Der europäische ELTIF-Markt wächst weiter: Bis Ende Juli 2026 wurden 49 neue Produkte aufgelegt. Besonders gefragt sind Private Debt und Evergreen-Strukturen. Scope erwartet weiteres Wachstum – auch durch neue Asset Manager und mögliche Anwendungen in der privaten Altersvorsorge.
28.08.2026 | 12:15 Uhr
Der europäische Markt für European Long-Term Investment Funds (ELTIFs) wächst weiter. Bis Ende Juli 2026 wurden nach einer Analyse von Scope 49 neue ELTIFs aufgelegt. Damit steigt die Zahl der aktiven Produkte in Europa auf 315. Gleichzeitig verändert sich der Markt deutlich: Private Debt bleibt die wichtigste Anlageklasse, Evergreen-Strukturen gewinnen an Bedeutung und immer mehr Asset Manager erschließen den ELTIF-Markt. Scope wertet die Entwicklung als Beleg dafür, dass sich das seit Januar 2024 geltende ELTIF-2.0-Regime als Katalysator für den Zugang zu Private Markets etabliert hat. Seit Einführung der neuen Regeln kamen insgesamt 224 ELTIFs auf den Markt. Unter dem früheren ELTIF-1.0-Regime waren es lediglich 94 Produkte.
Die Dynamik ist weiterhin hoch, auch wenn das Rekordtempo des Vorjahres bislang nicht erreicht wird. 2025 wurden insgesamt 114 ELTIFs aufgelegt, im laufenden Jahr waren es bis Ende Juli 49. Von den 49 neuen Produkten richten sich mindestens 33 an Privatanleger. Neun ELTIFs adressieren professionelle beziehungsweise andere Anlegergruppen. Bei sieben Produkten liegen Scope keine entsprechenden Angaben vor. Damit wird deutlich, dass ELTIFs inzwischen nicht mehr ausschließlich ein institutionelles Investmentvehikel sind. Vielmehr rückt der Zugang zu Private Equity, Private Debt und Infrastruktur auch für private Anleger zunehmend in den Mittelpunkt.
Bei der Wahl des Fondsstandorts dominiert weiterhin Luxemburg. 22 der 49 neuen ELTIFs wurden 2026 bei der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF registriert. Mindestens elf dieser Produkte sind für den paneuropäischen Vertrieb zugelassen. Frankreich folgt mit 14 neuen Produkten, Irland mit zehn und Deutschland mit drei ELTIFs. Über den gesamten Zeitraum seit Einführung des ELTIF-Regimes hat Luxemburg seine Spitzenposition deutlich ausgebaut: Insgesamt sind dort 172 ELTIFs registriert. Frankreich folgt mit 86 Produkten. Die starke Stellung Luxemburgs erklärt sich auch aus seiner Bedeutung als international ausgerichteter Fondsstandort. Für Anbieter, die ihre Private-Markets-Produkte europaweit vertreiben wollen, ist die grenzüberschreitende Strukturierung entsprechend relevant.
Bei den Anlagestrategien zeigt sich ein klares Bild: Private Debt führt den ELTIF-Markt weiterhin deutlich an. Von den 49 neuen Produkten entfallen 21 auf private Kreditstrategien. Dahinter folgen Private Equity mit elf und Infrastruktur mit acht Neuauflagen. Private Debt hatte bereits 2025 mit 42 neuen ELTIFs die Spitzenposition inne. Seit Einführung des ELTIF-Regimes entfallen 35 Prozent aller aufgelegten Produkte auf Private Debt, insgesamt 111 Fonds. Private Equity kommt auf 89 Produkte beziehungsweise 28 Prozent, Infrastruktur auf 52 beziehungsweise 16 Prozent. Scope führt die starke Nachfrage nach Private Debt unter anderem auf laufende Erträge und vergleichsweise gut planbare Cashflows zurück. Zudem profitiert die Anlageklasse von der anhaltend hohen Nachfrage nach privaten Finanzierungslösungen. Besonders beliebt ist Private Debt laut Scope bei Anlegern in Frankreich, Spanien und Italien. In Deutschland spielt das Segment dagegen bislang eine geringere Rolle.
