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„Wir sind heute besser aufgestellt als je zuvor“

PIMCO bleibt ein Anleihespezialist und der führende aktive Rentenmanager, verspricht Europa-Chef Frank Witt im TiAM-Interview. Doch auch bei illiquiden und privaten Schuldtiteln will der Asset-Manager noch mehr Lösungen bieten, ebenso bei Immobilienanlagen und Multi-Asset-Strategien.

09.05.2022 | 12:15 Uhr von «Uli Kühn»

TiAM: Die Inflation bleibt hoch, die Zinsen steigen und die geopolitischen Spannungen beunruhigen. Auf welche Strategien setzen Ihre Kunden in dieser schwierigen Situation?

Frank Witt: Lassen Sie mich mit den Trends des vergangenen Jahres beginnen. Vor dem Hintergrund des niedrigen Zins­niveaus gab es sehr starke Nachfrage im Bereich der alternativen Investments, zum Beispiel in den Segmenten Distressed Debt und Private Debt sowie in der Immobilienfinanzierung. Darüber hinaus setzten die Anleger, ebenfalls getrieben durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld, ihre „Search for Yield“ auch im Bereich traditioneller Assetklassen fort. In diesem Zusammenhang waren asiatische Hochzinsanleihen und andere Anlagen in Schwellenländern sehr gefragt. Das ist verständlich, denn sie können sehr interessante Chancen bieten, auch wenn beispielsweise die Herausforderungen rund um den chinesischen Immobilienmarkt einige Risiken bergen.

TiAM: Was war noch gefragt?

Witt: Aufgrund der höheren Inflation stieg auch bereits im vergangenen Jahr die Nachfrage nach inflationsgebundenen Anleihen kräftig an. Weitere hohe Nachfrage gab es bei den Multi-Asset-Produkten und bei Absolute-Return-Strategien. Viele Investoren betrachten Absolute Return heute als eine Art Bargeldersatz. Alles, was mindestens null Prozent Rendite abwirft, ohne übermäßige Risiken, kann für Anleger interessant sein, um die Negativzinsen zu vermeiden, die sie für Bareinlagen bei Banken zahlen müssen.

TiAM: Welche Fonds hatten denn die höchsten Zuflüsse?

Witt: Wir fokussieren nicht auf die Zuflüsse einzelner Fonds, aber wie Sie aus der Berichterstattung unserer Muttergesellschaft, der Allianz, ersehen können, waren unsere Lösungen im vergangenen Jahr äußerst erfolgreich. In den vergangenen vier Quartalen verzeichnete PIMCO weltweit Nettomittelzuflüsse in Höhe von mehr als 72 Milliarden Euro. Das ist vor allem auf unsere sehr gute Performance zurückzuführen: 91 Prozent unserer Vermögenswerte haben ihre jeweilige Benchmark über fünf Jahre nach Kosten übertroffen. Das ist eine Leistung, auf die wir sehr stolz sind.

TiAM: Aber ausgerechnet einer Ihrer Vorzeigefonds für Unternehmensanleihen verzeichnete 2021 Abflüsse von fast sieben Milliarden Euro. Was war da los?

Witt: Sie meinen unseren Global Investment Grade Corporate Bond Fund, nehme ich an. Diese Corporate-Bond-Strategie hat eine lange Historie. Sie wird seit ihrer Auflegung von demselben leitenden Portfoliomanager gesteuert und sie war seit ihrer Auflegung vor etwa 19 Jahren äußerst erfolgreich. Es ist nicht so ungewöhnlich, dass es nach einer so langen Zeit starker Performance zu gewissen Gewinnmitnahmen kommt, zumal die Kapitalzuflüsse in den vergangenen fünf Jahren sehr hoch waren. Es ist aber auch denkbar, dass eine Veränderung der Anlegerpräferenzen eine Rolle gespielt hat: Wir konnten 2021 Umschichtungen in die ESG-Version dieses Fonds beobachten und in ertragreichere Strategien wie Hochzinsanleihen, Schwellenländer oder alternative Anlagen.

TiAM: Welche Strategien werden in diesem Jahr gefragt sein?

