Viele Anleger hoffen, im vergangenen Börsenjahr einen Hinweis auf das kommende zu finden. War das letzte Jahr stark, soll es so weitergehen. War es schwach, erwarten viele eine Erholung. Doch so einfach ist es nicht, zeigt eine neue Untersuchung von HQ Trust.
03.02.2026 | 08:15 Uhr
Denn ein Blick auf 100 Jahre Börsengeschichte zeigt: Die Märkte lassen sich von ihrer eigenen Vergangenheit nur wenig beeindrucken.
Um zu prüfen, ob Investoren etwas aus der Performance des Vorjahres lernen können, hat Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, die Wertentwicklung des marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 untersucht. Gemessen wurde die Gesamtrendite (Total Return) in US-Dollar, also inklusive Dividenden – und das über einen Zeitraum von 100 Jahren.
Um mögliche Muster zu erkennen, teilte Pascal Kielkopf die Anlagejahre von 1925 bis 2025 nach ihrer Vorjahresperformance in fünf gleich große Gruppen, sogenannte Quintile, ein: von besonders schwachen Börsenjahren bis hin zu außergewöhnlich starken. Anschließend analysierte der Experte, wie sich der Markt jeweils im Folgejahr entwickelt hat.
· „Die Performance des Vorjahres ist kein verlässlicher Indikator für das kommende Jahr.“
· „Die besten Folgejahre gab es nach mittelmäßigen Vorjahren: Die höchste durchschnittliche Rendite lag bei 17,1 Prozent – und zwar nach Vorjahren mit leicht negativem bis leicht positivem Verlauf.“
· „Starke Vorjahre sind kein Garant für neue Höhenflüge. Nach besonders guten Jahren lag die Rendite des Folgejahres im Schnitt bei nur 7,3 Prozent .“
· „Deutliche Gegenbewegungen gab es auch nicht: Nach sehr schwachen Jahren lag die Folgejahresrendite im Schnitt bei nur 6,3 Prozent- das schlechteste Ergebnis.“

Worauf Investoren außerdem achten sollten:
· „Zum Teil unterscheiden sich die Mittelwerte der einzelnen Quintile deutlich, doch die Streuung innerhalb jeder Kategorie ist enorm.“
· „In allen Quintilen reicht die Spannbreite der Folgejahre von deutlichen Verlusten bis hin zu kräftigen Gewinnen.“
· „Vor allem nach besonders guten und schlechten Jahren bleibt die Volatilität auch in den Folgejahren oft erhöht.“
· „Die 100-Jahres-Analyse basiert auf US-Dollar-Werten. Für Euro-Anleger kann die tatsächliche Rendite wegen der Wechselkurse durchaus abweichen.“
Was Pascal Kielkopf Anlegerinnen und Anlegern rät:
· „Wer auf kurzfristige Muster setzt und seine Anlagestrategie vom Vorjahr abhängig macht, handelt eher emotional als rational.“
· „Die breite Streuung der Renditen zeigt, dass die Börse sich nicht an einfache Regeln hält.“
· „Statt auf Rückblicke zu setzen, lohnt sich ein langfristiger Blick – und eine robuste Strategie, die auch ohne Kristallkugel funktioniert.“ (pg)
Diesen Beitrag teilen: