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„Diese Werte besitzen einen integrierten Inflationsschutz"

M&G-Kapitalmarktstratege Ivan Domjanic spricht im TiAM-FundResearch-Interview über die Folgen der Inflation auf die Kapitalmärkte, die Gefahr einer Stagflation sowie seine favorisierten Aktien und Fondsstrategien.

06.04.2022 | 12:35 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM: Wie sehen Sie die aktuelle Marktsituation für Investoren?

Ivan Domjanic: Das Umfeld war schon vor dem Ukraine-Konflikt inflationär geprägt, aber man ist davon ausgegangen, dass der konjunkturelle Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnt. Durch den Krieg in der Ukraine ist das inflationäre Umfeld jetzt aber noch mehr gestärkt worden. Die steigenden Rohstoff- und Energiepreise heizen die Kosteninflation an. Dies drückt auf die Wirtschaftsstimmung insbesondere in Europa, wo die Abhängigkeit von Gas noch stärker ist als in den USA. Soll heißen: Der wirtschaftliche Ausblick ist etwas gedämpfter als vor der Invasion und die Inflationsgefahr hat sich etwas erhöht.

TiAM: Welche Folgen hat dies für die Notenbanken?

Domjanic: Wir sehen, dass die Zentralbanken trotz der Unsicherheiten nicht von ihrer hawkishen Haltung abrücken, die Inflation zu bekämpfen. Das gilt insbesondere für die Fed. Den ersten Zinsschritt haben wir gesehen, der Markt preist aber sieben weitere ein. Die Anleiherenditen steigen daher, eine Kehrtwende ist vorerst nicht in Sicht.

TiAM: Und die EZB?

Domjanic: Die EZB war etwas vorsichtiger, weil die Inflationsraten auf dem Alten Kontinent niedriger waren, jetzt aber herrscht ein höherer Inflationsdruck. Man merkt, dass die EZB daher etwas hawkisher geworden ist. Insgesamt hat sich noch nicht so viel verändert an dem insgesamt inflationären Umfeld.

TiAM: Wie groß ist denn die Gefahr einer Stagflation?

Domjanic: Klar, die Stagflationsrisiken haben zugenommen. Die Inflation ist höher, das Wachstum schwächer. Aber eine stagnierende Wirtschaft ist kein Basisszenario für uns. Denn die Konsumenten haben in der Pandemie Ersparnisse angehäuft, die sie nun ausgeben können. Liquiditäts- und Nachholeffekte sind also reichlich vorhanden. Auch in der Industrie hat man sich wegen der Pandemie mit Investitionen zurückgehalten. Diese müssen nun nachgeholt werden. Verbraucher und Industrie spüren natürlich die gestiegenen Rohstoffpreise. Das ist ein bremsender Effekt. Insgesamt ist aber die Ausgangslage relativ gut, so dass wir eine echte Stagflation eher nicht erwarten. Allerdings gilt es, die Risiken für mögliche weitere Eskalationsstufen im Hinblick auf Sanktionen, wie zum Beispiel ein potenzielles Energie-Embargo, im Blick zu behalten.

TiAM: Sie hatten die steigenden Anleiherenditen erwähnt. Welche Aktien profitieren davon besonders?

Domjanic: Value-Titel werden von steigenden Anleiherenditen weniger stark getroffen als Wachstumsunternehmen, deren Gewinne weiter in der Zukunft liegen. Die höheren Zinsen reduzieren vor allem den Barwert künftiger Cashflows der Wachstumswerte. Daher dann kann man davon ausgehen, dass diese Value-Rotation noch nicht am Ende ist, wenn sich das Umfeld wie beschrieben weiterentwickelt.

TiAM: Welche Art von Value-Titeln favorisieren Sie?

Domjanic: Hätten Sie mich vor ein, zwei Monaten gefragt, dann hätte ich zyklische Value-Titel empfohlen. Aktuell würde ich eher aber defensive Value-Titel vorziehen wie zum Beispiel aus dem Versorger- und Gesundheitssektor. Aber auch bestimmte Qualitätsunternehmen sind empfehlenswert.

TiAM: Welche?

Domjanic: Unternehmen etwa, die weniger kapitalintensiv und daher weniger abhängig von der steigenden Kosteninflation sind. Oder Unternehmen, die eine starke Preissetzungsmacht haben und damit am besten mit der Kosteninflation zurechtkommen, da sie diese an den Konsumenten weitergeben können. Aber Vorsicht: Einige Qualitätstitel sind schon sehr sportlich bewertet, während die Value-Titel im Großen und Ganzen trotz des Niedrigzinsumfeldes durchaus moderat bewertet sind, auch im historischen Kontext. So ein Mix aus Value und Qualitätstiteln dürfte daher im aktuellen Umfeld eine sinnvolle Option darstellen.