Nicht nur die Anlageklassen verändern sich, auch die Konstruktion der Produkte. Von den 49 neuen ELTIFs sind mindestens 26 als Evergreen-Fonds konzipiert. Dem stehen 14 geschlossene Produkte gegenüber; bei neun Fonds liegen Scope keine entsprechenden Informationen vor. Der Trend ist für den Vertrieb an Privatkunden besonders relevant. Evergreen-Strukturen ermöglichen im Gegensatz zu klassischen geschlossenen Private-Market-Fonds laufende oder regelmäßige Zeichnungen und können unter bestimmten Voraussetzungen auch Rückgabemöglichkeiten bieten. Scope sieht darin einen wichtigen Grund für die zunehmende Verbreitung im Wealth- und Retail-Geschäft. Gleichzeitig steigen dadurch die Anforderungen an die Fondsmanager. Regelmäßige Rückgaben erfordern ein professionelles Liquiditätsmanagement, eine sorgfältige Portfoliokonstruktion und belastbare Bewertungsverfahren.
Während Immobilienstrategien bei den Neuauflagen bislang eine eher untergeordnete Rolle spielen, gewinnen Multi-Asset-ELTIFs an Bedeutung. Die Kombination verschiedener Private-Market-Anlageklassen kann die Diversifikation verbessern und zugleich den Zugang zu Private Markets für ein breiteres Anlegerpublikum vereinfachen. Damit reagiert der Markt auf ein zentrales Problem vieler Privatanleger: Einzelne Private-Equity-, Private-Debt- oder Infrastrukturinvestments können mit hohen Mindestanlagen, komplexen Strukturen und begrenzter Liquidität verbunden sein. Ein diversifizierter ELTIF kann diese Hürden zumindest teilweise reduzieren – abhängig von der konkreten Ausgestaltung.
Der Boom wird nicht nur von etablierten Anbietern getragen. Seit Einführung des ELTIF-2.0-Regimes sind zahlreiche neue Asset Manager in den Markt eingetreten. Allein 2024 und 2025 registrierten sich insgesamt 90 neue Anbieter. Das entspricht rund 61 Prozent aller derzeit aktiven ELTIF-Anbieter. 2024 kamen 33 neue Asset Manager hinzu, 2025 waren es bereits 57. Bis Ende Juli 2026 traten weitere 17 Anbieter in den Markt ein. Insgesamt haben seit 2015 bereits 147 Asset Manager mindestens einen ELTIF aufgelegt. Die Entwicklung zeigt, dass die Reform von ELTIF 2.0 nicht nur zu mehr Produkten, sondern auch zu einem intensiveren Wettbewerb unter den Anbietern geführt hat. Die größere Flexibilität des neuen Regimes eröffnet Asset Managern zusätzliche Möglichkeiten bei Produktentwicklung und Fundraising.
Für die kommenden Jahre erwartet Scope weiteres Wachstum. Gleichzeitig dürfte sich der Wettbewerb verändern. Angesichts der steigenden Zahl vergleichbarer Produkte wird es für Anbieter zunehmend darauf ankommen, über starke Vertriebswege, verständliche Anlagekonzepte und wettbewerbsfähige Kosten zu verfügen. Nicht jeder neue ELTIF wird automatisch hohe Mittelzuflüsse erzielen. Gerade Anbieter ohne etabliertes Vertriebsnetz oder mit wenig differenzierten Strategien könnten es schwerer haben, Anleger zu überzeugen. Für Anleger dürfte damit die Auswahl komplexer werden. Die Zahl der Produkte allein sagt wenig über deren Qualität aus. Entscheidend werden unter anderem Strategie, Gebühren, Liquiditätsmanagement, Bewertungsmethoden und die tatsächliche Performance sein.
Ein zusätzlicher Wachstumstreiber könnte aus der privaten Altersvorsorge kommen. Scope sieht hier potenzielle neue Anwendungsfelder für ELTIFs. Der nächste Entwicklungsschritt des Marktes werde daher nicht allein an der Zahl der Neuauflagen gemessen werden können. Wichtiger seien künftig die tatsächlich eingeworbenen Volumina, die Qualität der Produkte, deren Performance und die langfristige Akzeptanz bei Anlegern. Gerade die Kombination aus langfristigem Anlagehorizont und Zugang zu illiquiden Anlageklassen macht ELTIFs grundsätzlich interessant für Vorsorgelösungen. Ob und in welchem Umfang daraus tatsächlich zusätzliche Nachfrage entsteht, hängt allerdings von den konkreten regulatorischen und produktseitigen Rahmenbedingungen ab. (jk)
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