Witt: Wir rechnen fest damit, dass Investoren ihre Suche nach Rendite fortsetzen werden. Die Zinssätze sind noch immer sehr niedrig und Investoren müssen Wege finden, um ihre zukünftigen Verbindlichkeiten zu erfüllen. Dies bedeutet, dass sich wahrscheinlich die Trends des vergangenen Jahres in diesem Jahr fortsetzen werden. Was unsere Fonds betrifft, so haben wir die Erfahrung gemacht, dass Anleger, die in PIMCO-Fonds investieren, vor allem großen Wert auf den konsequenten und disziplinierten Anlagestil unserer Investmentexperten legen – und dass sie unsere Expertise im aktiven Management schätzen. Dies gilt für alle Bereiche, in denen wir tätig sind – also auch für unsere Flaggschifffonds. Hierzu zählen wir mittlerweile 30 Fonds mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über einer Milliarde Dollar und vier mit einem Investitionsvolumen von über zehn Milliarden Dollar.

TiAM: PIMCO hat auch einige aktive ETFs im Programm. Wie läuft es da?

Witt: Die ETF-Verpackung hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, insbesondere für unsere kurzfristigen Strategien, da die Intraday-Liquidität für Anleger, die diese Fonds zur Verwaltung ihrer Barmittel nutzen, besonders wichtig ist. Der springende Punkt ist aber, dass ETFs für uns nur eine spezifische Form darstellen, um eine Anlagestrategie zu verpacken. Es gibt Anleger, die diese Art der Verpackung bevorzugen, weil sie beispielsweise den Intraday-Handel ermöglicht. Letztlich spielt es für uns jedoch keine Rolle, ob jemand eine unserer Strategien in Form eines Investmentfonds oder eines ETF kauft. Wichtig sind auch hier die zugrunde liegende Strategie und der Mehrwert, den PIMCO mit seinem aktiven Management bietet.

TiAM: PIMCO bleibt also ein aktiver Vermögensverwalter?

Witt: Wir waren schon immer ein aktiver Vermögensverwalter und werden dies auch weiterhin bleiben. Wir haben den Mehrwert unseres aktiven Managements in der Vergangenheit vor allem im Bereich der traditionellen festverzinslichen Wertpapiere unter Beweis gestellt, haben dies aber im Laufe der Jahre auch sehr erfolgreich auf andere Bereiche ausgeweitet, beispielsweise auf alternative Anlageformen, also illiquide oder private Schuldtitel, Immobilienanlagen und Multi-Asset-Strategien. Wir haben in den vergangenen Jahren steigende Nachfrage in all diesen Bereichen festgestellt und wir erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Da keiner dieser Märkte wirklich effizient ist, kann ein aktiver Manager wie PIMCO diese Ineffizienzen weiterhin ausnutzen und nachhaltiges Alpha generieren.

TiAM: Laut Morningstar verwaltet Ihr Haus etwa 186 Milliarden Euro in Anleihen aber nur 14 Milliarden in Mischfonds, Rohstoffen und Aktien. Ist die Diversifizierung weg von Anleihen gescheitert?

Witt: Ich meine, wir sind heute besser aufgestellt als je zuvor. Wir wollen ein Spezialist für den Anleihesektor bleiben und wir wollen unsere Position als führender aktiver Rentenmanager behaupten. Diese beiden Ziele werden wir nie aus den Augen verlieren. Aber innerhalb dieses breiten Universums haben wir sehr erfolgreich diversifiziert, von liquiden bis zu illiquiden Anlagen, von öffentlichen bis zu privaten Krediten und über die verschiedenen geografischen Regionen der Welt hinweg.

TiAM: Wie ist PIMCO bei alternativen Investments aufgestellt?

Witt: Wir sind heute einer der größten Investmentmanager im Bereich der alternativen Anlagen – dank unserer rasanten Entwicklung in den zurückliegenden zehn Jahren, unserer Erfahrung und auch aufgrund der Integration von Allianz Real Estate. Neben der Diversifizierung über das breite Anleiheuniversum hinweg haben wir unsere Fähigkeiten zur Alpha-Generierung auch sehr erfolgreich auf andere Anlageklassen angewandt: auf Rohstoffe, Aktien und Multi-Asset.

TiAM: Wie weit sind Sie mit der SFDR-­Umsetzung?

Witt: Natürlich haben wir alle Anforderungen der Sustainable Finance Disclosure Regulation umgesetzt. Wir nehmen dieses Thema sehr ernst und wenden bei unserem Investmentansatz und unseren ESG-orientierten Lösungen die gleiche Konsequenz an wie bei allen anderen Risikofaktoren. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um sie bei der Erreichung auf Nachhaltigkeit ausgerichteter Anlageziele zu unterstützen. Wir verfügen heute über eine ganze Reihe Fonds, die nach der SFDR-Verordnung als Artikel 8 oder 9 eingestuft sind.

TiAM: PIMCO befasst sich auch mit dem Thema Frauen und Investitionen. Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern, wenn es ums Investieren geht?

Witt: Für PIMCO ist das Thema Gleichstellung der Geschlechter sehr wichtig. Unser Ziel ist es, die Gleichstellung durch unser Handeln zu unterstützen, sowohl individuell als auch auf Unternehmens­ebene. Wir sind der festen Überzeugung, dass vielfältige Teams besser zusammenarbeiten und bessere Ergebnisse erzielen. Wir engagieren uns für die Vielfalt im Unternehmen und in der Investmentmanagementbranche insgesamt und werden auch in diesem Jahr mit verschiedenen Gleichstellungsorganisationen zusammen­arbeiten.

TiAM: Wie engagieren Sie sich denn für die Gleichstellung?

Witt: Im Mittelpunkt steht unsere Plattform Women & Investing, die aus drei Säulen besteht. Erstens „Women and Investing“, die darauf abzielt, mehr Frauen in das Portfoliomanagement und in Führungspositionen zu bringen; zweitens „Investing in Women“, wo wir die Ressourcen, die Zeit und die Talente unserer Mitarbeiter mit führenden Organisationen auf der ganzen Welt zusammenbringen, um so die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Die dritte Säule nennen wir „Women as Investors“. In dieser Säule finden Sie Antworten auf Ihre Frage. Mit einer Umfrage haben wir beispielsweise herausgefunden, dass Frauen in der Corona-Krise keine panikartigen Änderungen an ihren Portfolios oder ihrer Anlagephilosophie vorgenommen haben.

TiAM: PIMCO verfügt über mehr als 20 Niederlassungen. Können Sie uns
sagen, wo Europa in der internen „Hackordnung“ rangiert?

Witt: Europa macht etwa ein Drittel des Geschäfts von PIMCO aus und ist damit ein sehr wichtiger Markt. Dahinter steht eine dynamische Entwicklung. Das erste Büro von PIMCO auf dem alten Kontinent wurde erst 1998 in London eröffnet. Heute ist Europa eine der drei großen Säulen von PIMCO weltweit und wird als Markt mit erheblichem Wachstumspotenzial gesehen.

TiAM: Bloomberg berichtete vergangenes Jahr, dass Sie im Münchner Büro viele Stellen abbauen. Bleibt der Standort München erhalten?

Witt: Auf jeden Fall. Wir überprüfen kontinuierlich unsere Standortstrategie, unsere Ressourcen und unsere Produkte, um schnell auf globale Herausforderungen reagieren zu können und die Marktchancen für unsere Kunden zu maximieren. Schlüsselfaktor für München ist, dass wir in Deutschland und in der EMEA-Region insgesamt stark wachsen, und wir erwarten, dass es so weitergeht. In dieser Hinsicht bleibt Deutschland ein sehr wichtiger Schwerpunkt für PIMCO. Das Münchner Büro wird auf jeden Fall weiterhin strategisch enorm wichtig sein und bleibt die Drehscheibe für Kunden- und Investorenkontakte in Deutschland, Österreich und anderen EU-Ländern. Sie dürfen dabei natürlich auch nicht vergessen, dass die Allianz, unsere Muttergesellschaft und unser größter Kunde, von unserem Münchner Büro aus betreut wird.

TiAM: Noch eine abschließende Frage: Wie oft waren Sie eigentlich in den vergangenen Jahren im kalifornischen Hauptsitz?

Witt: Vor Beginn der Corona-Pandemie war ich vier- bis fünfmal im Jahr dort – und das hauptsächlich, um an unseren Investmentforen teilzunehmen. Während der Pandemie musste ich, wie wir alle, von diesen Reisen absehen. Insgesamt haben wir uns aber schnell an die veränderte Situation durch die Corona-Krise angepasst. Dennoch muss ich zugeben, dass mir der persönliche Austausch sowohl intern als natürlich auch mit unseren Kunden sehr wichtig ist und fehlt und ich mich darauf freue, wieder mehr persönliche Gespräche zu führen.

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