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Der TiAM FundResearch Wochenrück- und -ausblick.
Kolumne

KI-Preis-Schock: Natürliche Intelligenz lohnt sich wieder

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Die saftigen Preiserhöhungen für die Nutzung von KI.

22.06.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

KI-Nutzer erleben derzeit einen Budget-Schock: Fast alle großen Modellanbieter haben in den vergangenen Wochen ihre Preismodelle auf nutzungsbasierte Abrechnung umgestellt. Nun folgt auch Microsoft bei seinem Programmierassistenten Github Copilot dem Trend. Das neue Prinzip: Anwender bezahlen jetzt nicht mehr eine monatliche oder jährliche Pauschale für die Anwendung eines KI-Modells, sondern sie werden für jede einzelne Nutzung zur Kasse gebeten. Abgerechnet wird nach verbrauchten „Token“. Das ist die Abrechnungseinheit für Anwendungen. Jede KI-Nutzung verbraucht je nach Modell eine bestimmte Anzahl von Token, die anschließend in Rechnung gestellt werden. Dabei gilt: Je neuer und leistungsfähiger das Modell ist, desto teurer wird dessen Einsatz. Wer für einfache Anwendungen leistungsfähige Modelle verwendet, verschwendet also Ressourcen.

Anders ausgedrückt: Wer ein High-Performance-KI-Modell wie Claude Opus 4.8 nutzt, um eine Datei in den Papierkorb zu verschieben, könnte genauso gut einen Kran mieten, um ein einzelnes Bild aufzuhängen. Die neuen Preismodelle schlagen heftig durch. Software-Unternehmen berichten laut einem Handelsblatt-Bericht schon jetzt von KI-Kosten von 500 bis 1000 Euro monatlich pro Mitarbeiter, Tendenz steigend. In der Konsequenz bedeuten die neuen Preismodelle deshalb vor allem drei Dinge. Erstens: Der Einsatz Künstlicher Intelligenz wird grundsätzlich teurer. Zweitens: Anwendungs- und KI-Modellmanagement werden wichtiger. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, müssen Unternehmen jetzt sehr genau darauf achten, wo der KI-Einsatz sinnvoll ist – und wo nicht. Drittens: Jetzt zeigt sich, wie teuer Abhängigkeit werden kann. Die großen Tech-Unternehmen in den USA beherrschen den Markt. Künftig werden sie einen immer größeren Teil der Wertschöpfung in Europa für sich abzweigen können. Denn sie bestimmen die Preise. Es gibt leider keine annähernd leistungsfähigen europäischen Alternativen zu KI-Modellen wie Google Gemini, Claude, ChatGPT, Grok oder Perplexity AI.

Dazu kommt: Nach den noch ausstehenden IPOs von OpenAI, Anthropic und Perplexity werden nahezu alle großen Anbieter sogenannter LLMs (Large Language Models) börsengelistet sein und ihren Investoren Quartal für Quartal steigende Gewinne präsentieren wollen. Was nur durch weitere Preiserhöhungen möglich ist. Denn die KI-Unternehmen haben mit enormen Kostenblöcken zu kämpfen. Die Preise für Speicherchips haben sich zuletzt verzehnfacht, und die großen Rechenzentren verbrauchen so viel Energie, dass Unternehmen wie OpenAI und SpaceXAI mittlerweile eigene Kraftwerke bauen, um ihren exponentiell steigenden Bedarf wenigstens zum Teil zu decken. Diese Kosten werden nun mit Gewinnaufschlag direkt an die Anwender weitergereicht.

