
Interview mit Sabine Knee, Fondsmanagerin
21.01.2026 | 08:27 Uhr
Frau Knee, der FU Fonds Multi-Asset weist aktuell einen
vergleichsweise hohen Anteil an Bau- und Infrastrukturwerten auf. Was
steckt hinter dieser Positionierung?
Die Gewichtung ist das Ergebnis unserer konsequent aktiven
Branchenrotation. Der Fonds ist derzeit mit 12,64 Prozent im Segment
Infrastruktur und Bau investiert. Wir haben diesen Bereich bereits zu
einem Zeitpunkt aufgebaut, als viele Investoren ihn noch weitgehend
ignoriert haben. Zyklische Unsicherheiten, steigende Zinsen und
politische Zurückhaltung bei Investitionsprogrammen hatten lange Zeit zu
einer Unterbewertung geführt.
Welche Titel stehen dabei exemplarisch für diese Ausrichtung?
Zu den Kernpositionen zählen unter anderem Hochtief, Heidelberg
Materials sowie die spanische ACS, die als Muttergesellschaft von
Hochtief eine zentrale Rolle im europäischen Infrastrukturgeschäft
spielt. Diese Unternehmen verfügen über volle Auftragsbücher, starke
Marktpositionen und eine hohe Visibilität der künftigen Cashflows.
2025 haben Bau- und Infrastrukturwerte deutlich angezogen. Was hat den Stimmungsumschwung ausgelöst?
Mehrere Faktoren kommen zusammen. Zum einen steigt der politische
Druck, Investitionen endlich umzusetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz
hat zuletzt offen eingeräumt, dass die bisherigen wirtschaftspolitischen
Maßnahmen noch nicht zu einer spürbaren Belebung geführt haben. Zum
anderen steht mit dem Sondervermögen für Infrastrukturprojekte
erhebliche Finanzierungskraft bereit. Der Markt beginnt, diese
Perspektive einzupreisen.
Warum liegt der regionale Schwerpunkt klar auf Europa und nicht auf Nordamerika?
Die Investitionsdynamik in Europa ist strukturell getrieben. Viele
Länder haben einen erheblichen Nachholbedarf bei Verkehrswegen,
Energieinfrastruktur und öffentlicher Bauinvestition. Das Sondervermögen
dürfte vor allem deutschen und europäischen Unternehmen zugutekommen.
In Nordamerika sind entsprechende Programme bereits weiter
fortgeschritten und stärker bewertet.
Welche zusätzlichen Impulse könnten den Sektor weiter stützen?
Ein mögliches Ende des Krieges in der Ukraine wäre ein erheblicher
zusätzlicher Treiber. Der Wiederaufbau des Landes würde über Jahre
hinweg enorme Bau- und Infrastrukturleistungen erfordern. Ähnliches gilt
– unter anderen politischen Voraussetzungen – auch für einen möglichen
Wiederaufbau des Gazastreifens. Solche Szenarien sind heute noch nicht
eingepreist, erhöhen aber das langfristige strukturelle Potenzial des
Sektors.
Wie fügt sich das Segment in die Gesamtstrategie des Fonds ein?
Bau- und Infrastrukturwerte stehen exemplarisch für unseren Ansatz,
antizyklisch zu investieren und strukturelle Trends frühzeitig zu
identifizieren. Die aktuelle Gewichtung ist kein statisches Bekenntnis,
sondern Ausdruck unserer Überzeugung, dass sich Risiko-Rendite-Profile
im Markt laufend verschieben – und aktiv genutzt werden müssen.
Fonds: FU Fonds – Multi Asset Fonds – LU0368998240 (P) / LU1102590939 (I)
Gesellschaft: Heemann Vermögensverwaltung AG
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