Die Aktienmärkte verzeichnen einen Rekordstand nach dem anderen, doch die Stimmen, die vor einer bevorstehenden Korrektur warnen, mehren sich. Namhafte Investoren wie Michael Burry verweisen insbesondere auf strukturelle Risiken im KI-Sektor. Für Anleger, die an der Aufwärtsbewegung partizipieren möchten, ohne das volle Aktienrisiko zu tragen, rückt eine hybride Anlageklasse zunehmend in den Fokus: Wandelanleihen.
25.08.2026 | 08:55 Uhr von «Jörn Kränicke»
Oliver Gasser ist CEO der Bantleon Convertible Experts AG und verantwortet die Unternehmensführung sowie das Portfoliomanagement. Seine Karriere begann nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA). Anschließend war er in verschiedenen Funktionen im Handel der SKA sowie bei Credit Suisse First Boston in Zürich tätig. Parallel absolvierte er ein Bachelor-Studium der Betriebsökonomie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Von 2002 bis 2007 arbeitete Gasser bei UBS in Zürich als Credit-Portfoliomanager mit Schwerpunkt auf Verbriefungen und Kreditderivaten. Danach wechselte er zu Credit Suisse Asset Management, wo er zuletzt das Team Global Credit & Convertibles leitete. 2017 übernahm Gasser die Position des CEO der AgaNola AG, die nach einer Mehrheitsbeteiligung im Jahr 2020 in Credit Suisse Investment Partners AG umfirmiert wurde. Im Oktober 2024 erwarb Bantleon die Mehrheit am Unternehmen und es wurde in Bantleon Convertible Experts umbenannt. Seit Juni 2026 ist es eine 100-prozentige Tochter der Bantleon AG. Gasser ist mit seinem Team unter anderen für die erfolgreichen Bantleon Global Convertible Fonds verantwortlich.
Angesichts der anhaltenden Höchststände mehren sich die kritischen Stimmen am Markt. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, inwieweit die aktuellen Bewertungsniveaus – allen voran im Technologiesegment – bereits ein Übermaß an Optimismus einpreisen. Michael Burry, der sich vor der Finanzkrise durch seine Wetten gegen den US-Immobilienmarkt einen Namen machte, äußert sich erneut kritisch: Er sieht in den massiven Investitionen der Technologiekonzerne in Rechenzentren und Halbleiterkapazitäten Anzeichen einer Überinvestitionsphase, begleitet von steigender Verschuldung und potenziell intransparenten Bilanzierungspraktiken. Als historische Referenzpunkte zieht er die Fälle Enron sowie die Dotcom-Blase heran. Unabhängig davon, ob sich Burrys Einschätzung als zutreffend erweist, unterstreicht dies die Notwendigkeit, das Aktienexposure im Portfolio aktiv zu steuern und über Diversifikationsinstrumente nachzudenken.
Der Bantleon Global Convertibles Investment Grade setzt genau an diesem Punkt an. Denn Wandelanleihen kombinieren Eigenschaften von sowohl Anleihen als auch Aktien: Ähnlich wie traditionelle Unternehmensanleihen bieten sie einen festen Kupon und eine festgelegte Laufzeit. Der Unterschied zu klassischen Anleihen besteht jedoch darin, dass sie eine Option beinhalten, die es den Anlegern ermöglicht, die Anleihe gegen eine vorher vereinbarte Anzahl von Aktien des Unternehmens einzutauschen. In schwächelnden Märkten profitieren Investoren von den sicheren, anleihetypischen Merkmalen, während sie gleichzeitig von einem Aufschwung am Aktienmarkt profitieren können, da der Wert der Umtauschoption mit den steigenden Aktienkursen zunimmt. Eine allgemeine Regel besagt, dass ein Portfolio aus Wandelanleihen die positiven Marktbewegungen zu etwa zwei Dritteln mitmacht, während es bei fallenden Märkten nur zu einem Drittel betroffen ist.
Das technische und fundamentale Umfeld für Wandelanleihen war zuletzt laut Gasser zudem außergewöhnlich günstig. Nach einem starken Jahr 2025 setzte sich die positive Wertentwicklung 2026 fort: Der Bantleon Fonds weist 2026 bislang eine Performance von über 10 Prozent aus. Er führt diese Entwicklung auf ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zurück: eine robuste Konjunkturlage, ein dynamischer Primärmarkt sowie neue strukturelle Wachstumsthemen.
