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Das leise Sterben der Fintechs

In der deutschen Fintech-Branche findet eine Konsolidierung statt. Einige wenige Startups starten durch, doch es scheitern immer mehr Unternehmen. Dafür gibt es Gründe.

03.07.2019 | 08:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Die deutsche FinTech-Branche boomt. Doch die Liste der Verlierer wird immer länger. Insbesondere in den vergangenen zweieinhalb Jahren haben sich die Reihen der einstmals hoch gefeierten Startups gelichtet. Laut dem aktuellen FinTech-Kooperationsradar der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC haben seit 2011 insgesamt 233 deutsche Finanz-Startups ihr Geschäft eingestellt – drei Viertel davon seit 2017.

Während in den Jahren davor nur einzelne Finanz-Startups aufgaben, stieg die Zahl der Geschäftseinstellungen laut PwC-Studie vor zwei Jahren auf 62 steil an. Im Jahr darauf verschwanden dann schon 74 FinTechs, und in diesem Jahr waren es bis Ende Mai 34 – so viele wie noch nie zu diesem Zeitpunkt.

Zwar sei es „ein völlig normaler Prozess, wenn junge Firmen scheitern, auch in insgesamt boomenden Branchen“, sagt Sascha Demgensky, Leiter FinTech bei PwC in Deutschland. „Allerdings gab es bislang keinerlei quantitative Anhaltspunkte, wie weit das Scheitern von Start-ups im Finanzsektor bereits vorangeschritten ist. Insofern hilft unsere Erhebung, die Entwicklung in Zukunft besser einordnen zu können.“

Das finale Aus kommt nach durchschnittlich vier Jahren

Laut PwC-Kooperationsradar sind Finanz-Startups, die ihre Geschäfte einstellen, im Schnitt knapp vier Jahre alt. Die seit nunmehr gut zweieinhalb Jahren zu beobachtende Schließungswelle bei FinTechs könnte also auch eine Folge der Gründungseuphorie in den Jahren 2015 und 2016 sein.

Auch die geografische Verteilung der Firmenschließungen lässt sich leicht herleiten: Die verschwundenen FinTechs hatten ihren Sitz jeweils dort, wo zuletzt besonders viele gegründet wurden. In der Startup-Hauptstadt Berlin gaben 74 Unternehmen auf, der Spitzenwert. Dahinter folgen nahezu gleichauf München (25), Hamburg (21) und Frankfurt (20). 48 Prozent der gescheiterten FinTechs wandten sich mit ihren Produkten und Services direkt an den Endverbraucher. Nahezu gleichauf verfolgten 44 Prozent ein B2B-Geschäftsmodell, bei acht Prozent war keine klare Zuordnung zu einer der beiden Rubriken möglich.

Finanzierungen als Business-Case sind kein Erfolgsmodell

Was die Studie auch zutage fördert: „Finanzierung“ als Geschäftszweck ist für FinTechs keine besonders erfolgversprechende Idee. Allein 70 gescheiterte Startups waren in diesem Bereich  tätig, bei 53 von ihnen handelte es sich um sogenannte Proptechs. Das sind Finanz-Startups mit Bezug zur Immobilienbranche. Es folgen Payment-Firmen (29) und die im Fachjargon InsurTechs genannten Startups aus dem Versicherungsbereich (22).

Im Investmentsegment – wozu zum Beispiel sogenannte Robo-Advisor gehören – verzeichnet die PwC-Studie 20 Geschäftseinstellungen. Elf verschwundene FinTechs hatten sich auf Dienstleistungen rund um den Bitcoin oder die Blockchain spezialisiert.

„Natürlich lassen sich aus den Zahlen keine generellen Vorhersagen ableiten, welche FinTechs scheitern und welche nicht“, sagt PwC-Experte Demgensky. Allerdings lasse sich doch das eine oder andere interessante Muster erkennen. Dass die Zahlen 2017 so plötzlich anstiegen, deute zum Beispiel darauf hin, dass unter den gescheiterten Firmen viele Me-too-FinTechs seien, „die irgendwann 2013 oder 2014 auf den Zug aufspringen wollten und dann feststellen mussten, dass es in ihrem Segment schon Wettbewerber gibt, die schlicht früher dran waren“, so Demgensky.

Auch die leichte Überzahl im B2C-Segment überrasche deshalb nicht. Viele FinTechs hätten hier schlicht die Kundenakquisitionskosten unterschätzt, so Demgensky.

Die PwC-Studie als PDF-Dokument.

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