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"Wir brauchen eine kluge Wirtschaftsförderung"

Wer hat im Handelsstreit die Nase vorn? Was folgt nach dem Brexit? Kommen wir doch noch an einer Rezession vorbei? FundResearch sprach mit dem Präsident des IfW Kiel, Professor Gabriel Felbermayr.

11.06.2019 | 06:53 Uhr von «Thomas Gräf»

Handel, Zölle und Brexit halten Aktienmärkte und Asset Manager in Atem. Was Investoren in Zukunft erwartet, darüber wird der Präsident des IfW Kiel, Professor Gabriel Felbermayr, auf dem €uro Fund Forum in Hamburg sprechen. Wir haben ihn vorab zu seiner Sicht auf die wesentlichen Fragen der Weltkonjunktur befragt.

FundResearch: Wer hat im Handelsstreit zwischen China und den USA den längeren Atem, bzw. welcher der beiden Staaten kann die Defizite im Handel mit dem jeweils
anderen durch Alternativen ausgleichen?

Professor Gabriel Felbermayr: Ökonomisch sind die Amerikaner stärker, weil sie wesentlich mehr aus China einführen als umgekehrt. Der Wert der Importe in die USA ist rund 400 Milliarden Dollar höher als umgekehrt. Am Ende werden die Zolleinnahmen zwar auch die amerikanischen Verbraucher über höhere Preise bezahlen müssen, aber eben auch die chinesischen Produzenten. Sie werden auf Gewinne verzichten müssen, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Deshalb hat die Trump-Regierung in dem Konflikt die besseren Karten. Sollte der Konflikt eskalieren, haben die Chinesen mehr zu verlieren. Das heißt aber nicht, dass China nicht Instrumente hat, mit denen es den USA erheblichen Schaden zufügen kann.

FR: Das Vorgehen des US-Präsidenten scheint durch Irrationalität geprägt. Kann er
damit langfristig erfolgreich sein?

Felbermayr: Individuell ist es für die Amerikaner durchaus rational, kollektiv für die Weltgemeinschaft ist es irrational. Es entsteht ein Kampf „Amerika first“ gegen „China first“ - und auch in Europa und Deutschland werden Forderungen nach einer an nationalstaatlichen Zielen orientierten Industriestrategie immer lauter. Für sich genommen mögen diese Ansätze rational sein, in der Summe führen sie aber nicht zu einer besseren Welt: Ganz im Gegenteil, es werden Wachstumspotenziale beschädigt. Das Vertrauen in den freiheitlichen Welthandel, das die USA einst als Hegemon durchgesetzt haben und das vielen Ländern der Welt Wohlfahrtsgewinne gebracht hat, gibt es nicht mehr.

FR: Welche wirtschaftlichen Folgen werden in naher Zukunft aus dem Brexit für
Großbritannien bzw. für die EU erwachsen?

Felbermayr: Das starke Abschneiden der Brexit-Partei in Großbritannien in den Europaparlamentswahlen erschwert die Verhandlungen über den Austritt des Vereinigten Königreichs nach dem Rücktritt der Premierministerin zusätzlich. Die Risiken für einen No-Deal-Brexit sind gestiegen. Zwar sind die Kosten in diesem Fall nach den bekannten Studien für die Briten deutlich höher als für die EU, aber vieles hängt von den konkreten politischen Schritten der Briten in einem solchen Szenario ab. Außerdem entsteht mit dem Austritt ohne Deal auch für die anderen EU-Länder ein beträchtlicher Schaden. Neben den direkten Handelseffekten würde die Verhandlungsmacht der EU in internationalen Verhandlungen mit den USA und China geschwächt. Die relative Bedeutung  protektionistischer Strömungen in Europa würde durch den Brexit gestärkt. Die EU sollte deshalb alles tun, um einen No-Deal-Brexit abzuwenden, und mit Verhandlungsangeboten auf die Briten zugehen. Es muss darum gehen, sie zum Beispiel über einen Zollverein eng in den EU-Binnenmarkt einzubinden und ihnen auch Mitspracherechte einzuräumen.