Der Neuemissionsmarkt bleibt ein zentraler Treiber der Asset-Klasse. Laut Gasser markierte 2025 das emissionsstärkste Jahr seit 18 Jahren – auch für 2026 wird ein hohes Emissionsvolumen erwartet. Bemerkenswert ist zudem die Qualitätsverschiebung im Markt: Der Investment-Grade-Anteil stieg laut Bantleon-Daten von 14 Prozent Anfang 2021 auf 34 Prozent Ende Juni 2026. „Ein reger Primärmarkt erweitert dabei kontinuierlich das Anlageuniversum und eröffnet Zugang zu neuen Emittenten“, so der Manager.
Interessanterweise könnte gerade jener Investitionsboom, den Burry kritisch beurteilt, der Anlageklasse zusätzlichen Rückenwind verleihen. Der Kapitalbedarf für den Ausbau der KI-Infrastruktur ist enorm – hält dieser Investitionszyklus an, dürfte ein wachsender Teil der Finanzierung laut Gasser über den Wandelanleihenmarkt abgewickelt werden. Das globale Convertible-Universum bietet darüber hinaus bereits heute Zugang zu Wachstumsthemen wie Künstlicher Intelligenz, digitalen Vermögenswerten, Seltenen Erden und Raumfahrttechnologie – Segmente, die in klassischen Anleiheportfolios strukturell unterrepräsentiert sind.
Gasser zieht Vergleiche zur Marktphase 2003 bis 2007: Auch damals zeichnete sich der Wandelanleihenmarkt durch hohe Liquidität und Marktbreite aus, während die Präsenz professioneller Investoren und Hedgefonds zu einer disziplinierteren Preisfindung beitrug. Für den Bantleon Global Convertibles Investment Grade ergibt sich daraus ein Umfeld, in dem die asymmetrische Ertrags-Risiko-Struktur der Anlageklasse – Partizipation an Kurssteigerungen bei gleichzeitigem Anleihe-Puffer – besonders zur Geltung kommen dürfte.
Zuletzt umfasste das Portfolio 98 Titel mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 3,66 Jahren. Die Verzinsung betrug 1,21 Prozent bei einem Rating von BBB+. Der Bondfloor lag bei knapp 80 Prozent und das Delta bei knapp 57 Prozent. Das Delta beschreibt die Veränderung der Wandelanleihekurse der zugrundeliegenden Aktien. In der Regel liegt das Delta im Bereich von 0,3 bis etwa 0,7. Denn nur so kann man das asymmetrische Chancen-Risikoverhältnis gewährleisten. Liegt das Delta über 0,7 verhält sicher Wandler eher wie die Aktie. Gasser und sein Team gewichten einzelne Titel durchaus hoch. Die größte Position ist mit knapp fünf Prozent das US Energieunternehmen Southern Company. Gefolgt von Akamai mit knapp vier Prozent. Weitere große Positionen sind etwa die Western Digital, Welltower (REIT) oder auch Centerpoint[OG1] .
Der Bantleon Global Convertible Investment Grade Fonds gehört über 3 und 5 Jahre zu den Topperformern unter den Wandelanleihefonds. Auch die Volatilität des Fonds bleibt mit rund sieben Prozent im Rahmen. Daher liegt auch die Sharpe-Ratio meist über 1.
Ob es in nächster Zeit zu einem großen Rücksetzer kommt oder nicht, kann niemand seriös prognostizieren. Die Entwicklung im Jahr 2026 zeigt jedoch, dass Anleger mit Wandelanleihefonds attraktive Renditen erzielen können. Im laufenden Jahr waren es meist sogar höhere Renditen als beim MSCI World. Zudem bieten Fonds wie der Bantleon Global Convertible Investment Grade in Krisenzeiten durch den stabilen Bondfloor deutlich mehr Schutz vor übermäßigen Verlusten als reine Aktienfonds. Daher sollten sie in keinem Portfolio fehlen.
| Fondsname | Bantleon Global Convertible PA USD |
| Assetklasse: | Wandelanleihen Welt |
| Fondsvolumen | 301,2 Mio. US-Dollar |
| TER: | 1,50% |
| Perf. Fee | keine |
| WKN: | A2QP9V |
| ISIN: | LU2279741255 |
| Auflagedatum: | 12.03.2021 |
| Perf. laufendes Jahr | 14,7 % |
| 1 Jahr | 38,9 % |
| 3 Jahre | 50,7 % |
| Vola 3 Jahre | 10,9 % |


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