TiAM: Unprofitable Technologiewerte sind heftig unter Druck gekommen. Sollten Anleger schon wieder zugreifen?

Domjanic: Gerade die unprofitablen Technologietitel befinden sich seit März letzten Jahres in einem klaren Abwärtstrend. Zuletzt haben sie sich aber wieder etwas erholt trotz der steigenden Anleiherenditen. Das spricht meiner Meinung nach für eine technisch überverkaufte Situation, die jetzt etwas korrigiert wird. Aber wenn die Renditen weiter steigen, wird das Wachstumssegment insgesamt weiterhin Nachteile haben. Wir konzentrieren uns daher lieber auf die solideren Titel, die Cash-Flows haben. Da fühlen wir uns als wertorientierte Investoren deutlich wohler.

TiAM: Angesichts des aktuellen Ukraine-Kriegs. Sollten Investoren Europa meiden?

Domjanic: Grundsätzlich waren die Bewertungen in Europa schon vor dem Ukraine-Konflikt günstiger als in den USA. Da der Ukraine-Konflikt stärker auf Europa wirkt, ist dies nachteilig für europäische Titel. Zudem ist der europäische Aktienindex zyklischer, exportorientierter und abhängiger von den Rohstoffen. Dagegen sind etwa die US-Technologieriesen vom Konflikt kaum oder gar nicht betroffen. Microsoft und Alphabet etwa sind weniger kapitalintensiv, weniger abhängig von den Energiepreisen, global präsent und besitzen viel Preissetzungsmacht. Sie sind daher eher Qualitäts- denn reine Wachstumswerte und kommen mit der Situation weitaus besser zurecht.

TiAM: Rechnen Sie mit Gewinneinbrüchen bei europäischen Titeln?

Domjanic: Das kommt auf den Sektor an. Bei der Industrie und zyklischen Konsumgüterherstellern werden wir Margendruck und eine Reduzierung der Gewinnaussichten auch von Analysten sehen. Einen großen Gewinneinbruch in der Breite erwarte ich aber nicht.

TiAM: Welche M&G-Fonds favorisieren Sie in diesem Umfeld besonders?

Domjanic: Auf der Aktienseite gibt es zwei Strategien, die ich aus unserem Hause interessant finde. Da ist einerseits der M&G (Lux) European Strategic Value Fund, der ein ausbalanciertes Value-Portfolio mit defensiven Bestandteilen aufweist. Der Fonds ist nicht nur auf Zykliker und Banken ausgerichtet, sondern auch mit einem großen Anteil im Gesundheitswesen und in anderen Sektoren investiert, die weniger von diesem Konflikt betroffen sind. Außerdem spielt auch der Energiesektor im Fonds eine wichtige Rolle. Und andererseits würde ich den M&G (Lux) Global Listed Infrastructure Fund hervorheben, der von den defensiven Eigenschaften der Infrastrukturaktien profitiert und auch vor Inflation schützen kann.

TiAM: Inwiefern?

Domjanic: Die Erträge der Infrastrukturunternehmen sind zum Teil inflationsindexiert. Daher bieten die Konzerne eine Art integrierten Inflationsschutz. Und unsere Strategie ist zudem auf wachstumsorientierte Infrastrukturunternehmen ausgerichtet, die ein starkes Dividendenwachstum bieten. Diese Werte sollten sich daher in einem inflationären Umfeld gut behaupten können.

TiAM: Welche Aktien meiden Sie?

Domjanic: Wo man aktuell nicht investiert sein will, sind Bond-Proxis. Soll heißen: Unternehmen, die auf den ersten Blick attraktive Dividenden ausschütten aber kein Wachstum aufweisen, und sich ähnlich verhalten wie sehr lang laufende Anleihen. Und wie vorhin erwähnt, sind wir bei unprofitablen High-Growth-Titeln sehr vorsichtig, deren Cash-Flows weit in der Zukunft liegen und immer noch teuer bewertet sind.

TiAM: Was halten sie von Energiewerten angesichts der Rohstoffpreisrally?

Domjanic: Diese Titel sind durchaus interessant. Wir haben im zuvor erwähnten Infrastrukturfonds etwa Erdgas-Pipelinebetreiber im Portfolio, die durchaus noch Potenzial haben, weil Erdgas eine wichtige Übergangsenergiequelle für mindestens zehn Jahre sein wird und auch eine wichtige Rolle in den Schwellenländern spielen. Und in unserem Value-Portfolio sind große Energieunternehmen berücksichtigt, die sich in Sachen Nachhaltigkeit neu zu orientieren beginnen und im Hinblick auf die Energiewende in Zukunft eine wichtige Rolle spielen können.

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