Acatis-Chef Hendrik Leber erklärt im Interview, wo er aktuell Chancen für Investoren sieht, weshalb er die USA untergewichtet und warum ein unscheinbarer Kreditmarkt zur größten Gefahr für das globale Finanzsystem werden könnte.
05.02.2026 | 09:35 Uhr von «Peter Gewalt»
TiAM FundResearch: Herr Leber, Sie haben Ihre regionalen Schwerpunkte zuletzt klar verschoben. Was macht bestimmte Märkte für Sie besonders attraktiv?
Dr. Hendrik Leber: Wir haben die USA in unseren Fonds deutlich reduziert. Zum einen wegen der politischen Unsicherheit, zum anderen wegen der kreditfinanzierten Konsumdynamik, die ins Stocken geraten könnte. Gleichzeitig erhöhen wir die Gewichtung in Asien – vor allem Japan und China. Dort sind die Bewertungen realistischer, viele Unternehmen sind finanziell solide, und die wirtschaftliche Entwicklung wirkt weniger überhitzt. Auch Südamerika bietet Chancen: Digitale Finanzdienstleister und E‑Commerce‑Plattformen erzielen dort beeindruckende Wachstumsraten und profitieren von einer jungen, digitalen Kundschaft.
Welche Segmente überzeugen Sie derzeit am meisten?
Small Caps laufen aktuell stark, weil sie nach Jahren der Unterbewertung jetzt wiederentdeckt werden. Auch der Gesundheitssektor hat sich deutlich erholt – viele Unternehmen hatten nach pandemiebedingten Verwerfungen zu niedrigen Bewertungen. Einzelne südamerikanische Finanz- und Technologieunternehmen haben zudem zu einer sehr soliden Performance beigetragen. Bemerkenswert ist trotz der jüngsten Turbulenzen auch Gold: In einem unserer Fonds ist es ein wichtiger Stabilitätsanker und hat zuletzt überdurchschnittlich zugelegt, was klar zeigt, wie angespannt die geopolitische Lage ist.
Sie sprechen von Unsicherheit – wo sehen Sie die größten Risiken für die globalen Märkte?
Das Hauptrisiko liegt in einem
Bereich, den viele Anleger kaum im Blick haben: dem privaten Kreditmarkt, also Private
Debt. Dort werden große Transaktionen außerhalb des klassischen Bankensystems
finanziert – ohne die Regulierungsmechanismen, die wir von Banken kennen. Wenn
in diesem Netzwerk ein Baustein ausfällt, kann das eine Kaskade auslösen. Wir
wissen aus früheren Krisen: Probleme beginnen oft an Stellen, an denen die
Aufsicht nicht hinsieht.
Die
Notenbanken könnten diesmal nicht mehr automatisch retten – schlicht, weil
dieser Markt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Das macht das System
verwundbar.
Wie schützen Sie Ihre Fonds gegen solche Risiken?
Wir nutzen punktuelle Absicherungen, etwa weit aus dem Geld liegende Put‑Optionen. Solche Instrumente kosten wenig, aber sie greifen, wenn es wirklich kracht. Außerdem reduzieren wir Exponierungen in Märkten, in denen wir strukturelle Schwächen sehen – wie aktuell den USA. Gold bleibt ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Und wir setzen verstärkt auf Regionen und Unternehmen mit soliden Bilanzen, verlässlichen Cashflows und geringer Verschuldung.
Ihr Fazit für Anleger?
Asien stärker berücksichtigen, südamerikanische Wachstumsstorys nicht unterschätzen und gleichzeitig Risiken realistisch einschätzen. Wir leben in einer Zeit, in der robuste Geschäftsmodelle wichtiger sind als große Versprechen. Das gilt für Regionen, Branchen und einzelne Unternehmen gleichermaßen.
Informieren Sie sich in unseren Newslettern regelmäßig über die besten Fonds und ETFs. Dazu gibt es aktuelle News aus der Fondsbranche. Hier können Sie sich anmelden.
Weitere interessante Neuigkeiten erfahren Sie auf FundResearch TV. Dort stehen die Fonds-Experten Rede und Antwort zu aktuellen Entwicklungen an den Märkten und den besten Investment-Chancen.
Diesen Beitrag teilen: