• DAX----
  • ES50----
  • US30----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----

Klaus Kaldemorgen erwartet keine neue Finanzkrise

Klaus Kaldemorgen
Asset Allocation

Im Rahmen eines Pressegesprächs erläuterten Christoph Schmidt, Fondsmanager des DWS Concept Kaldemorgen, Henning Potstada, Leiter Multi Asset und Klaus Kaldemorgen, Kapitalmarktstratege, ihre Einschätzung zu Aktien, Anleihen, Gold, Inflation und den Risiken des KI-Investitionsbooms.

27.08.2026 | 09:00 Uhr von «Jörn Kränicke»

Die Aktienmärkte haben 2026 bislang kräftig zugelegt. Gleichzeitig steigen die Zweifel, ob der Boom rund um Künstliche Intelligenz und die hohen Investitionen in Rechenzentren dauerhaft in diesem Tempo weitergehen können. Die Verantwortlichen des DWS Concept Kaldemorgen bleiben grundsätzlich positiv für Aktien – setzen aber stärker auf Diversifikation und eine ausgewogene Portfoliostruktur.

Aktienmärkte bleiben trotz hoher Bewertungen attraktiv

Christoph Schmidt verwies zunächst auf die starke Entwicklung der internationalen Aktienmärkte. Der MSCI World lag in Euro betrachtet zum Zeitpunkt des Gesprächs rund 13 Prozent über dem Jahresanfang. Gleichzeitig hätten die Unternehmen ein außergewöhnlich starkes Gewinnwachstum gezeigt. Für den MSCI All Country World werde für 2026 ein Gewinnwachstum von rund 32 Prozent erwartet. Auch Europa habe seine Gewinnperspektiven verbessert: Die Erwartungen seien dort von rund zwölf Prozent zu Jahresbeginn auf inzwischen etwa 17 Prozent gestiegen. Der wichtigste Treiber ist nach Einschätzung der DWS-Experten der Boom bei Künstlicher Intelligenz. Neben den direkten KI-Ausrüstern profitieren demnach auch Cloud-Anbieter und die großen Hyperscaler, die derzeit massiv in Rechenzentren und Infrastruktur investieren. Gleichzeitig sei die positive Gewinnentwicklung breiter angelegt und nicht ausschließlich auf KI-Aktien beschränkt. Für die kommenden Jahre bleibt die DWS grundsätzlich optimistisch. Auch 2027 könnte das Gewinnwachstum auf hohem Niveau bleiben. Europa könnte dabei von höheren Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben profitieren, während sich die US-Konjunktur wegen auslaufender fiskalischer Impulse etwas abschwächen dürfte. 

DWS reduziert KI-Anteil im Aktienportfolio 

Trotz der positiven Einschätzung des Technologiesektors hat das Management des DWS Concept Kaldemorgen seine Positionierung verändert. Der Anteil KI-bezogener Titel war im vergangenen Jahr deutlich gestiegen und lag zeitweise bei rund 40 Prozent des Aktienportfolios. Ende Mai wurde die Gewichtung wieder auf etwa ein Drittel reduziert. Gleichzeitig verschob sich der Schwerpunkt innerhalb des KI-Segments von den stark gelaufenen Ausrüstern hin zu den Hyperscalern. Der Hintergrund ist die Bedeutung des Risikomanagements im Multi-Asset-Fonds. KI solle nicht zu einem dominierenden Klumpenrisiko werden, betont Schmidt. Deshalb setzt das Portfolio bewusst auf Gegengewichte, unter anderem mit Versicherern, Versorgern, Pharmatiteln sowie europäischen Banken und Industrieunternehmen. Diese Diversifikation habe sich gerade während der jüngsten Korrektur bei Halbleiterwerten bewährt. Seit dem Beginn der Korrektur des Halbleiterindex SOX Mitte bis Ende Juni habe dieser mehr als 20 Prozent verloren. Gleichzeitig seien Gesundheitswerte zweistellig gestiegen und globale Finanzwerte hätten in diesem Zeitraum rund sieben Prozent zugelegt. Für Schmidt zeigt dies, wie wichtig eine ausgewogene Aktienstruktur abseits der großen Benchmarks sein kann. 

