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iShares: Europa wird für ETF-Anleger wieder spannender

Tom Husmann erklärt im Workshop, warum Investoren europäische Aktien zunehmend granularer steuern.
ETF

Europa ist zurück auf der ETF-Agenda. Doch Anleger investieren längst nicht mehr einfach nur in klassische Länderindizes. Auf dem Munich Fund Summit erklärte BlackRock-Stratege Tom Husmann, warum Investoren europäische Aktien zunehmend granularer steuern – und weshalb die geografische Umsatzstruktur von Unternehmen künftig wichtiger sein könnte als ihr Börsenlisting oder Hauptsitz.

02.06.2026 | 13:30 Uhr von «Jörn Kränicke»

Tom Husmann, Leiter iShares EMEA Core Equity Produktstrategie bei BlackRock, referierte auf dem 2. Munich Fund Summit darüber, dass Investoren europäische Aktien neu entdecken – und warum klassische Länderindizes zunehmend an ihre Grenzen stoßen.

Europäische Aktien-ETFs rücken laut Husmann wieder stärker in den Fokus. Nachdem viele Anleger in den vergangenen Jahren vor allem auf die Dominanz amerikanischer Technologieaktien gesetzt hätten, richteten Anleger ihren Blick wieder verstärkt auf Europa. Gleichzeitig verändere sich die Art und Weise, wie Investoren europäische Märkte abbilden.

„Europäische Exposures übernehmen heute eine doppelte Rolle: Sie sind strategischer regionaler Baustein und zugleich taktisches Instrument für gezielte Positionierungen“, sagte Tom Husmann.

Nach Zahlen des BlackRock Global ETP Landscape verzeichneten europäische Aktien-ETFs im ersten Quartal 2026 Nettomittelzuflüsse von 99 Milliarden US-Dollar. Global ausgerichtete Aktienstrategien lagen mit 43 Milliarden US-Dollar Zuflüssen an der Spitze, wobei ihre europäischen Exposures allein 25 Milliarden US-Dollar auf sich vereinten – deutlich mehr als die 14 Milliarden US-Dollar im Vorquartal.

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Anleger investieren zunehmend präziser

Auffällig ist dabei insbesondere die Verschiebung hin zu granularen ETF-Strategien. Laut Husmann allokieren Anleger inzwischen verstärkt sowohl in breite Kernexposures als auch in sehr gezielte Investments. Innerhalb der europäischen ETF-Zuflüsse entfielen im ersten Quartal 2026 bereits 55 Prozent auf sogenannte präzise Strategien – nach lediglich 35 Prozent Ende 2025.

Warum Länderindizes neu gedacht werden

Gleichzeitig stellt BlackRock gemeinsam mit dem Indexanbieter STOXX eine neue Definition von Länderallokationen vor. Es zeigt sich, dass in einer globalisierten Wirtschaft der Sitz eines Unternehmens oft nur noch begrenzt etwas über seine tatsächliche wirtschaftliche Abhängigkeit aussagt.

„Die heutigen Märkte werden von Politik, Zöllen, Wechselkursen und geopolitischen Entwicklungen bestimmt – diese Faktoren beeinflussen vor allem, wo Unternehmen ihre Umsätze erzielen, und nicht, wo sie gelistet sind“, sagte Husmann.

So erwirtschaften viele europäische Konzerne einen Großteil ihrer Erlöse außerhalb ihres Heimatmarktes. Umgekehrt sind Unternehmen mit derselben Börsennotierung mitunter völlig unterschiedlich von regionalen Entwicklungen betroffen. Genau darin sieht BlackRock einen oft übersehenen Diversifikationsaspekt.

Die von iShares gemeinsam mit STOXX entwickelten „Revenue Focus“-Indizes sollen deshalb die geografische Umsatzverteilung stärker berücksichtigen. Neben dem Börsenlisting fließt dabei laut Sahand Taghizadeh, Head of Investable Benchmarks bei STOXX, auch ein, in welchen Regionen Unternehmen ihre Umsätze tatsächlich generieren.

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Nach Ansicht von Husmann ermöglicht diese Herangehensweise eine präzisere Sicht auf globale Diversifikation. Die Unterscheidung zwischen Unternehmen mit überwiegend heimischen Umsätzen (Domestic) und solchen mit überwiegend internationaler Umsatzbasis (Foreign) mache unterschiedliche Risikoprofile und Performance-Muster innerhalb von klassischen Benchmarks, wie dem STOXX Europe 600, sichtbar.

Strategische Allokation trifft taktische Flexibilität

Für Anleger entsteht daraus eine neue ETF-Architektur: Breite Europa-Indizes bleiben zentrale Kernbausteine der strategischen Vermögensallokation, werden jedoch zunehmend durch spezialisierte Satellitenstrategien ergänzt.

„Anleger benötigen heute sowohl effiziente Kernbausteine für die strategische Allokation als auch gezielte Bausteine für taktische Überzeugungen“, sagte Husmann.

Als Beispiele nannte er Single-Country-, Themen-, Faktor- oder Domestic/Foreign-Focus-Strategien sowie Sektoransätze wie „Europe Supersectors“. Solche Produkte erlaubten es Investoren, gezielt auf politische, wirtschaftliche oder strukturelle Entwicklungen innerhalb Europas zu setzen.

Für BlackRock ist genau diese Kombination entscheidend: kosteneffiziente Beta-Allokation auf der einen Seite, granulare ETF-Implementierung auf der anderen. Denn europäische Aktienmärkte würden so aus Sicht vieler Anleger komplexer, heterogener – und damit auch selektiver investierbar.

Europa ist damit laut Husmann an den Kapitalmärkten nicht nur zurück auf der Agenda. „Die Region wird zunehmend differenziert betrachtet – und genau darin liegt derzeit einer der wichtigsten Trends im ETF-Markt.“

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