FR: Sollten populistische Politiker wie Nigel Farage oder Boris Johnson in Großbritannien nach dem Ausscheiden Mays weiteren Einfluss gewinnen, wie wird sich dann das Verhältnis zur EU mittelfristig gestalten?

Felbermayr: Nach allem, was wir bislang sehen, werden sie eine weniger auf internationale Kooperation angelegte Politik fahren, als es die bisherigen Regierungen Großbritanniens getan haben. Für Deutschland geht womöglich ein wichtiger Verbündeter für Freihandel verloren. Neben den handelspolitischen Fragen sind auch andere hohe politische Kosten zu erwarten, etwas in der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit. Je distanzierter Großbritannien und die EU zueinander stehen, desto schädlicher ist das für Europa insgesamt.

FR: Ist die deutsche Wirtschaft noch einmal an einer Rezession vorbeigeschrammt?
Welche Sektoren verzeichnen Wachstum, welche stagnieren bzw.
schrumpfen?

Felbermayr: Wir sehen schon sehr deutliche Bremsspuren in der deutschen Konjunktur – vor allem in den Industriebranchen. Der Dienstleistungssektor läuft dagegen überraschend gut. Es kann aber ein Überschwappen auf andere Branchen geben, wenn die Industrie nachhaltig schrumpft. Darauf werden wir in unseren nächsten Konjunkturprognosen genau achten. Da wir immer noch Fachkräftemangel haben und die Zuwanderung nicht mehr besonders hoch ist, ist die Schwäche der Industrie bislang noch nicht sehr hart auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Aber auch da bleibt abzuwarten, wie lange das so bleibt. Die politische Unsicherheit durch Brexit und Handelskriege ist natürlich auch das Gegenteil eines Konjunkturtreibers.

FR: Wie ist Deutschland international aufgestellt hinsichtlich der Digitalisierung
und Automatisierung? Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die
Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten?

Felbermayr: Wie das Deutschland betreffen wird, können wir derzeit kaum seriös voraussehen. Es gibt Studien, etwa der OECD, wonach 55 Prozent der Jobs in der Industrie im Prinzip automatisiert werden können. Aber was technisch möglich ist, muss nicht unbedingt ökonomisch sinnvoll sein. Und Deutschland hat einen Vorteil, der das Land gegen solche strukturellen Verwerfungen widerstandsfähiger macht: sein duales Ausbildungssystem. Damit können Fachkräfte besser auf technische Veränderungen vorbereitet werden und das Land und seine Wirtschaft können sich schneller auf technologischen Wandel einstellen.

FR: Wie können wir diesen Standortvorteil besser nutzen?

Felbermayr: Was wir brauchen, ist eine kluge Wirtschaftsförderung, also Technologiepolitik und Standortpolitik, die für alle Branchen und Unternehmensgrößen gleichermaßen gilt und keine Industriestrategie, die „nationale Champions“ fördert. Die Politik sollte die Standards für alle verbessern: mehr Forschungsförderung, die steuerliche Gleichbehandlung von Eigen- und Fremdkapital und eine bessere Förderung von Kapitalgebern für Start-ups, damit die nicht nach drei Jahren in die USA verschwinden und mit Geld aus dem Silicon Valley expandieren. 

Gabriel Felbermayr (42) hat in Linz Volkswirtschaftslehre studiert und wurde am European University Institute in Florenz über den Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und internationalem Handel promoviert. In Tübingen habilitierte er  2008 und war bis 2011 Professor für Volkswirtschaftslehre in Hohenheim. Ab 2010 leitete Felbermayr das ifo Zentrum für Außenwirtschaft in München. Seit März 2019 ist er Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Kiel.

Auf dem FUND FORUM Hamburg am 13.06.2019 können Sie dem Professor Felbermayr live folgen.
Registrierungen sind hier noch möglich.

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