Was vielen bisher nicht bewusst war: Die Erzeugung eines einzelnen KI-Bildes verbraucht in der Regel zwischen 0,05 und 3,6 Wattstunden (Wh) an Strom. Dies entspricht in etwa der Energie, die benötigt wird, um ein Smartphone einmal vollständig aufzuladen. Wer eben mal so zum Spaß mit Bildgeneratoren von Midjourney, Google Gemini oder ChatGPT herumspielt, löst irgendwo in der Wüste Nevadas, in Texas, North Carolina oder Virginia kräftige Stromstöße aus. Milliarden von Menschen machen das mittlerweile. Jetzt präsentieren die Unternehmen ihre Rechnung dafür.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass mit steigenden Energiepreisen auch die KI-Anwendungen in Zukunft noch teurer werden. Was zu einer weiteren Erkenntnis führt: Natürliche Intelligenz könnte sich wieder lohnen. Die Ausbildung und der Einsatz eigener Mitarbeiter, die über Fachwissen, Verantwortungs- und Kostenbewusstsein und nicht zuletzt sogar über soziale Kompetenz verfügen, könnte wieder ein lohnendes Investment sein. Und irgendwer muss ja auch die Kompetenz haben, zu entscheiden, wo und wie sich KI sinnvoll und kostengünstig einsetzen lässt. In diesem Zusammenhang ist eine weitere Entwicklung interessant: Chiphersteller wie Nvidia bieten seit Neuestem Rechner an, auf denen KI-Anwendungen direkt laufen. Nur sehr komplexe Anfragen werden übers Internet in die Cloud geschickt. Einfache Aufgaben lassen sich direkt auf den Rechnern mit quelloffenen Alternativen wie Llama, Mistral oder Deepseek lösen. Das sind LLMs ohne Token-Kosten. Aber auch hier gilt: Es braucht versierte Experten für die Implementierung der Modelle und deren Anwendung. Der Mensch ist also immer noch gefragt.

Bis jetzt haben übrigens nur wenige deutsche Unternehmen die neue Kostenwirklichkeit realisiert. Das zeigt eine Umfrage der Beratung KPMG: Nur 26 Prozent der befragten Firmen haben einen umfassenden Überblick über ihre KI-Kosten, weitere 50 Prozent zumindest teilweise. 22 Prozent haben keine Transparenz und erfahren erst mit der neuesten Abrechnung, wie teuer es geworden ist, mit einem Baukran ein Bild aufzuhängen.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am heutigen Montag hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zu einer Konferenz zum Thema Künstliche Intelligenz eingeladen. Im hessischen Kloster Eberbach diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Themen wie KI-Agenten, Europas Wettbewerbsfähigkeit im KI-Bereich sowie den Einsatz von KI in Verteidigung, Industrie und Finanzwirtschaft. Gesprächsstoff gibt es genug. Siehe oben.

Am Dienstag wird in Darmstadt der Future Insight Prize 2026 verliehen. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) ist dabei, wenn die mit 300.000 Euro dotierte Auszeichnung für herausragende Forschungen und Technologien im Bereich Gesundheit, Ernährung und Energie vergeben wird. Der diesjährige Preis gilt der Pionierarbeit auf dem Gebiet der präventiven Medizin. Veranstalter und Sponsor ist die Firma Merck KGaA.

Am Mittwoch will die EU-Kommission ihre Pläne für eine einfachere Besteuerung und für Vorschriften für Energieprodukte vorstellen. Es wäre ein großer Fortschritt, wenn einmal etwas einfacher anstatt komplizierter würde. Man darf hoffen.

Am Donnerstag findet unter dem Namen „Meet & Eat“ ein politisches Austauschformat der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) an der Currywurstbude nahe dem Reichstagsgebäude statt. Bei diesem Format soll es zum Austausch zwischen Bundespolitik und Vertretern aus den Bereichen Tourismus, Hotellerie, Gaststättengewerbe und Freizeit kommen. Die Currywurstbude ist auf jeden Fall ein guter Ort für solch eine Veranstaltung. Hier ist Deutschland noch weltweit führend. Currywurst macht uns keiner nach.

Am Freitag ist großer Statistik-Tag in den USA. Veröffentlicht werden unter anderem aktuelle Zahlen zur Warenhandelsbilanz, der Michigan Consumer Sentiment Index, der monatlich die Stimmung unter den Verbrauchern in den Vereinigten Staaten misst, sowie die Baker Hughes Plattform Zählung. Dieser Index ist eines der wichtigsten Konjunkturbarometer für die Bohrindustrie und deren Zulieferer.

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