KI-Investitionen: Boom mit Risiken 

Klaus Kaldemorgen sieht den aktuellen KI-Investitionsboom nicht unmittelbar als Auslöser einer neuen Finanzkrise. Allerdings hält er Überinvestitionen und Marktverwerfungen für durchaus möglich. Als historische Parallele verweist er auf den Eisenbahnboom in den USA im 19. Jahrhundert. Damals führten massive, teilweise schuldenfinanzierte Infrastrukturinvestitionen nach einigen Jahren zu Überkapazitäten, einem Börsencrash und einer Bankenkrise. Auch bei den heutigen Investitionen in Rechenzentren könne ein ähnlicher Zyklus entstehen: Zunächst werde kräftig investiert, anschließend könne das Angebot die Nachfrage übersteigen. Entscheidend sei deshalb die Frage, wann sich das Wachstum der KI-Investitionen auf einem nachhaltigen Niveau einpendelt. Für dieses und das kommende Jahr erwartet die DWS allerdings noch keine ausgeprägten Überkapazitäten. Vielmehr gehe es darum, wann der Markt ein Plateau bei den Investitionen erreicht. Gerade für die Ausrüster könnte das problematisch werden, sobald sich das Wachstum verlangsamt. 

Hyperscaler investieren bis zu 1,2 Billionen Dollar 

Das Ausmaß des KI-Booms zeigt sich an den Investitionsplänen der großen Technologieunternehmen. Nach Schätzungen von Investmentbanken könnten Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta und Oracle 2026 zusammen knapp 800 Milliarden Dollar investieren. Für 2027 reichen die Erwartungen laut den genannten Schätzungen von rund einer Billion bis zu 1,2 Billionen Dollar. Gleichzeitig dürften die Wachstumsraten der Investitionen nach 2026 abnehmen. Ein wesentlicher Punkt für die DWS ist die Finanzierung dieses Booms. Die großen Hyperscaler könnten einen erheblichen Teil der Investitionen aus ihren operativen Cashflows stemmen. Zwar wurden zusätzlich Anleihen begeben, der überwiegende Teil der Finanzierung komme aber aus dem laufenden Geschäft. Damit unterscheidet sich der aktuelle KI-Boom aus Sicht der DWS von der Dotcom-Blase um das Jahr 2000. Damals seien viele Unternehmen hoch bewertet gewesen, ohne über etablierte und profitable Geschäftsmodelle zu verfügen. Heute seien die größten Unternehmen dagegen hochprofitabel und verfügten über starke Bilanzen. 

Keine neue Dotcom-Blase – aber mehr Volatilität 

Ein Börsencrash wie zu Beginn der 2000er-Jahre sei daher nicht das Basisszenario der DWS. Dennoch rechnen die Experten mit zunehmender Volatilität. Investoren sollten sich deshalb nicht von kurzfristigen Rückschlägen aus dem Aktienmarkt treiben lassen. Christoph Schmidt verweist auf die langfristige Entwicklung: Der globale Aktienmarkt habe seit 2005 rund zehn Prozent pro Jahr erzielt, der deutsche Aktienmarkt inklusive Dividenden etwa acht Prozent. Wer aufgrund kurzfristiger Korrekturen aussteige, riskiere, einen Teil dieser langfristigen Rendite zu verpassen. Die Botschaft von Schmidt lautet deshalb: investiert bleiben, gleichzeitig aber das Portfolio gegen starke Schwankungen robuster aufstellen. 

Anleihen bleiben das Sorgenkind 

Weniger optimistisch fällt die Einschätzung für die Rentenmärkte aus. Henning Potstada bezeichnet den Anleihemarkt im Multi-Asset-Kontext ausdrücklich als „Sorgenkind“. Gerade die langfristigen US-Renditen seien angesichts der Marke von fünf Prozent bei zehnjährigen und mehr als fünf Prozent bei 30-jährigen US-Staatsanleihen ein wesentlicher Risikofaktor. Nach Einschätzung der DWS sind dabei nicht primär die Inflationserwartungen das Problem. Vielmehr spielen hohe Haushaltsdefizite und das wachsende Angebot an Unternehmensanleihen eine Rolle. Die großen Hyperscaler treten zunehmend selbst als Emittenten am Anleihemarkt auf und konkurrieren damit um das Kapital der Investoren. Gleichzeitig rechnet die DWS nicht mit einem neuen Zinserhöhungszyklus. Die US-Notenbank dürfte die Zinsen in den kommenden Monaten nach Einschätzung der Experten nicht weiter anheben. Auch in Europa wird lediglich mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet. 

