor zu erklären.

21.08.2026 | 13:15 Uhr

Deutschland steht angesichts der geopolitischen Lage vor dauerhaft höheren Verteidigungsausgaben. Doch die milliardenschweren Investitionen in die Bundeswehr dürften nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) keinen vergleichbaren Wachstumsschub auslösen wie klassische Investitionen in Infrastruktur oder andere produktive Bereiche der Wirtschaft. 

Eine neue Studie der IW-Ökonomen Thomas Obst und Klaus-Heiner Röhl kommt zu dem Ergebnis, dass die geplanten zusätzlichen Verteidigungsausgaben zwar kurzfristig die Wirtschaftsleistung stützen. Der langfristige Wachstumseffekt bleibe jedoch überschaubar, während die Belastung für die öffentlichen Finanzen deutlich zunehme. Fast 200 Milliarden Euro für Verteidigung bis 2030 Zwischen 2026 und 2030 plant der Bund laut IW rund 95 Milliarden Euro an zusätzlichen Verteidigungsausgaben, wenn die jeweiligen Mehrausgaben gegenüber dem Vorjahr zusammengerechnet werden.

Insgesamt könnten die Verteidigungsausgaben damit bis 2030 auf knapp 200 Milliarden Euro steigen. Die zusätzlichen staatlichen Ausgaben wirken zunächst wie ein klassischer fiskalischer Impuls. Nach der IW-Simulation steigt das Bruttoinlandsprodukt 2026 um 0,7 Prozent und 2027 um 0,9 Prozent gegenüber einem Szenario ohne die zusätzlichen Verteidigungsausgaben. Danach lässt der Effekt jedoch nach. Bis 2030 summiert sich der zusätzliche BIP-Effekt auf gut 96 Milliarden Euro. Damit erzeugt jeder zusätzlich eingesetzte Euro nach Berechnung des IW nur etwas mehr als einen Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung. 

Warum Rüstung weniger Wachstum erzeugt als Infrastruktur

Der entscheidende Unterschied liegt nach Ansicht der Autoren in den vergleichsweise geringen Folgeeffekten. Investitionen in Verkehrswege, Energieversorgung oder digitale Infrastruktur können langfristig die Produktivität der gesamten Wirtschaft erhöhen. Verteidigungsausgaben erzeugen dagegen vor allem einen unmittelbaren Nachfrageimpuls. Zwar profitieren Unternehmen der Rüstungsindustrie und ihre Zulieferer von den höheren Budgets. Für die Gesamtwirtschaft ist die Branche jedoch zu klein, um einen breit angelegten Aufschwung auszulösen. „Panzer sind nicht die neuen Autos für die deutsche Wirtschaft“, sagt IW-Experte Klaus-Heiner Röhl. Die Verteidigungsindustrie wachse zwar derzeit stark, könne aber nicht die Rolle übernehmen, die etwa die Automobilindustrie über Jahrzehnte für die deutsche Wirtschaft gespielt habe.

Investitionen steigen zunächst – der Effekt verpufft aber

Kurzfristig könnten die zusätzlichen Staatsausgaben laut Studie auch private Investitionen anregen. Im Jahr 2027 lägen diese mehr als drei Prozent über dem Niveau ohne die höheren Verteidigungsausgaben. Dieser Effekt sei jedoch nicht von Dauer. Nach dem anfänglichen Impuls schwäche sich der Einfluss auf die Investitionstätigkeit wieder ab. Ein nachhaltigerer Wachstumseffekt wäre denkbar, wenn militärische Forschung und Entwicklung stärker in die zivile Wirtschaft ausstrahlen würden. Hier sieht die IW-Studie allerdings erheblichen Nachholbedarf. Nach den Angaben der Autoren flossen 2025 lediglich rund zwei Prozent der deutschen Verteidigungsausgaben in Forschung und Entwicklung. In den USA lag dieser Anteil dagegen bei 16 Prozent. 


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Höhere Verteidigungsausgaben treiben die Staatsschulden

Während der Wachstumseffekt begrenzt bleibt, sind die Folgen für die Staatsfinanzen deutlich. Die zusätzlichen Verteidigungsausgaben werden über eine Ausnahme von der Schuldenbremse finanziert. Bereits 2026 liegt die nominale Gesamtverschuldung laut IW-Simulation um 0,5 Prozent über dem Basisszenario. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte die Verschuldung um rund 64 Milliarden Euro höher ausfallen.

Besonders problematisch wäre ein schwächeres Wirtschaftswachstum. Bleibt der erwartete Wachstumseffekt aus, würden die Schulden steigen, ohne dass die Wirtschaftsleistung entsprechend zulegt. Die Autoren sehen darin auch ein Risiko für die langfristige Bonität Deutschlands und die künftige Zinsbelastung des Staates.

IW fordert Finanzierung aus dem regulären Haushalt

Die Autoren stellen dabei nicht die Notwendigkeit höherer Verteidigungsausgaben infrage. Die Bundeswehr müsse zunächst ihren erheblichen Nachholbedarf bei Material und Ausrüstung decken. Langfristig sollte die Finanzierung nach Ansicht des IW jedoch wieder über den regulären Bundeshaushalt erfolgen. „Die Bundeswehr muss zunächst ihren Nachholbedarf beim Material decken. Danach muss der Bund die laufenden Ausgaben aber aus dem regulären Haushalt bezahlen“, fordert Klaus-Heiner Röhl.

Mehr Sicherheit, aber kein neues Wirtschaftswunder

Die IW-Studie liefert eine nüchterne Antwort auf die Hoffnung, dass der Rüstungsboom zum neuen Wachstumsmotor für Deutschland werden könnte. Höhere Verteidigungsausgaben können die Konjunktur kurzfristig stützen und einzelnen Unternehmen sowie Regionen deutliche Impulse geben. Für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung reichen sie nach den Berechnungen jedoch nicht aus. Die zentrale Herausforderung besteht daher darin, die notwendige Aufrüstung zu finanzieren, ohne dauerhaft immer höhere Schulden aufzubauen – und gleichzeitig mehr Mittel in Forschung und Entwicklung zu lenken, damit aus militärischen Innovationen auch langfristige wirtschaftliche Effekte entstehen können. (jk)

Die komplette Studie finden Sie hier

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