DWS setzt im Rentenportfolio auf europäische Anleihen 

Im DWS Concept Kaldemorgen machen Anleihen aktuell rund 35 Prozent des Portfolios aus. Davon entfallen etwa 20 Prozent auf Unternehmensanleihen und 15 Prozent auf Staatsanleihen. Auffällig ist die regionale Ausrichtung: US-Staatsanleihen hält der Fonds derzeit nicht. Auf der Unternehmensanleiheseite liegt der Schwerpunkt auf Euro-Investment-Grade-Papieren. Hier seien laufende Renditen von etwa 3,5 Prozent bei qualitativ hochwertigen Unternehmen möglich. Die DWS sieht darin nach der langen Phase extrem niedriger Zinsen wieder eine attraktivere Einkommensquelle. Dennoch bleibt der Aktienanteil für die langfristige Gesamtperformance des Fonds wesentlich wichtiger. 

Gold bleibt strategische Absicherung 

Gold hat für das Fondsmanagement ebenfalls eine wichtige strategische Funktion. Die Position wurde nach dem starken Preisanstieg zu Jahresbeginn zwar mehrfach reduziert. Im Januar verkaufte der Fonds rund 1,5 Prozentpunkte, nach der Eskalation des Iran-Konflikts im März weitere 2,5 Prozentpunkte. Aktuell liegt die Goldquote bei etwa sieben Prozent - maximal kann sie zehn Prozent betragen. Klaus Kaldemorgen begründet die strategische Bedeutung von Gold weniger mit der kurzfristigen Inflationsentwicklung als mit zunehmender geopolitischer und finanzpolitischer Unsicherheit. Das Vertrauen vieler Staaten in US-Staatsanlagen könne erodieren. Gold könne deshalb als international akzeptierter Vermögenswert eine wichtige Rolle in den Währungsreserven spielen. Die DWS erwartet zwar weiterhin eine erhöhte Inflation, aber keinen erneuten Inflationsschub wie 2021 bis 2023. Für die kommenden zwölf Monate rechnen die Experten in den USA mit einer Inflationsrate überwiegend im Bereich von zwei bis drei Prozent. 

US-Aktien bleiben trotz Dollar-Risiko im Portfolio 

Einen vollständigen Rückzug aus US-Aktien hält die DWS nicht für sinnvoll. Die USA stellen einen dominierenden Anteil an der globalen Marktkapitalisierung, während die großen US-Technologieunternehmen aus Sicht der Fondsmanager weiterhin über besondere Wettbewerbsvorteile verfügen. Im DWS Concept Kaldemorgen entfallen derzeit rund 15 Prozent des Gesamtportfolios auf US-Aktien und rund 20 Prozent auf Aktien aus der Eurozone. Insgesamt liegt die Aktienquote bei etwas mehr als 40 Prozent. Beim US-Dollar bleibt die DWS dagegen vorsichtig. Das ist auch ein Grund dafür, dass US-Anleihen im Fonds keine Rolle spielen. Die US-Aktienposition wird aufgrund der strukturellen Stärke der dortigen Unternehmen dennoch beibehalten. 

Diversifikation erlebt ein Comeback 

Ein zentrales Thema war die Rückkehr der Nachfrage nach Multi-Asset-Strategien. Nach mehreren Jahren mit geringer Nachfrage beobachtet die DWS 2026 wieder deutlich stärkeres Interesse an Fonds, die Aktien, Anleihen und weitere Anlageklassen kombinieren. Christoph Schmidt sieht dabei auch die zunehmende Konzentration großer Indizes als wichtigen Grund. Viele Anleger investierten über ETFs in stark US- und technologiegewichtete Benchmarks, ohne sich der damit verbundenen Konzentrations- und Währungsrisiken vollständig bewusst zu sein. So liegt der US-Anteil im MSCI World bei mehr als 70 Prozent. Auch der Anteil KI-bezogener Unternehmen ist in den großen Indizes erheblich. Für das DWS-Team ist das ein Argument für ein bewusst anders strukturiertes Aktienportfolio.

Kaldemorgen bleibt bullish – aber nicht blind für Risiken

Das DWS-Trio bleibt grundsätzlich positiv für Aktien. Starkes Gewinnwachstum, robuste Unternehmensbilanzen und die Investitionen in Künstliche Intelligenz sprechen ihrer Ansicht nach für weitere Kurschancen. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für die Risiken des KI-Booms. Überkapazitäten, hohe Investitionsvolumina, steigende Anleiherenditen und die starke Konzentration großer Aktienindizes könnten künftig für mehr Volatilität sorgen. Daher lautet die zentrale Botschaft der Fondsmanager nicht, den Aktienmarkt zu verlassen – sondern Risiken innerhalb des Aktien- und Gesamtportfolios bewusster zu verteilen.

Diesen Beitrag teilen: